Hochkarätige Delegation geplant
Das Deutsch-Amerikanische Zerwürfnis

Der Streit zwischen Deutschland und den USA über die Irak-Politik hat offenbar erste wirtschaftliche Folgen für die deutsche Wirtschaft. "Unternehmen berichten über bereits entstandene Ausfälle und schwierige Gespräche mit amerikanischen Kunden", heißt es in einem internen Papier eines großen deutschen Wirtschaftsverbandes, das Reuters vorliegt

Reuters BERLIN. Der ehemalige Verteidigungsstaatssekretär Walther Stützle sagte, der Satz "Europa braucht Amerika, aber auch Amerika braucht Europa" gelte gerade auch wirtschaftlich. Ein Riss in den Beziehungen würde schwerste wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen. Außenhandelspräsident Anton Börner sagte Reuters, er rechne mit drastischen Exportrückgängen, die das Wirtschaftswachstum in Deutschland drücken würden und ein Senkung der geltenden Wachstumsprognosen nach sich ziehen dürften.

Um Schlimmeres zu verhindern, plant die deutsche Wirtschaft inzwischen die Entsendung einer hochkarätigen Delegation nach Washington. Wenn möglich, soll ihr Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) vorstehen. Für Deutschland sind die USA der zweitwichtigste Handelspartner, Deutschland steht für die USA an fünftwichtigster Stelle. Rund 10 % des deutschen Außenhandels wird derzeit mit den USA abgewickelt. Die Bedeutung der USA für die Exportindustrie, den Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft, ist dabei noch deutlich größer als für die Importeure. Für die EU sind die USA der wichtigste Handelspartner. Knapp ein Viertel der EU-Exporte gehen in die USA.

Unterschiedliche Einschätzung der aktuellen Situation

Konkret niedergeschlagen haben sich die Verstimmungen zwischen den beiden traditionell eng befreundeten Ländern bislang angeblich kaum. So jedenfalls äußern sich Verbände und Großkonzerne wie DaimlerChrysler, Siemens und BMW. Allerdings: Im Geschäft mit dem US-Verteidigungsministerium seien deutsche Firmen jüngst, offenbar wegen der Verstimmungen, nicht zum Zuge gekommen, sagt Außenhandelspräsident Börner. Und in den Spitzenverbänden ist intern von "bereits entstandenen Ausfällen" die Rede.

Für Börner sind die nachprüfbaren Folgen aber nicht das einzig entscheidende. "Wenn ich im Kundenkreis das Gefühl habe, denen passt meine Politik nicht, dann es ist klar, dass die zwar heute meist noch bei mir kaufen, dann aber wegbleiben", sagt der BGA-Präsident. "Wenn sie warten, bis sie es messen können, ist die Kuh so ins Wasser gefallen, dass sie sie nur mit riesigem Aufwand wieder heraus bekommen."

Beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) ist bereits offen von "Angst" die Rede, dass Schäden aus der politischen Verstimmung unausweichlich auf die deutsche Wirtschaft zukommen. BDI-Präsident Michael Rogowski forderte angesichts dessen nochmals eindringlich zum Dialog zwischen den Ländern auf und betonte die Bedeutung des transatlantischen Verhältnisses.

Deutsche Wirtschaft nutzt alle Wege

Allerdings wollen auch die Spitzen der deutschen Wirtschaft selbst in den USA aktiv werden und für den Fortbestand der guten Beziehungen werben. Im Mai soll eine 50köpfige Delegation nach Washington reisen, mit Rogowski und DIHK-Chef Ludwig Georg Braun an der Spitze in die USA reisen. Ob Wirtschaftsminister Clement mit kommt, ist nach Angaben seines Ministeriums noch offen. "Ach, dass ist die Delegation, die in den USA keine Termine bekommt", wies aber schon ein hoher Verbandsvertreter auf das mögliche Problem für eine solche Gruppe hin.

Es sind vor allem der deutsche Automobilbereich, die Chemische Industrie und die Maschinenbauer, die angreifbar wären. Diese Bereiche seien besonders stark im US-Geschäft präsent, erklärt DIW-Expertin Sabine Stephan. Dabei seien deren Geschäfte in den letzten zehn Jahren überproportional gewachsen und hätten damit zum zumeist schwachen deutschen Wachstum kräftig beigetragen. Zudem seien die USA der mit Abstand wichtigste Investor in Deutschland: die gegenseitigen Investitionen liegen bei 220 Milliaren Euro. Rund 2000 US-Firmen arbeiten in Deutschland, etwa 3000 deutsche in den USA.

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