Historiker und Archäologen kritisieren die Entscheidung.
Kugelstoßer zurück am Ort der Olympischen Wurzeln

Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, wenn Astrid Kumbernuss, Ralf Bartels und all die anderen am Mittwoch um Gold kämpfen. Denn die Kugelstoß-Wettbewerbe werden nicht im Olympiastadion, sondern an historischer Stätte im alten Hain von Olympia ausgetragen.

HB ATHEN. Vom Siegerkranz können die deutschen Kugelstoßer an historischer Stätte nur träumen, doch ihren Enkeln werden sie von ungewöhnlichen Ehren erzählen können. "Ich denke, dass wird ein gigantisches Erlebnis", sagt die dreifache Weltmeisterin Astrid Kumbernuss. "Allein der Gedanke, dass dort die ersten Olympischen Spiele ausgetragen wurden, ist ein erhebendes Gefühl." Auch ihr Vereinskollege vom SC Neubrandenburg, der EM-Dritte Ralf Bartels, freut sich "wahnsinnig" drauf. Entgegen der Widerstände von Archäologen und Historikern wird das Weltkulturerbe für die schwergewichtigen Sportler sowie für 15 000 Zuschauer und 350 Medienvertreter freigeben.

776 vor Christus sollen auf der Halbinsel Peloponnes die ersten Spiele stattgefunden haben. Kugelstoßen stand damals allerdings nicht auf dem Programm, deshalb wurde der Ausflug in die Antike von Wissenschaftlern bereits als "PR-Gag" des Internationalen Olympischen Komitees verhöhnt. Der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach sieht jedoch eine andere Pointe darin, dass "dort jetzt Frauen antreten, die früher verpönt waren." Verheiratete Frauen, die damals die nackten Helden bewundern wollten, mussten gar befürchten, von Felsen gestoßen zu werden. "Mit dem Gequatsche um späte Genugtuung habe ich nichts am Hut", sagt jedoch Kumbernuss.

In dem antiken Stadion, wo einst der Lauf über 192 m stattfand, werden zwei Kugelstoßringe aufgebaut. Das Publikum muss - bis auf die VIPs, die Stühle bekommen - auf grasbewachsenen Erdwällen sitzen. Eine elektronische Anzeigetafel gibt es nicht, die Installationen für die Fernsehübertragungen sollen so wenig aufwändig wie möglich werden. "Jeder, der dort hingeht, ist sich bewusst, an welcher Stätte er ist. Da wird nichts kaputtgemacht, wir passen auf", verspricht Kumbernuss.

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