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Hochkultur trifft Schwerindustrie: Völklinger Hütte zeigt Inka-GoldDPA-Datum: 2004-07-15 10:04:34

Völklingen (dpa) - Kleiner als ein Daumen, aber aus purem Gold steht die Figur eines adeligen Inka in der riesigen Werkshalle. Kaum eine Armeslänge entfernt thront der tonnenschwere Koloss einer Eisenhütten-Maschine - beides ist längst museal.

Völklingen (dpa) - Kleiner als ein Daumen, aber aus purem Gold steht die Figur eines adeligen Inka in der riesigen Werkshalle. Kaum eine Armeslänge entfernt thront der tonnenschwere Koloss einer Eisenhütten-Maschine - beides ist längst museal.

Zehn Jahre nach ihrer Anerkennung als Weltkulturerbe huldigt die Völklinger Hütte einer antiken Weltkultur: dem Inkareich. «Wir wollen als relativ junges Weltkulturerbe eine Kultur ehren, aus der immerhin zwölf andere Weltkulturerbe-Stätten hervorgegangen sind», sagt Generaldirektor Meinrad Grewenig. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung der Ausstellung am Freitag (16.7.).

Die Ausstellung «Inkagold - 3000 Jahre Hochkulturen» ist nach Angaben Grewenigs in mehrfacher Hinsicht einmalig: Erstmals hat das Larco Museum Peru rund 120 der wertvollen Exponate seiner Schatztruhe an Deutschland entliehen. Weitere 50 Stücke aus dem Linden-Museum in Stuttgart runden die Präsentation von 3000 Jahren Anden-Hochkultur ab, in die auch die Vorläufer der Inkas einfließen. Die Zeugen der Antike aus Gold, Keramik, Silber oder Kupfer treffen in der Gebläsehalle der gigantischen Hüttenanlage auf die Überreste einer ebenfalls überlebten Epoche, der industriellen Blüte in Deutschland.

In den Jahrtausenden, bevor der spanische Eroberer Francisco Pizarro im Jahr 1532 in das Reich der Inkas vorstieß, hatten die Andenvölker filigranes Kunsthandwerk entwickelt und großen Reichtum angehäuft. Die Eroberer faszinierte vor allem das Edelmetall: Mehr als 181 Tonnen Gold und 16 800 Tonnen Silber sollen die Spanier bis 1540 verschifft und nach Europa gebracht haben - wegen des Transports zumeist eingeschmolzen. Doch die in Völklingen ausgestellten Goldschmiedearbeiten - Grabbeigaben wie Brustschilde, Kopf-, Hals-, Ohr- und Nasenschmuck oder Becher, Kronen, Masken und auch Keramikgefäße - zeugen von der hohen Handwerkskunst der Andenvölker.

Die Ausstellungsstücke, die zwischen den stummen schwarzen Kolossen der Schwerindustrie in alarmgesicherten Glasvitrinen auf blauem Teppich positioniert werden, reichen bis in die Zeit um 1200 Jahre vor Christus zurück. Erste Hochkulturen, wie die der Chavin (um 900 v. Chr.) sind ebenso vertreten wie die der Moche (100 v. bis ca. 600 Jahre n. Chr.), die als eine der bedeutendesten Zivilisationen des alten Peru gilt - mit ausgeprägtem Totenkult, Götterverehrungen und Menschenopfern, fruchtbarer Agrarwirtschaft und Kunsthandwerk.

Auch Inka-Vorläufer-Kulturen der Nazca, Huari oder Chimú und die Inka selbst sind mit wertvollen Exponaten in der ehemaligen Eisen- und Stahlhütte präsent. Neben Edelmetallen und Keramik finden sich Kleidungsstücke wie etwa ein antiker Federbehang, mit Papageienfedern bestückt. «Das wird hier ein Hochsicherheitstrakt, alles gefilmt und mehrfach gesichert», sagt Grewenig. Über die Versicherungssumme sei Stillschweigen vereinbart worden - sie sei «gigantisch», sagt der Generaldirektor. Eine Vertreterin des Larco Museums habe die Schätze Anfang Juli ins Saarland begleitet, wo sie wegen des Klimaunterschiedes zunächst zwei Tage unberührt blieben.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurden die einstigen Herrschersymbole großer peruanischer Priesterfürsten und Gottkönige dann in die Gebläsehalle des Weltkulturerbes und in eigens gefertige Schatzvitrinen gebracht. Eines der wertvollsten Stücke ist Grewenig zufolge die mehr als 2500 Jahre alte Fürstenkrone der Chavin-Kultur, Darstellung eines so genannten Stabgottes aus purem Gold.

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