Hochinteressantes Experiment
"Großer IQ-Test" lässt Konkurrenz keine Chance

Unzählige legten bei der Suche nach dem intelligentesten Deutschen vor dem Fernseher Block und Bleistift bereit. 100 000 Menschen warteten gespannt vor dem Computer und beteiligten sich schließlich per Mausklick an der teils langatmigen IQ-Show.

dpa KöLN. Am Ende des Fernsehabends mit Einschaltquoten wie bei einem Fußball-Länderspiel oder der Formel 1 stand fest: Die intelligentesten Deutschen sind theoretisch Männer, Rechtshänder, Nichtraucher und sie kommen nicht aus Thüringen.

"Die Sendung ist ein hochinteressantes Experiment, das es noch nie im Fernsehen gegeben hat", verkündete Jauch, der die Show mit Ulrike von der Groeben moderierte, im Vorfeld des "Großen IQ-Tests". Im schlichten Studio spielten, in zehn Gruppen zu je 30 Kandidaten aufgeteilt, Blondinen, Glatzköpfe oder Kraftsportler zusammen mit Prominenten wie Johannes B. Kerner, Lilo Wanders oder Thomas Helmer. 81 Fragen und Problemstellungen aus dem Bereichen Technik, Rechnen oder Logik galt es in zehn bis 40 Sekunden zu beantworten.

Handwerker lieferten sich einen verbissenen Kampf gegen die als bieder verrufenen deutschen Beamten, und natürlich wollten alle wissen, wie gut Blondinen abschneiden - manche von ihnen freilich keine "echten", sondern welche mit gefärbtem Haar, wie Jauch mit sicherem Blick feststellte.

"Man sagt ja, Schauspieler seien eitel und dumm. Da kann ich ja nicht viel verlieren", sagte Schauspieler Hannes Jaenicke. Die Prominenz zeigte sich zunächst gelassen. Mit zunehmender Spieldauer verfinsterte sich bei manch einem jedoch die Miene. Es herrschte Prüfungsatmosphäre: Die Kandidaten auf der einen Seite, die Prüfer Jauch und von der Groeben, flankiert von drei Psychologen auf der anderen. Schon nach 25 Fragen war kein Teilnehmer im Studio mehr fehlerfrei, den ersten Promis war die Überraschung über das eigene "Nicht"-Wissen ins Gesicht geschrieben. Immerhin blieb ihnen wie den 300 anderen Teilnehmern eines erspart: Die "hohle Nuss" des Abends wurde nicht öffentlich gemacht.

Zeit machte den IQ-Testern zu schaffen

Dabei machte den IQ-Testern weniger der Schwierigkeitsgrad als vielmehr die Zeit zu schaffen: Unerbittlich tickte bei jeder Frage die Uhr - mal fünf, mal 20 Sekunden blieben, um nicht ins intellektuelle Niemandsland zu fallen. Wohl denen, die sich dabei die unter anderem in ganzseitigen Zeitungsanzeigen verbreiteten Mitmach-Bögen bereit gelegt hatten. Wer nur zuschauen wollte, musste Sitzfleisch mitbringen: Fast vier Stunden und ein IQ-Extra-Spezial- Intermezzo mit Birgit Schrowange vergingen, bevor die Lösungen über den Bildschirm flimmerten.

Weit nach Mitternacht präsentierten die Moderatoren die mit Jubel aufgenommenen Ergebnisse. Männer waren mit einem durchschnittlichen Intelligenzquotienten von 119 den Frauen um sechs Punkte überlegen. Rechtshänder setzten sich mit 117 über Linkshänder mit 110 hinweg, Nichtraucher waren Rauchern mit 118 zu 113 überlegen. Während Schleswig-Holsteiner mit einem IQ von 122 die "intellektuelle Elite" bildeten, waren die Thüringer (108) das Wissens-Schlusslicht.

Von den zehn Prominenten schnitten die RTL-Moderatorin Sonja Zietlow und der Historiker Professor Eckhart Freise, Gewinner der ersten Million in "Wer wird Millionär?", mit dem höchsten IQ von je 132 ab. Einzelsieger im Studio wurden der Kriminalhauptkommissar Lothar Hausberg (43) aus Linnich und der Schlosser Horst Eickmeier (62) aus Monheim mit einem IQ von je 139.

Marktanteil von mehr als 33 %

Mit Marktanteilen zwischen 33 und bis zu 50 % ließ der "Große IQ-Test" den anderen Programmen keine Chance. Die Gala der ARD Fernseh-Lotterie "Das Lied zum Glück" sahen zu Beginn der IQ- Show parallel nur gut 15 % der TV-Zuschauer. RTL dürfte angesichts der hohen Einschaltquote die Sendungen fortsetzen. Als nächstes könnte die "Emotionelle Intelligenz" (EQ) gemessen werden, in der es um soziale Kompetenz geht. Das hat jedenfalls der Erfinder des "Großen IQ-Test", der Amsterdamer TV-Produzent Reinout Oerlemans, dem Privatsender vorgeschlagen.

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