"Historischer Augenblick"
Lula gewinnt überlegen Wahl in Brasilien

Der Linkskandidat Luiz Inacio Lula da Silva hat am Sonntag die Präsidentenwahl in Brasilien eindeutig mit großem Vorsprung für sich entschieden.

Reuters SAO PAULO. Nach Auszählung von 98 Prozent der Stimmen entfielen nach Angaben der Wahlkommission auf den früheren Gewerkschaftsführer Lula 61 Prozent der Stimmen. Sein Konkurrent in der Stichwahl, Jose Serra, erhielt demnach 39 Prozent der Stimmen. Lula, der am Sonntag seinen 57. Geburtstag feierte, sagte im Beisein seiner Frau Marisa: "Dies ist der glücklichste Augenblick in meinem Leben." Die Hoffnung habe über die Furcht gesiegt, sagte Lula, der in Sao Paulo mit seinen Anhängern feierte.

Partei-Präsident Jose Dirceu sagte, jeder, der für die Demokratie in Brasilien gekämpft habe, habe von diesem Moment geträumt. Der Gouverneur von Rio de Janeiro und Mitglied von Lulas Arbeiterpartei, Benedita da Silva, sagte: "Dies ist ein historischer Augenblick für alle Brasilianer. Lula ist ein Mann des Dialogs."

Ein Mitarbeiter von Serra sagte zu Journalisten, Serra habe seine Wahlniederlage eingestanden und Lula telefonisch zu seinem Sieg gratuliert. Er habe ihm viel Glück für das Amt des Präsidenten zum Wohle des Landes gewünscht. Serra war der Kandidat der Regierung des scheidenden Präsidenten Fernando Henrique Cardoso. Der in den USA ausgebildete Volkswirt Serra hatte in der Regierung Cardoso als Gesundheitsminister gearbeitet.

Überschwängliche Siegesfeiern

Lula ist für eine Koalition angetreten, der neben seiner Arbeiterpartei mehrere kleinere linke Parteien und die an der politischen Mitte orientierten Liberalen angehören. In Rio de Janeiro, Sao Paulo und Brasilia feierten viele Menschen überschwänglich den Sieg Lulas, der zuvor drei vergebliche Anläufe um das höchste Amt im Staat unternommen hatte.

US-Präsidialamtssprecher Ari Fleischer sagte zu Journalisten, Präsident George W. Bush gratuliere dem Wahlsieger und er sehe einer produktiven Zusammenarbeit mit Brasilien entgegen.

Die Stichwahl war nötig geworden, weil in der ersten Runde am 6. Oktober kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hatte. In der ersten Runde hatte Lula 46 Prozent der Stimmen gewonnen, während Serra auf 23 Prozent kam. Zur Wahl aufgerufen waren 115 Millionen Brasilianer. Lula wird am 1. Januar kommenden Jahres seine vierjährige Amtszeit antreten.

Aktienkurse zogen in den vergangenen Tagen an

Die Finanzmärkte der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas schienen sich in der vergangenen Woche mit einem Sieg Lulas abgefunden zu haben. Die Landeswährung Real und die Aktienkurse zogen nach monatelanger Talfahrt teils kräftig an. Der Real liegt aber weiter knapp 40 Prozent unter seinem Niveau zu Jahresbeginn. Noch vor wenigen Wochen hatten viele Anleger befürchtet, dass Lula als neuer Präsident mit einer laxen Fiskalpolitik die Unterstützung des Internationalen Währungsfonds (IWF) verspielen könnte. Die Ängste vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch des mit 260 Milliarden Dollar verschuldeten Landes nach einem Wahlsieg des ehemaligen Gewerkschafts-Chefs hatten an den Märkten seit Jahresbeginn beträchtliche Kursverluste ausgelöst

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Den Anstoß für die jüngste Kurserholung gaben beruhigende Äußerungen von Mitgliedern der Arbeiterpartei Lulas, die ihre Verpflichtung zu einer soliden Fiskal- und vernünftigen Wirtschaftspolitik betont hatten. Lula hat sich im Laufe des Wahlkampfes zudem in die Mitte bewegt. Er umwarb die Wirtschaft und konnte sogar einige der mächtigsten konservativen Politiker auf seine Seite ziehen. "All dies hat die Märkte beruhigt. Das Gespenst eines drohenden Zusammenbruchs, das die Kurse so lange belastet hat, scheint nun verschwunden", sagte Helio Ozaki, Analyst beim Brokerhaus Finambras in Sao Paulo. Die positive Stimmung werde sich wohl auch in dieser Woche fortsetzen.

Lula selbst äußerte am Sonntag die Erwartung, dass sich die Finanzmärkte in den nächsten Tagen wieder beruhigen dürften. Jeder wisse, dass ein Kurs von vier Real für den Dollar nicht normal sei. Sein Wirtschaftsberater Guido Mantega sagte in Sao Paulo, der Zentralbankpräsident werde künftig eine größere Autonomie erhalten.<</p> p> Es wird erwartet, dass Lula in den nächsten beiden Tagen sein Übergangsteam benennt. Cardoso hat angeordnet, für einen reibungslosen Übergang der Amtsgeschäfte zu sorgen.

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