Hochgeschwindigkeits-Zugänge zum Internet
AOL könnte Hughes verlieren

US-Wettbewerbshüter haben wohl doch mehr Bedenken als erwartet gegen die Fusion von AOL und Time Warner. Sie könnten AOL zwingen, die Beteiligung am Satellitenkonzern Hughes aufzugeben.

HB WASHINGTON. Der Internet-Zugangsanbieter America Online Inc. muss möglicherweise seinen Anteil am Satellitenkonzern Hughes Electronics Corp. abstoßen. Diese Bedingung könnten die US-Wettbewerbshüter stellen, um der Fusion des Internet-Pioniers mit dem Medienriesen Time Warner Inc. zustimmen zu können, berichtet die Tageszeitung "Washington Post" unter Berufung auf informierte Kreise.

AOL hat sich 1999 für 1,5 Mrd. $ an der General-Motors-Tochter Hughes beteiligt. Das geschah im Rahmen der Strategie "AOL überall", nach der die Kunden nicht nur über den Computer ins Internet gehen sollten. Der Vertrag mit Hughes sei nicht exklusiv, aber er reiche weiter als der, den der Software-Gigant Microsoft kürzlich mit Hughes abgeschlossen habe, hieß es.

Die Übertragung von Internet-Inhalten via Satellit ist ein derzeit noch kleines, aber wachsendes Geschäft, das als ernsthafte Alternative zum Internet-Zugang über Fernsehkabelnetze gilt. Bei Kabelnetzen hat allerdings der Fusionspartner Time Warner eine starke Position. Die Kartellbehörde FTC befürchtet deshalb, dass AOL und Time Warner gemeinsam eine beherrschende Rolle bei Hochgeschwindigkeits-Zugängen zum Internet spielen würden.

AOL will seinen rund 27 Mill. Kunden im Herbst den interaktiven TV-Service AOLTV über die Hughes-Satelliten anbieten. Hughes? Satellitenservice DirecTV hat derzeit 8,7 Mill. Abonnenten. Bis Jahresende werden es Marktbeobachtern zufolge 10 Mill. sein.

Die FTC steht noch am Anfang ihrer Prüfung der Fusion von AOL und Time Warner. Ihre Experten haben noch keine Empfehlung ausgesprochen. Die Bedenken der Behörde seien jedoch größer als von Unternehmen und Investoren angenommen, hieß es aus Anwaltskreisen. Auch Analysten waren bisher davon ausgegangen, dass sich den Regulierern kaum Angriffspunkte bieten werden, da es zwischen den Geschäftsbereichen der beiden Unternehmen nur wenige Überschneidungen gebe.

Time Warner bedient als zweitgrößter Betreiber von TV-Kabelnetzen in den USA ein Fünftel der US-Haushalte. Die FTC fordert, dass AOL/Time in den Städten, in denen der Mediengigant das Kabelnetz kontrolliert, den Konkurrenten den Zugang öffnet. Auch für aktuelle und künftige Verbindungen zum Telefonriesen AT&T Corp.könnten die Behörden Restriktionen formulieren. AT&T ist der größte Kabelnetzbetreiber der USA und zugleich an Time Warner beteiligt.

Vertreter der beiden Fusionskandidaten und der FTC haben sich in der vergangenen Woche zu Diskussionen getroffen, aber keinen gemeinsamen Nenner gefunden. Ein Streit um die Zuständigkeiten der einzelnen Regulierungsbehörden erschwert eine Einigung: Die Unternehmen argumentieren, dass nicht die FTC, sondern der Telekommunikationsaufseher FCC über das Kabelgeschäft entscheiden muss. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die FCC innerhalb von Jahresfrist tätig wird. Die FTC möchte die Angelegenheit dagegen so schnell wie möglich klären.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%