Hlabfinale
Schumann rennt der Verunsicherung davon

Der Sportler des Jahres 2000 ist bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton ins Halbfinale eingezogen.

dpa EDMONTON. Die erste allgemeine Verunsicherung hat Nils Schumann mit einem beherzten Spurt auf der Zielgeraden abgeworfen. "Das war sehr aufregend. Zwischendurch habe ich gedacht: Oh Mann, das wird schwer", meinte der sichtlich erleichterte 800-m-Olympiasieger, nachdem er bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton ins Halbfinale eingezogen war. Bei seinem ersten Rennen seit dem 4. Juni in Hengelo mogelte sich der Berliner auf der Innenbahn an dem Südafrikaner Hezekiel Sepeng, dem WM-Zweiten von 1999, sowie an Arthemon Hatungimana aus Burundi vorbei und gewann seinen Vorlauf in 1:45,69 Minuten.

Nervös war Schumann vor seinem Startblock auf- und abgehüpft. Der Muskelfaserriss im Oberschenkel, die fehlende Wettkampfpraxis, der positive Dopingtest seiner früheren Lebensgefährtin Amewu Mensah, dann die Achillessehnenbeschwerden im Trainingslager in Calgary: Der Sportler des Jahres 2000 hat keine leichten Wochen hinter sich. "Die Unsicherheit war ziemlich groß. Ich weiß nicht, ob ich hundertprozentig fit bin, aber ich weiß, dass ich eine Chance habe", freute sich dann aber der 23-Jährige. "Wenn alles gut läuft, kann ich um den Titel mitkämpfen."

Schweizer Andre Bucher ist Favorit

Die schnellste Zeit im ersten Durchgang lieferte der Kenianer Wilfred Bungei mit 1:44,73 Minuten ab. Die Favoritenbürde trägt jedoch Andre Bucher. Der Schweizer ist in diesem Jahr ungeschlagen und lieferte bei den Sportfesten eine Weltjahresbestzeit nach der anderen ab. In Sydney war er vom Italiener Andrea Longo förmlich aus dem Rennen gekegelt worden, am Ende reichte es nur für Platz fünf. "Ich hatte so hart für diese zwei Minuten trainiert, und plötzlich war nach zwei Sekunden alles vorbei", erinnert sich Bucher mit Grausen an das olympische Finale.

Nach Schumanns WM-Auftakt atmete auch sein Manager Jos Hermens auf. "Man weiß ja nie. Ich kann nicht in seine Beine reinschauen. Aber das war stark. Jetzt ist alles möglich", meinte der Niederländer und machte sich schon mal für Dienstag Gedanken: "Wenn mehrere Kenianer durchkommen, dann werden die das Tempo machen."

Wenige Minuten nach seinem Weiterkommen konnte Schumann bereits wieder frech grinsen. Ob er sich bei Hatungimana bedanken musste, weil der ihm die Innenbahn frei gemacht hatte? "Das nächste Mal laufe ich halt außen vorbei", meinte der zweimalige deutsche Meister. Wie in Sydney will er sein Herz wieder in beide Hände nehmen. "Ehrfurcht lohnt sich auch nicht", erklärte Schumann seine pragmatische Philosophie: "Meine Gegner sind schließlich keine Götter. Die haben auch ab und zu Magenprobleme und müssen auch jeden Tag aufs Klo."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%