Hochrangiger Investmentbanker geht
Neue Führungsspitze bei Dresdner Kleinwort Wasserstein

Zwei Wochen nach dem überraschenden Ausscheiden von Leonhard Fischer hat die Dresdner Bank die Führung ihres defizitären Geschäftsbereichs Investmentbanking und Firmenkunden (Corporates & Markets) neu formiert.

pot FRANKFURT/M. An die Spitze der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) rückt Andrew Pisker, der bisher für das Kapitalmarktgeschäft zuständig war. Das Firmenkundengeschäft leitet Karl Ralf Jung, der erst im September zur Dresdner kam. Zuvor war er bei der Hypo-Vereinsbank für das deutsche Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking verantwortlich.

Pisker und Jung erhalten den Titel eines "Co-Head" von Corporates & Markets. Dieser Bereich ist das große Sorgenkind der Allianz-Tochter. Im ersten Halbjahr hatte die Sparte einen Verlust von 834 Mill. Euro eingefahren. Daraufhin hatte die Dresdner vor zwei Wochen ein neues Sparprogramm vorgestellt. Allein bei Corporates & Markets werden 2 000 Stellen gestrichen, im restlichen Konzerns fallen weitere 1 000 Stellen weg. Außerdem musste Fischer als Vorstand für Corporate & Markets seinen Hut nehmen. Seitdem ist Konzernchef Bernd Fahrholz zugleich oberster Verantwortlicher für diesen Geschäftsbereich.

Mit der Ernennung von Pisker und Jung hat sich Fahrholz für einen kleine Führungsmannschaft entschieden. Ihr gehört als dritter Mann nur noch Baudouin Croonenberghs an, der als Chief Operating Officer (COO) wie bisher für die Stabsfunktionen verantwortlich ist. Unter Fischer hatte Corporates & Marktes ein neunköpfiges Führungsgremium, das allerdings eindeutig von Fischer dominiert wurde. Nach seinem Abschied war zunächst die Bildung einer vierköpfigen Führungsmannschaft im Gespräch, aus deren Kreis eine Art "primus inter pares" bestimmt werden sollte.

Als ein Anwärter auf einen Platz im Führungszirkel galt Tim Shacklock, der bei DKW für Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M & A) verantwortlich ist. Weil er bei der Beförderung übergangen wurde, erklärte er - offenbar verärgert - noch am Wochenende seinen Rücktritt. Shacklock beriet viele lukrative Kunden der Bank. In Europa rangiert die Bank beim Geschäft mit Firmenübernahmen inzwischen allerdings nur noch auf Platz 13, nachdem sie im vergangenen Jahr noch die Nummer zwei war. Dennoch könnte das Ausscheiden Shacklocks, das nach seiner Nicht-Berufung in den Führungszirkel zu erwarten war, ein Indiz dafür sein, dass die Bank im Geschäftsbereich M&A möglicherweise etwas kürzer treten will.

Mit der Doppelspitze Pisker/Jung sorgt Fahrholz für klare Zuständigkeiten. Der 42jährige Pisker kümmert sich um das Investmentbanking, der ein Jahr jüngere Jung um die Firmenkunden. Beide Bereiche sollen enger integriert werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Londoner Investmentbankern und den Firmenkunden-Experten läuft derzeit nicht immer reibungslos.

Das größte Problem der beiden Manager dürfte es aber sein, das brach liegende Geschäft anzukurbeln. Zwar befindet sich das Investmentbanking wegen der Börsenkrise weltweit auf Talfahrt. Doch sind die Verluste höher als bei der Konkurrenz. Dies hatte in der Vergangenheit immer wieder zu Spekulationen Anlass gegeben, die Allianz könnte sich von DKW trennen. Finanzkreise gehen allerdings davon aus, dass die Investmentbank zunächst saniert werden muss, bevor die Allianz über ihre Zukunft entscheidet.

Quelle: Handelsblatt

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