Hitliste der beliebtesten Arbeitgeber
"Rohde & Schwarz tickt anders"

Fragt man Studenten nach ihrem Wunscharbeitgeber, fallen meist die Namen der ganz großen Unternehmen. Es gibt jedoch Ausnahmen: Nach einer neuen Umfrage rangiert auf Platz 14 der Beliebtheitsskala der Absolventen eine Firma, die nicht jedermann kennt: Rohde & Schwarz.

HB MÜNCHEN. Die Personalberatung Access hatte 5 000 Absolventen an über 200 Hochschulen befragt, worauf sie bei einem Arbeitgeber Wert legen. Oliver Winkel, Leiter des Personalmarketing bei Rohde & Schwarz, erklärt, warum Studenten das Münchener Unternehmen so mögen.

Die Hitliste der beliebtesten Arbeitgeber wird angeführt von Namen, die jedes Kind kennt: Siemens, Daimler Chrysler, BMW. Rohde & Schwarz ist vielen unbekannt. Wer ist Rohde & Schwarz?

Wir sind ein waschechtes Hightech-Unternehmen und beschäftigen uns in der Hauptsache mit Kommunikations- und Messtechnik. Das heißt: Überall da, wo gesendet und empfangen wird, sind wir direkt oder indirekt beteiligt.

Sie bezeichnen sich gerne als den attraktivsten Mittelständler Deutschlands. Dabei beschäftigt ihr Unternehmen weltweit mehr als 5 900 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von fast einer Milliarde Euro. Wie passt das zusammen?

Von der Größe betrachtet sind wir sicher kein mittelständisches Unternehmen. Aber wir sind ein inhabergeführtes Unternehmen, das viele Tugenden einer mittelständischen Firma pflegt: Trotz 5 900 Mitarbeitern arbeiten wir mit flachen Hierarchien und in einer familiären Atmosphäre. Wir legen Wert darauf, unsere Mitarbeiter zu kennen und einzeln zu fördern. Das ist bei vielen Großunternehmen nicht der Fall.

Infinion, Epcos, Siemens: Die Großen der Hightech-Branche haben dieses Jahr Arbeitsplätze abgebaut. Sie dagegen haben Ihren Mitarbeiterstamm gehalten, in einigen Bereichen sogar ausgebaut. Sind Arbeitsplätze im Mittelstand sicherer als in börsennotierten Großunternehmen?

Shareholder-Value getriebene Unternehmen stehen in Krisenzeiten sicher unter einem enormen Druck. Bilanzen müssen schnell und auch auf Kosten der Mitarbeiterzahl optimiert werden. Diesen Zwang haben wir nicht. Im Gegenteil: In den Bereichen, die für unsere Zukunft entscheidend sind, also in Forschung und Entwicklung, bauen wir auch dann aus, wenn die Konjunktur nicht so läuft, wie wir uns das wünschen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der letzten Monate: War der Arbeitsplatzabbau in der Telekommunikations- und Hightech-Branche in diesem Maße wirklich erforderlich?

Ich glaube nicht. Hier sind Fehler gemacht worden, ist zu hektisch, teilweise panisch reagiert worden. Unsere Mitarbeiter haben die Sicherheit, dass Rohde & Schwarz anders tickt, und sie spüren das auch. Das können wir mit harten Zahlen untermauern: Im Durchschnitt bleibt jeder Mitarbeiter mehr als 18 Jahre im Unternehmen, bei einer Fluktuationsrate zwischen einem und anderthalb Prozent.

Warum glauben so viele Studenten, dass ausgerechnet bei Rohde & Schwarz das Betriebsklima stimmt, es viele Freiheiten und Entwicklungsmöglichkeiten gibt?

Vielleicht, weil uns doch mehr Studenten kennen als Sie glauben. Wir sind zwar nicht jeden Tag im Fernsehen oder im Radio. Aber an den Universitäten sind wir sehr präsent. Und da laden wir die Studenten ein, zu uns zu kommen. Sei es für ein Betriebspraktikum, für einen Einsatz als Werksstudent oder auch um ihre Diplomarbeit bei uns zu schreiben: Im Schnitt haben wir bis zu 180 Praktikanten und Diplomanden im Haus. Nur so kann man sich kennen lernen und feststellen, ob man zueinander passt.

Ihr Unternehmen betreibt Niederlassungen in über 70 Ländern und wirbt auf der Firmen-Homepage, dass man als Mitarbeiter von Rohde & Schwarz in der Welt herumkäme. Gilt das auch für Berufseinsteiger?

Wir sind ein reisefreudiges Völkchen. Wer aber schon in den ersten beiden Berufsjahren einen dauerhaften Auslandsaufenthalt anstrebt, ist bei uns fehl am Platz. Allerdings gehen auch frischgebackene Mitarbeiter für Kundenbesuche immer wieder auf Reisen; da fährt auch schon mal ein Entwickler nach Afrika, wenn's nötig ist.

Wie sieht der typische Bewerber aus, der zu Rohde & Schwarz passt?

Das ist ganz gewiss nicht der Karrierestudent mit einem überdurchschnittlichen Abschluss, Auslandserfahrung und Fremdsprachenkenntnissen. Wichtiger sind uns - neben der fachlichen Kompetenz - Begeisterungsfähigkeit für unsere Technologien und der Wille etwas zu unternehmen. Allerdings finden Neueinstellungen aktuell nur in geringem Umfang statt. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Situation sich bis Mitte nächsten Jahres normalisieren wird. Dann werden auch wieder deutlich mehr Absolventen die Chance bekommen, bei uns und mit uns zu arbeiten.



Das Interview führte Randolf Hillebrand



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