Hochmoderne Produktion im Osten
Solar World realisiert hohe Ausbeute und gute Qualität

In der kleinen Stadt Freiberg bei Dresden schwingt sich die Solar World AG auf, einer der wichtigsten Solarproduzenten in Europa zu werden. Am Standort Freiberg ist die größte integrierte Solarzellenfabrik Europas eröffnet worden. Die Fertigung der Solarzellen erfolgt unter Reinraumbedingungen.

Mit Visionen sollte man vorsichtig sein. Doch manchmal können sie auch schnell wie eine Seifenblase platzen - Stichwort E-Commerce. In der kleinen Universitätsstadt Freiberg bei Dresden wird aber noch eifrig an Visionen gefeilt, und zwar an ganz besonderen. "In 20 Jahren", sagt Ekhard von Dewitz, Finanzchef der Deutschen Solar, "werden wenige Fabriken die Kernkomponenten der Solarmodule per Luftfracht in die sonnenreichen Länder der Erde liefern. Das sind anspruchsvolle aber kompakte Produkte. Und erst dort werden sie dann zu fertigen Solarmodulen mit Glas und Drähten zusammengebaut." Die Deutsche Solar AG, da ist von Dewitz sicher, wird dann zu den großen Fabriken für Wafer und Solarzellen zählen. Noch ist es nicht soweit.

Es ist ein sonniger Tag. Kopfsteinpflaster, Kirche und alte Häuser rund um den Marktplatz von Freiberg erinnern ein wenig an Freiburg oder Heidelberg. Nur, dass in dem 50 000-Seelen-Städtchen hier und da noch einzelne halb verfallene Altbauten in der Altstadt stehen und nicht schon seit Jahrzehnten alles geflickt und lackiert ist. Touristen fotografieren den Dom.

VEB sollte Anschluss an Weltspitze halten

Von Dewitz hat keine Zeit für Dom und Rückblicke ins Mittelalter. Sein Terminkalender ist voll. Der Solaraufbau Ost lässt ihm in diesen Tagen kaum eine ruhige Minute. Im heutigen Gewerbegebiet im Süden der Stadt versuchte die DDR einst, mit dem "Volkseigenen Betrieb Spurenmetalle" Anschluss an die internationale Silizium-Technik für Halbleiter in der Computertechnik zu finden.

Nach der Wende hatte der VEB Spurenmetalle erst mal keine Chance mehr gegen die West-Konkurrenz; aber die Kompetenz der Silizium-Techniker hat dazu beigetragen, dass die einzelnen Sparten des VEB Käufer fanden: Die Wacker Siltronic Gesellschaft für Halbleitermaterialien AG stellt hier heute 150-Millimeter-Wafer für Microchips her; die Freiberger Compound Materials GmbH stellt Gallium-Arsenid-Wafer für die Handy-Industrie her; die Bayer AG kaufte die Solarsparte und gab sie 2001 an die Solar World AG ab.

Die Gebäude der Solar-World-Tochter Deutsche Solar erkennt man an den blau in der Sonne glitzernden Streifen der Solar-Module, die sich um das Gebäude herum ziehen. Das Verwaltungsgebäude von Wacker liegt nebenan auf dem alten VEB-Gelände im Süden von Freiberg. Wacker beschäftigt hier gut 540 Menschen, die Firmen unter dem Dach der Solar World gerade erst 320. Schon 2005 sollen es 750 Mitarbeiter sein.

Module bauen ist relativ einfach

Bei Solar World setzt man auf Wachstum. "Heute gibt es weniger als zwei Dutzend Hersteller von Wafern, rund 50 Hersteller von Zellen und über hundert Modulhersteller weltweit", sagt von Dewitz. Wafer sind die dünnen Scheiben, die aus rohen Siliziumblöcken geschnitten werden. Daraus entstehen in einer langen Reihe von Reinigungsbädern und nachdem die dünnen silbernen Stromleiter angebracht wurden die Solarzellen. Erst werden zehn oder zwanzig Zellen in einem Glasrahmen zu Modulen mit Anschluss an die Steckdose zusammengebaut. Die größte Wertschöpfung geschieht dort, wo die Technik am aufwendigsten ist: bei den Wafern und den Zellen. Module bauen ist dagegen relativ einfach.

Das Gelände der Solar World AG in Freiberg ist eine Ansammlung von Neubauten. Die Firma versucht, die gesamte Produktionskette von der Waferfertigung bis zu den Modulen abzudecken, und hat für Wafer (Deutsche Solar AG), Zellen (Deutsche Cell GmbH) und Module (Solar Factory GmbH) eigene Profit-Center gegründet. Die Deutsche Solar AG baut ihre Wafer-Kapazitäten aus: Heute werden Wafer mit einer maximalen Stromproduktion von 120 Megawatt (MW) hergestellt.

Noch in diesem Jahr soll die Menge auf 200 MW wachsen. Die Deutsche Cell erweitert die Zellenfertigung bis 2005 von 30 auf 60 MW, und die Solar Factory soll dann ebenfalls 60-MW-Module herstellen. Bei den Wafern und Zellen spielt die Solar World dann in einer Liga mit Branchengrößen wie der RWE Solar. Weltweit sind nur japanische Firmen weiter.

Solarenergie-Erzeugung ist eine eigene Wissenschaft

Doch jeder Schritt in der Solarkette ist eine eigene Wissenschaft: Die Konkurrenten im deutschen Markt beschränken sich darum auf Wafer, Zellen oder Module und fragen hinter vorgehaltener Hand: Übernimmt sich die Solar World AG? "Wenn man das intelligent macht, kann man das stemmen", setzt Peter Woditsch dagegen, Vorstandssprecher der Deutschen Solar AG und langjähriger Chef der Solar- sparte der Bayer AG. Woditsch schwärmt vom schnellen Rückfluss der Informationen von einer Stufe zur nächsten, von Synergieeffekten und der geringen Lagerhaltung der einzelnen Firmen.

Das Know-how bei den Wafern bringt er selber mit. "Bei der Zellenfertigung konnten wir das Wissen einkaufen", sagt Woditsch. Produktionsleiter der schlüsselfertig gelieferten Zellenfertigung der Deutschen Cell ist Ralf Lüdemann, vorher Gruppenleiter Zelltechnologie am Forschungsinstitut ISE in Freiburg. Woditsch: "Außerdem sind wir mit allen wichtigen Entwicklungszentren für Solartechnik in Deutschland verknüpft. Der Forschungsanteil bei den Entwicklungskosten ist überschaubar."

Mehr als ein Drittel des Eigenkapitals sind Fördergelder

Dazu gehört auch die Universität in Freiberg, die Bergakademie, die sich schon vor der Wende mit der Siliziumchemie beschäftigte. Bleibt als kritische Größe die Finanzierung. 115 Millionen Euro hat die Solar World seit der Übernahme von Bayer Solar in den Standort Freiberg investiert. Weitere 100 Millionen sollen bis 2005 folgen. Vorteil für Solar World-Chef Frank Asbeck: Freiberg ist Höchst-Fördergebiet. Neben dem Eigenkapital aus dem Börsengang stammen rund 35 Prozent der Investitionen aus Fördermitteln, 40 Prozent aus Bankkrediten.

Abnehmer für die Zellen findet die Solar World genügend. Dazu zählen nicht nur die eigenen Firmen des Solar-World-Imperiums, alle großen Abnehmer der deutschen Solarwirtschaft stehen bereits heute auf der Kundenliste. "Wir sind trotz der Investitionen heute schon profitabel", sagt von Dewitz. Der Bericht für das erste Halbjahr 2002 weist einen Umsatz von 48 Mill. Euro und ein Ergebnis vor Zinsen von 7,2 Mill. Euro aus. Ab dem 4. Quartal 2002 werden die ersten Solarzellen aus Freiberg mit dem Solar-World-Gütesiegel für den Weltmarkt produziert.

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