Hitzfeld bestraft Lizarazu nach Rangelei
Weiter Reizklima bei den Bayern

Die Fans feierten Ottmar Hitzfeld, die "Krisen- Bayern" im Pokal eine kleine Wiederauferstehung - aber abgerechnet wird erst nach dem Bundesliga-Gipfel am Samstag.

HB/dpa MÜNCHEN. "Borussia Dortmund ist ein anderes Kaliber als Hannover. Aber wir haben ein Heimspiel, wir sind Tabellenführer - und so werden wir auch auftreten. Ich gehe fest davon aus, dass wir gewinnen werden", sagte Michael Ballack mit plötzlich wieder erwachtem Selbstbewusstsein nach dem 2:1 (0:0) gegen Hannover 96, mit dem die gedemütigten und öffentlich verhöhnten Stars des taumelnden Fußball-Riesen Bayern München ihre sportliche Pleiten- Serie stoppten und sich wenigstens eine kurze Atempause verschafften.

Wie angegriffen das Nervenkostüm der Bayern-Profis trotz des Sieges weiterhin ist, zeigte sich am Donnerstag beim Training, als Bixente Lizarazu und Niko Kovac im Übungsspiel aufeinander losgingen. Auslöser war ein überhartes Einsteigen des kleinen Franzosen gegen den Kroaten. Co-Trainer Michael Henke, Giovane Elber und Samuel Kuffour warfen sich zwischen die Streithähne, Hitzfeld brach sofort das Training ab. Er zitierte die beiden Übeltäter zum Gespräch in seine Kabine und belegte Wiederholungstäter Lizarazu, der vor Jahren ebenfalls beim Training mit einer Ohrfeige gegen Lothar Matthäus für Aufsehen gesorgt hatte, mit einer Geldstrafe in ungenannter Höhe. Ansonsten nahm der Trainer den Vorfall als gutes Zeichen für das Spitzenspiel am Samstag gegen den deutschen Meister Dortmund: "Man sieht, dass die Mannschaft lebt", meinte Hitzfeld. Präsident Franz Beckenbauer hatte zuletzt von einer "leblosen Mannschaft" gesprochen.

Beim Rekordmeister herrscht also weiterhin ein Reizklima, auch wenn der Doppelschlag von Hasan Salihamidzic (56./Foulelfmeter) und Roque Santa Cruz (58.) am Mittwochabend für Erleichterung gesorgt hatte. Auch Oliver Kahns Elfmeter-Geschenk an den gefoulten Schützen Blaise N'Kufo (90.) konnte daran nichts ändern. "Jetzt kann man einmal ruhiger schlafen", gestand Hitzfeld am Mittwochabend nach einem seiner wichtigsten Siege als Bayern-Trainer. Der 21-jährige Owen Hargreaves verriet nach dem Schlusspfiff, unter welchem Druck die Bayern-Profis vor der Partie standen: "Wir haben eine schwere Zeit hinter uns. Für einige Spieler war es vielleicht die schwerste, seit sie hier sind", bemerkte der Engländer.

Eine Woche nach dem von Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge als "Schande" bezeichneten Ausscheiden aus der Champions League hätte ein Pokal-K.o. die Stunden bis zum Dortmund-Spiel zur Hölle gemacht. Denn Hitzfeld gab offen eine zunehmende Hilflosigkeit zu: "Mit Reden und Sprechen kommt man nicht weiter, sondern nur mit Siegen", sagte der 53-Jährige, der unter der jüngsten Misserfolgsserie schwer gelitten hatte: "Da macht das Trainer-Dasein nicht so viel Spaß", verriet er.

Die 8 000 frierenden Fans im Olympiastadion übten allerdings schon vor den erlösenden Toren den Schulterschluss mit dem Erfolgstrainer, den sie als "besten Mann" anpriesen. Hitzfeld genoss die Sprechchöre: "Die Fans akzeptieren und respektieren meine Arbeit, das Verhältnis stimmt." Sein größter Dank ging jedoch an die Adresse von Ballack, der angeschlagen ins Spiel gegangen war, wie seine Kollegen ängstlich und schwach begann, aber nach der Pause den Foulelfmeter herausholte und als treibende Kraft den zweiten Treffer glänzend vorbereitete. "Es war ein Risiko, ihn zu bringen, er hatte nur einmal trainiert. Aber die Mannschaft braucht einen Leader auf dem Platz, und Michael Ballack war sicherlich die dominierende Person", meinte Hitzfeld.

Die Angst vor einem weiteren Versagen wurde gegen die mutlosen Hannoveraner besiegt, aus der Krise katapultiert haben sich die Bayern aber noch nicht. "In der momentanen Situation kann man nicht erwarten, dass wir die Gegner an die Wand spielen", warb Ballack um Nachsicht für das "viele Sand im Getriebe" (Hitzfeld). Auch die Führung blieb in Deckung: Vorstands-Chef Rummenigge stürmte nach dem Schlusspfiff zwar demonstrativ zur Mannschaft in die Kabine, vor den Journalisten schwieg er aber wie Manager Uli Hoeneß weiterhin eisern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%