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Hiob Deutsche Telekom

Schlechte Telekom-Nachrichten und kein Ende? Nach den jüngsten Hiobsbotschaften fragen sich Telekom-Aktionäre besorgt, was wohl als nächstes kommt. "Derzeit nichts absehbar Negatives", meint Analyst Stefan Diehl.

Die Dividende fällt kleiner aus. T-Mobil-Börsengang und Schuldenabbau sind bis auf weiteres verschoben. Andererseits sollen Investitionen und Kosten reduziert werden. "Leicht negativ gegenüber den Erwartungen" nennt WestLB-Analyst Stefan Diehl das, was für viele Telekom-Aktionäre nach Hiobsbotschaften klingt.

Die größte negative Auswirkung erwartet Diehl aus der Ankündigung, dass sich der Schuldenabbau verzögert. Das Ziel, zum Jahresende 2002 die Verbindlichkeiten von 62 Milliarden auf 50 Milliarden Euro zu reduzieren, soll nun erst Ende 2003 erreicht sein. In der vergangenen Woche hatte Konzern-Chef Ron Sommer noch bekräftigt, dass die Vorgaben bis Jahresende eingehalten werden.

Nun droht eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Auch Standard & Poor's (S&P) hält eine begrenzte Rating-Senkung um einen Grad für möglich. Dies bekräftigte Peter Kernan, bei S&P verantwortlicher Leiter des Rating-Bereichs für Telekommunikationsunternehmen. Das hätte, so Diehl, "negative Konsequenzen". Denn nach Expertenschätzungen würde eine Abstufung einen erhöhten Zinsaufwand von 80 bis 120 Millionen Euro im Jahr nach sich ziehen.

Die restlichen Mitteilungen Sommers seien dagegen "nichts entscheidend Neues", meint der Analyst. War der Börsengang von T-Mobil bislang noch für Juni oder November angekündigt, schloss Telekom-Chef Ron Sommer jetzt einen Börsengang im ersten Halbjahr aus. Der neue Termin soll je nach Börsenlage flexibel angepasst werden. Ein verständlicher Schritt, meint Diehl, doch er sorge für Unsicherheit. Die Telekom sei für den geplanten Schuldenabbau auf das Geld aus dem Börsengang angewiesen gewesen.

Da die Entwicklung der Finanzmärkte zum jetzigen Zeitpunkt schwer einzuschätzen sei, hält Diehl einen Börsengang noch in diesem Jahr auch immer noch für möglich. Einzig die Verschiebung des Schuldenabbaus spreche dagegen. Sie könnte bedeuten, dass der Börsengang von T-Mobile gar nicht mehr in 2002, sondern erst in 2003 durchgeführt wird. Das belaste den Kurs, meint Stefan Diehl.

Weil gleichzeitig auch kein Käufer für das Kabelnetz in Sicht ist, hält Diehl die Dividendenkürzung für "nachvollziehbar". Die Telekom hat denn auch angekündigt, ihre Investitionspläne und Kosten genauer unter die Lupe zu nehmen und zu kürzen. Der Analyst sieht darin eine positive Chance: "Der Druck wächst, Investitionen und Kosten zu optimieren."

Und wie geht's jetzt weiter? Ein Ausblick sei schwierig, meint Diehl. T-Mobile-Börsengang und Kabelverkauf seien mitentscheidend für die weitere Entwicklung - bei beiden stehen die Entscheidungen noch aus. Sie sorgen damit für Unsicherheit. Immerhin hält es Diehl aber für unwahrscheinlich, dass noch mehr schlechte Nachrichten zu erwarten sind. Wer Telekom-Aktien hält, sollte jetzt nicht rausgehen, empfiehlt er den Aktionären deshalb. Denn der Kurs enthalte die Nachrichten von gestern bereits. Von einem Einstieg rät er zum jetzigen Zeitpunkt aber auch ab.

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