Historischer Wettkampf für den Pfälzer
Kraftprotz Weller strebt nach fünfter Medaille

Im Kampf der Superschwergewichte hat Ronny Weller nur ein Ziel: "Eine Medaille muss es werden. Die Farbe ist völlig egal. Hauptsache noch einmal olympisches Edelmetall." Deutschlands stärkster Athlet wünscht sich nichts sehnlicher, wenn er am Mittwoch bei der Heber-Show der Superschwergewichte in der Nikaia-Halle von Athen auf die Bühne geht. Es wäre seine fünfte Plakette.

HB ATHEN. Damit würde der 35 Jahre alte Ausnahmekönner aus dem pfälzischen Waldsee ein neues Kapitel olympischer Geschichte schreiben. Als Gewichtheber an fünf Spielen teilzunehmen, ist schon außergewöhnlich. Das schafften nur Imre Földi (Ungarn/1960 bis 1976) und der Chemnitzer Ingo Steinhöfel (1988 bis 2004). Doch ebenso viele Medaillen besitzt noch niemand.

Weller ist für seinen historischen Kraft-Akt gerüstet. "Im Wettkampf gehe ich über Leichen, da schone ich meinen Körper keine Sekunde. Ich möchte keinen enttäuschen", sagte der Schwergewichts- Olympiasieger von 1992 einen Tag vor seinem vermutlich letzten Olympia-Auftritt. Die Vorbereitung sei gut gelaufen, 460 kg im Zweikampf müssten für eine Medaille reichen, vermutet der über drei Zentner schwere Koloss. Vor 16 Jahren in Seoul holte der gebürtige Vogtländer im DDR-Trikot Bronze im Schwergewicht mit 425,0 kg. Vier Jahre später in Barcelona triumphierte er in der gleichen Kategorie mit 432,5 kg. In Atlanta 1996 und in Sydney 2000 erkämpfte er im Superschwergewicht mit 455,0 kg sowie 467,5 kg jeweils Silber.

Der Olympiasieger und Weltmeister Hossein Rezazadeh (Iran) wird auch diesmal von Weller kaum zu bezwingen sein. Die restlichen Medaillen sollte ein Quartett unter sich ausmachen. Neben Weller zählen dazu Vize-Weltmeister Welitschko Tscholakow (Bulgarien), der WM-Dritte Viktors Scerbatihs (Lettland) und Aschot Danieljan. Dem Armenier wurde vor vier Jahren Bronze wegen Dopingvergehens aberkannt. Auch Scerbatis entpuppte sich schon als Dopingsünder. Dass beide jetzt noch stärker sind als vor ihrer Sperre, kann Weller nicht begreifen. Er hat im Dopingkampf längst resigniert und flüchtet sich in Sarkasmus: "Sollen die doch machen, was sie wollen. Dafür lebe ich zehn Jahre länger, denn die anderen werden Herzprobleme bekommen."

Vier Jahre lang hat sich Weller, der 49 Medaillen bei Olympischen Spielen, WM- und EM-Championaten gewann, nur auf den 25. August vorbereitet. "So schön Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften auch sind, für Ronny zählen eigentlich nur Olympische Spiele", sagte dessen Vater Günther, der zugleich sein Trainer ist. Sportliches Glück war seinem Sohn in dieser Zeit nur wenig beschieden. Bei den WM-Championaten fehlte er immer wegen Verletzungen. Vielleicht hätte er schon resigniert, wenn da nicht das private Glück gewesen wäre. Im Mai vorigen Jahres ehelichte der Hüne seine zierliche Manuela, die sieben Monate später ihre Tochter Joalina Marie zur Welt brachte.

"Frau und Kind haben bei Ronny einen ungeheuren Motivationsschub ausgelöst. Das wirkt wie ein Nachbrenner in seiner fortgeschrittenen Karriere", bemerkte Ronnys Vater. Am Mittwochmorgen wird er zusammen mit Ronnys Schwester vom Urlaubsquartier auf der Insel Samos nach Athen einfliegen. Auch Ronnys kleine Familie und die Schwiegereltern werden von der Tribüne aus die Daumen drücken, was ein gutes Omen sein sollte. Gleiches taten sie beim Triumph in Barcelona, wo sie Weller erstmals an der Hantel in Aktion erlebten. Dass der Herkules elf Jahre später in die Familie einheiraten würde, war damals nicht im entferntesten abzusehen. Manuela war gerade 13 Jahre alt.

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