Hochentwickelter Sprengstoff weist auf Komplizen hin
Mutmaßlicher Attentäter hatte offenbar Kontakte zu bin Laden

Die Identität des "Schuh-Attentäters" ist geklärt. Vermutlich war er kein Einzeltäter. Die Ermittlungsbehörden haben inzwischen weitere Indizien für einen Kontakt zur El-Kaida-Organisation gesammelt.

afp LONDON/WASHINGTON. Der am Samstag auf einem Flug in die USA überwältigte Attentäter ist nach ersten Erkenntnissen kein Einzeltäter. Der in den Turnschuhen versteckte Sprengstoff sei eine so komplexe und wirksame Mischung, dass der Brite Komplizen gehabt haben müsse, berichtete die US-Zeitung "The Boston Globe" am Dienstag unter Berufung auf einen Ermittler. Nach einem Bericht der britischen Zeitung "The Times" könnte der als Richard Cole Reid registrierte Mann bei seinen regelmäßigen Besuchen in einer Londoner Moschee mit Vertretern des El-Kaida-Netzwerks des mutmaßlichen Terroristenchefs Osama bin Ladens in Kontakt gekommen sein.

Gefährlicher Sprengstoff

In der Sprengladung sei ein schwer entwickelbarer Stoff eingearbeitet gewesen, der allein durch die Wärmeeinwirkung einer kleinen Flamme explosionsfähig sei, sagte der Beamte im "Boston Globe". Wenn der Attentäter statt des Streichholzes ein Feuerzeug benutzt hätte, wäre die Ladung auch ohne das Anstecken der Zündschnur hochgegangen. Die in den Schuhen gefundenen 200 bis 250 Gramm Sprengstoff hätten für eine "Katastrophe größeren Ausmaßes" ausgereicht. Offiziell hatte es bislang geheißen, die Sprengsätze hätten zwar vermutlich zu einer heftigen Explosion geführt, das Flugzeug aber nicht zum Absturz bringen können. Der Ermittler sagte, die Lage erscheine zunehmend ernst.

Die französische Polizei teilte unter Berufung auf US-Ermittler mit, bei dem Sprengstoff habe es sich um das nur schwer herstellbare Pentrit gehandelt, das in Militärwaffen wie Artilleriegeschützen verwendet wird.

Spuren weisen auf Komplizen hin

Nach dem Bericht der "Times" hatte der Attentäter seit einigen Jahren unter dem Namen Abdel Rahim die Brixton-Moschee im Südwesten Londons besucht, in der auch Zacarias Moussaoui, ein mutmaßlicher Komplize der Attentäter vom 11. September, regelmäßig verkehrte. Der 33-jährige Franzose marokkanischer Herkunft sitzt derzeit in den USA in Haft. Der Leiter der Moschee betonte, Reid sei nicht in der Lage, einen Anschlag selbständig auszuüben. Vermutlich habe er neue Techniken für Terroranschläge testen sollen. Es sei zu befürchten, dass in der Moschee weitere britische Moslems als "Schläfer" für Attentate rekrutiert worden seien.

Laut "Times" handelt es sich bei dem Attentäter um einen britischen Kleinkriminellen, der wegen Vergehen wie Straßenraubs bereits mehrmals im Gefängnis gesessen hatte. Die britische Polizei habe den 28-Jährigen anhand von Fingerabdrücken identifiziert, die die US-Bundespolizei FBI übermittelt hatte. Reid sei 1973 in Bromley am südöstlichen Stadtrand von London als Sohn eines jamaikanischen Vaters und einer britischen Mutter geboren. Er sei im Gefängnis zum Islam konvertiert.

Attentäter kommt in Boston vor Gericht

Scotland Yard bestätigte zunächst lediglich, dass der Attentäter britischer Staatsangehöriger sei. Reid wurde in Boston wegen eines Angriffs auf die Flugzeugbesatzung und Bedrohung von Passagieren unter Anklage gestellt. Ihm drohen 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 250.000 Dollar (rund 278.000 Euro). Je nach Ermittlungsstand würden jedoch noch weitere Anklagepunkte hinzu kommen, teilten Gerichtssprecher mit. Reid sitzt in einem Gefängnis in Massachussetts in streng bewachter Einzelhaft.

Der Mann hatte am Samstag versucht, an Bord einer Maschine der US-Gesellschaft American Airlines von Paris nach Miami einen in seinen Schuhen versteckten Sprengstoff zu zünden. Passagiere und Besatzung konnten ihn rechtzeitig überwältigen. Der Chef der US-Fluglinie, Don Carty, gab den französischen Behörden Mitschuld an dem vereitelten Anschlag. Obwohl Angestellte am American-Airlines-Schalter im Pariser Flughafen Charles de Gaulle die Sicherheitsbehörden auf das verdächtige Verhalten des mutmaßlichen Attentäters hingewiesen hätten, habe der Mann einchecken können, sagte Carty am Montag im US-Fernsehsender ABC.

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