Hinweisschilder warnen vor Sonnenstich
Schwimmer glauben trotz fehlenden Dachs an «Weltrekord-Flut»

Das fehlende Dach im Aquatic Center von Athen bereitet vor allem den Rückenschwimmern ein Problem. Trotzdem wird eine Weltrekordflut erwartet.

HB ATHEN. Franziska van Almsick sieht es gelassen. Dass das Schwimmstadion über kein Dach verfügt, interessiert die Weltrekordhalterin über die 200 Meter Freistil nicht. «Die Bedingungen sind doch für alle gleich», sagt die 26-Jährige gelassen. Doch die Aussage des deutschen Schwimmstars täuscht nicht über die Probleme hinweg, die die Schwimmer vor den am heutigen Samstag beginnenden Wettbewerben im Aquatic Center von Athen haben. Bereits um 9 Uhr herrschten in der griechischen Hauptstadt Temperaturen um die 30 Grad, Tendenz ansteigend. Dabei steigt nicht nur die Wassertemperatur, sondern die Sonne scheint unbarmherzig auf die Sportler und die Zuschauer hinab. Hinweisschilder auf den Anzeigetafeln erinnern die Zuschauer daran, ausreichend zu trinken, sich einzucremen und eine Kopfbedeckung zu tragen.

Auch wenn die Organisatoren die Finals auf die Abendstunden nach 19.30 Uhr gelegt haben, bleibt das Thema Hitze insbesondere angesichts des fehlenden Daches ein Thema. Eigentlich sollte auch das Schwimmstadion überdacht werden, doch nachdem man beim Bau der Arena dem Zeitplan hinterherhinkte, wurde kurzerhand darauf verzichtet. «Wir denken, es ist großartiges Wetter», sagt Australiens Schwimm-Coach Leigh Nugent augenzwinkernd. «Die Abende sind klasse, die Morgenstunden wunderschön. Von 10 Uhr bis 13 Uhr sind wir in der Sonne, von daher versuchen wir dort nicht allzu lange zu stehen, sondern uns im Schatten aufzuhalten.»

Die Australier haben sich besonders auf die Hitze vorbereitet. Wie Nugent sagt, hat sich das Schwimmteam 15 spezielle Kühlwesten mitgebracht, die eine Vielzahl von Taschen enthalten, in denen Kühlgels untergebracht werden können. Während die Hitze aufgrund der Verlegung in die Abendstunden für die Finals unproblematisch ist, könnte der Wind indes eine Rolle spielen. «Die Wellenbewegungen können ein ziemlich entscheidender Faktor sein», stellt Nugent fest. Einen Vorteil dürfte auch der Rückenwind nicht haben, «weil wir beide Wege zu gehen haben, vielleicht hat das aber einen Effekt auf die 50 Meter.»

Franziska van Almsick, die in Athen über die 200 Meter Freistil bei ihren vierten Spielen die erste Goldmedaille anpeilt, hat aufgrund des fehlenden Daches leicht reden. Sie geht bekanntlich nicht über eine Rückenstrecke an den Start. Doch gerade für die Rückenschwimmer stellt das fehlende Dach ein riesiges Problem dar. Nicht nur, dass sie während ihrer Vorläufe mitten in die Sonne schauen müssen, ihnen fehlt es an der Orientierung. «Für uns ist das ohne Frage problematisch, denn wir wissen nicht genau, wo wir hinschwimmen sollen», sagte Antje Buschschulte, die Weltmeisterin über die 100 Meter Rücken. Aber diesen Nachteil hätten halt alle Rückenschwimmer, so die Magdeburgerin.

Auswirkungen auf die Zeiten befürchtet der australische Schwimm-Coach Nugent für die Olympischen Schwimm-Wettbewerbe indes nicht. «Auch in der Vergangenheit wurden Weltrekorde in Pools ohne Dach aufgestellt.» Entsprechend stehen die Voraussetzungen für diesen Abend gut. Denn Ralf Beckmann, der Chefcoach des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), erwartet für den Auftakt an diesem Samstag bereits eine wahre Weltrekordflut über die 4 x 100 Freistilstaffel der Frauen. Beckmann geht davon aus, dass in den Vorläufen gleich fünf Teams den von der DSV-Staffel gehaltenen Weltrekord knacken werden. Dazu soll auch sein Team gehören.

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