"Historisches Urteil im deutschen Aktienrecht"
Aktionär gewinnt Klage gegen Infomatec-Chefs

Erstmals hat ein deutsches Gericht einem Kleinaktionär eines am Neuen Markt notierten Unternehmens Schadensersatz zugesprochen.

ddp/vwd/ap AUGSBURG. Die Kammer des Augsburger Landgerichts verurteilte am Montag die ehemaligen Vorstände der Infomatec AG, Gerhard Harlos und Alexander Häfele, dazu, einem Metzgermeister aus dem Ruhrgebiet den Kaufpreis von rund 100 000 Mark (gut 50.000 Euro) für Aktien des inzwischen im Insolvenzverfahren befindlichen Unternehmens zurückzuzahlen.

Die beiden Chefs seien dafür persönlich verantwortlich, dass in den Ad-hoc-Mitteilungen bewusst unwahre Angaben gemacht worden seien, erklärte der Vorsitzende der Kammer. In der laut Gericht reißerisch formulierten Mitteilung vom Mai 1999 habe Infomatec einen Auftrag von Mobilcom von über 55 Millionen Mark angekündigt, obwohl lediglich ein Wert von neun Millionen Mark vertraglich fixiert worden sei. Für den Rest habe nur eine Absichtserklärung vorgelegen. Dem Kleinanleger, der auf Grund dieser Mitteilung für rund 100 000 Mark Aktien des Unternehmens erworben habe, treffe daher keine Mitschuld an seinen Verlusten, da er zu Recht von einer erheblichen Umsatzsteigerung ausgegangen sei. Infomatec hatte im vergangenen Jahr mehrere falsche ad-hoc-Mitteilungen über Vertragsabschlüsse und Geschäftserwartungen korrigieren müssen. Der Aktienkurs sank darauf von 51 Euro auf zuletzt unter einen Euro.

Der Rechtsanwalt Klaus Rotter, dessen Kanzlei rund 200 weitere Aktionäre des Augsburger Medienunternehmens vertritt, sprach von einem historischen Urteil, da erstmals in der 120-jährigen Geschichte des deutschen Aktienrechts ein Kleinanleger Schadenersatzansprüche wegen unzutreffender Unternehmensangaben habe durchsetzen können. "Das ist ein großer Tag, da das Vertrauen in die Märkte wieder zurückkommt", sagte er. Das Urteil habe Signalwirkung auch auf andere Verfahren gegen am Neuen Markt notierte Unternehmen. Rotte kündigte weitere Verfahren auch gegen andere Aktiengesellschaften an.

Das Urteil ist erst ein Teilurteil. Der Aktionär hatte auch das Unternehmen Infomatec verklagt. Dieses Urteil wird aber erst gesprochen, wenn der Konkurs der Firma abgeschlossen ist.

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