Hochhausfallschirme und Post-Aquarien
Das Geschäft mit der Terror-Angst blüht

Fallschirme für den Absprung aus dem Hochhaus, umgebaute Aquarien zum Öffnen verdächtiger Post und Plastikzelte für die ganze Familie mit Luftfiltern: In den USA haben sich Dutzende Kleinunternehmer auf das Geschäft mit der Angst spezialisiert und können sich teilweise vor Anfragen kaum retten.

dpa WASHINGTON. Vor allem die Angst vor Milzbrand-Briefen machen sich viele Firmen zu Nutze. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in einer der großen Zeitungen eine Anzeige für seltsame Glaskästen mit Namen wie "Mailsniff" erscheinen, die Schutz vor verseuchter Post versprechen. Für "unter tausend Dollar" können sie sich mit "dem neuen Produkt für eine veränderte Welt" vor Anthrax und anderen Bakterien schützen, heißt es da etwa.

Billiger ist da schon "BioSafe Mail". Das umgebaute Aquarium eines findigen Unternehmers aus Florida hat keine Filter und verspricht auch keinen Schutz vor Anthrax, aber zumindest bleibe gefährliches Pulver in dem Glaskasten, wenn man die Post darin öffne, sagte der Unternehmer Gerry Calabrese der "Washington Post". Sein umgebautes Aquarium hat zwei Eingriffe, durch die man mit Gummihandschuhen durchfassen und dann innen die Briefe öffnen kann.

Wer Anthrax nur den Vorboten für eine größere Biowaffenattacke hält, der kann sich bei der Firma Polaris International eindecken. Sie bietet nach Angaben der "New York Times" ein keimdichtes Zelt mit Luftfiltern. "Bio Shelter" biete der ganzen Familie im Fall eines Biowaffenangriffs Schutz, verspricht das Unternehmen. Das kurz nach den Anschlägen vom 11. September auf den Markt gebrachte Zelt kostet knapp 2 000 Dollar.

Gegen die Angst vor weiteren Selbstmordanschlägen gegen Hochhäuser versprechen gleich mehrere Unternehmen Abhilfe. Destiny Aircraft in Michigan bietet für 795 Dollar einen Fallschirm, mit dem der Hochhausangestellte im Notfalle vom Dach springen kann. Er habe bereits mehrere hundert Stück seines "ExecutiveChuts" (etwa: Bossfallschirm) verkauft, erklärte Geschäftsführer John Rivers, der sein Produkt gerne im dunklen Anzug vorführt.

JumpShack in Florida verkauft ebenfalls einen Fluchtfallschirm für Hochhausangestellte. "Als ich die Fernsehaufnahmen sah, wie diese Leute vom World Trade Center sprangen, sagte ich mir: Oh Mann, wenn die nur Fallschirme hätten", erklärte Geschäftsführerin Nancy LaRiviere ihre Mission.

Fallschirme mit Reißleine

Ihr "Egress Parachute System" und der "ExecutiveChut" unterscheiden sich von normalen Fallschirmen vor allem dadurch, dass man eine Reißleine anbringt, die den Fallschirm kurz nach dem Absprung automatisch öffnet. Damit könne auch ein Laie abspringen, da er praktisch nichts mehr machen müsse, erklären die Hersteller.

Ein Leiter der Feuerwehr in Chicago, wo das höchste Bürogebäude der USA steht, der Sears Tower, warnte vor dem Absprung. "Es ist nicht zu empfehlen, dass sich jemand einen Fallschirm nimmt und von einem Gebäude aus abspringt, vor allem nicht, wenn es brennt", sagte Dennis Gault der "Washington Times". Gault fürchtet vor allem, dass jemand den Fallschirm schon bei einem Fehlalarm nutzen könnte.

Experten beobachten die Flut der neuen Produkte mit Interesse und Besorgnis. Der Professor für nationale Sicherheitsfragen an der Navy Universität in Newport im Bundesstaat Rhode Island, William Martel, prophezeit noch eine ganze Reihe neuer Krisenprodukte. Aber die meisten Produkte, die er bisher gesehen habe, machten keinen Sinn.

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