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Hitze schlägt aufs Gemüt

Hitzewelle in den USA mit Rekordtemperaturen. New York stöhnt. Dem Empire State Building und Chrysler Building werden die Außenbeleuchtung abgedreht, damit genügend Strom für die Klimaanlagen bleibt. Die Wasserhydranten auf der Straße werden von geplagten New Yorkern für eine Erfrischung aufgedreht - damit fällt der Wasserdruck in der Stadt. Und nicht nur der Leitungsdruck sinkt, sondern auch die Kaufstimmung.

Der Nasdaq Composite-Index durchlebt eine Durststrecke und fiel am Freitag den sechsten Tag in Folge. Das gab es das letzte Mal knapp zwei Monaten.

Auch die Wirtschaftsdaten wollten keine rechte Erfrischung aufkommen lassen. Von Inflation ist keine Rede mehr, stattdessen geht das Wort von der Deflation auf dem Parkett um. Die Erzeugerpreise sind im Juli um 0,9 Prozent, und damit sehr viel stärker als erwartet, gesunken. Was für die Verbraucher eine gute Meldung zu sein scheint, kann sich als Kopfnuss für die Unternehmen erweisen. Sie sind anscheinend nicht in der Lage, gestiegene Produktionskosten an die Konsumenten weiter zu geben. Das drückt auf die Gewinnmargen.

Die Finanzagentur Thomson Financial/First Call verbreitete schlechte Stimmung. Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Unternehmensgewinne nicht im vierten Quartal wie erhofft erholen werden. Sie bleiben gegenüber dem Vorjahr unverändert. Anfang Juli erwarteten Analysten noch durchschnittlich einen Gewinnanstieg der im S&P 500-Index vertretenen Unternehmen von 5,5 Prozent. Im April war sogar noch von einem Ertragsplus von 12,6 Prozent die Rede. Damit zerstreut sich die Hoffnung vieler Anleger, dass die Wirtschaftsflaute im vierten Quartal ein Ende hat.

Der Wirtschaftsbericht der Notenbank, das so genannte Beige Book, brachte die Investoren nicht gerade zu Freudensprüngen. Das verarbeitende Gewerbe stockt und auch andere Industriezweige lahmen nach wie vor.

Aber eines hat sich zumindest gezeigt: von wegen Crash. Dresdner Kleinwort Wasserstein, die Investmenttochter der Dresdner Bank, sagte für Dienstag eine Wall Street voraus, die um 20 Prozent einbricht. Dem war nicht so. Die Daten zur Produktivität sind nicht enttäuschend ausgefallen. Mit einem Anstieg von zweieinhalb Prozent hat niemand gerechnet, so stark zeigte sich der Produktivitätszuwachs seit Monaten nicht mehr.

Der Netzwerkgigant Cisco hat zwar die Erwartungen des Marktes nicht verfehlt. Aber auch nicht übertroffen, allein das war ein schlechtes Zeichen. Zudem geht das Management davon aus, dass im laufenden Quartal die Umsätze gegenüber dem Vorquartal um bis zu fünf Prozent fallen können.

Vergessen Sie alles das, was Sie bisher an Preiskampf im Chipsektor gesehen haben, sagen die Experten von Lehman Brothers. Der bisherige Wettbewerb sei gar nichts gegen das, was der Branche nun bevorstehe. Denn das Feilschen um die Preise fange jetzt erst an. Intel, der weltgrößte Chiphersteller werde die Preise ab dem 26. August um bis zu 50 Prozent reduzieren. Intel kämpft auf diese Weise verschärft um Marktanteile. Advanced Micro Devices hat seinen Marktanteil in den vergangenen zwei Jahren von 13 auf 21 Prozent ausgebaut.

Credit Suisse First Boston hat 20 Aktien aus dem Halbleiterbereich abgestuft. Die Papiere seien inzwischen überbewertet und die Nachfrage nach Chips werde nicht steigen, sondern weiter sinken, sagen die Analysten.

Die Experten von Goldman Sachs und Credit Suisse First Boston legten auch dem Softwaresektor die Daumenschrauben an. "Die Lage wird sich wahrscheinlich verschlechtern", schreiben sie und reduzieren ihre Gewinnaussichten gleich für mehrere Firmen. So wurden beispielsweise die Ertragsprognosen für Oracle und Siebel Systems gesenkt. Dieser Schritt erfolge bewusst, bevor die beiden Unternehmen ihre Quartalszahlen präsentieren, denn schon jetzt zeichne sich ab, dass die bisherigen Schätzungen "zu optimistisch" seien, heißt es.

Im Dow Jones-Index hat sich wenig getan, die Quartalszahlen von Procter&Gamble zeigten, dass der Konsumgüterriese das erste Mal seit vielen Jahren in die Miesen gerutscht ist. Aber die Erwartungen der Wall Street wurden dennoch leicht übertroffen.

In der kommenden Woche werden unter anderem die Einzelhandelsunternehmen Wal-Mart und Home Depot und die Computerproduzenten Dell und Hewlett-Packard Quartalszahlen vorlegen. Zudem gibt es Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und Verbraucherpreisen, zur Industrieproduktion und die Handelsbilanz wird veröffentlicht.

Der Dow Jones-Index schloss bei 10 416 Punkten und verlor 0,9 Prozent im Wochenvergleich. Die Nasdaq notiert bei 1956 Punkten und gab 5,3 Prozent nach.

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