Hochschulausbildung im Land der Magyaren
Ein Auslandsstudium kann die Karriere beflügeln

Die Öffnung der ungarischen Gesellschaft und Wirtschaft durch den bevorstehenden EU-Beitritt bietet jungen Menschen neue Möglichkeiten, Karriere zu machen. Es reicht aber bei weitem nicht mehr aus, nur ein Studium zu abzuschließen.

BUDAPEST. War das Diplom an einer Hochschule oder Universität vor Jahren der Garant für eine Karriere, so ist es heute nur noch die Grundlage für eine Karriere. Ungarn sieht sich heute mit den Problemen konfrontiert, die seit den 1980er Jahren in den westlichen Ländern zu Spannungen führen: Es werden zu viele Absolventen mit Diplom an den Hochschulen und Universitäten ausgebildet. Und diejenigen, die nicht über die entsprechenden Beziehungen verfügen, finden zunächst keinen Arbeitsplatz. In diesem Jahr waren im September noch 5409 Hochschulabsolventen arbeitslos, was 15 % der Absolventen des Jahrgangs waren. Im Vorjahr waren es 9 %.

Früher war ein Studium der Wirtschafts- oder der Rechtswissenschaften in Ungarn fast ein Selbstläufer. Heute bietet ein technischer Abschluss, ein Ingenieurstudium als Elektro- oder Maschinenbauingenieur bessere Möglichkeiten. Die Chancen steigen noch, wenn dieses Diplom mit einem wirtschaftlichen Abschluss gekoppelt ist. Gefragt sind auch Absolventen der Hochschulen für Finanzen und Rechnungslegung sowie Informatiker, die über ein spezielles Fachwissen in Managementfragen verfügen. Die größten Probleme dagegen haben Lehrer oder Absolventen aus den Bereichen Kultur und Agrarwissenschaften. Selbst für Marketing- PR- und Werbefachleute gab es in diesem Jahr Probleme. Früher fanden sie leicht einen Arbeitsplatz.

"Ungarische Jugendliche", so Béla Bauer, Direktor des Ungarischen Instituts für Jugendforschung, im September auf einer Konferenz in Pécs, "müssen ihr Wissen und ihre Sprachkenntnisse ausweiten, sonst besteht die Gefahr, sich nach dem Beitritt zur EU noch schwieriger in den Arbeitsmarkt integrieren zu können." Dabei war die Kenntnis von Fremdsprachen, vor allem Englisch, schon immer die Voraussetzung für eine Karriere, vor allem dann, wenn man bei einem ausländischen Unternehmen in Ungarn arbeiten oder sein Studium mit einem Auslandsaufenthalt aufwerten wollte. Daher bemühen sich voraus schauende Eltern in Ungarn, ihren Kindern neben dem Fremdsprachenunterricht in der Schule zusätzlichen Unterricht in mindestens einer Fremdsprache zu vermitteln und die Kenntnisse in der Fremdsprache in Auslandsaufenthalten zu vertiefen.

Als beste Referenz für ein ausländisches Unternehmen gilt ein auch international anerkannter Master of Business Administration (MBA). Studenten, die eine Masterausbildung im Ausland absolvieren, haben beste Aussichten auf eine gute Anstellung in Ungarn. Wer in Ungarn ein MBA-Programm durchläuft, muss wahrscheinlich auf eine internationale Karriere verzichten, da die ungarischen Schulen im Ausland unbekannt sind.

Für viele ungarische Absolventen bedeutet auch ein postgraduiertes Stipendium im Ausland ein Schritt auf der Karriereleiter. Über zwischenstaatliche Abkommen und im Rahmen anderer Programme bieten sich nach dem Erwerb eines Diploms viele Möglichkeiten zur Weiterbildung in den Mitgliedstaaten der EU. Ab Mai nächsten Jahres werden auch in Ungarn Arbeitsplätze in der EU über das EURES-System angeboten. Wie Gábor Csizmár, Parlamentarischer Staatssekretär im Arbeitsministerium, gegenüber der Nachrichtenagentur MTI sagte, werde man entsprechende Informationsbüros einrichten. Auf der Website des Beschäftigungsdienstes, der vom Ministerium betrieben wird, solle EURES erreichbar sein.

In der von der ungarischen Tageszeitung "Magyar Hirlap" veröffentlichte Liste der 50 erfolgreichsten jungen Ungarn unter 36 Jahren sind neben Künstlern und Politikern auch Unternehmer und Banker zu finden. Dabei zeigen gerade die Entwicklungswege dieser jungen Ungarn wie wichtig Fremdsprachen, mehre Abschlüsse und Auslandsaufenthalte sind.

Der 34jährige Ádám Farkas (2. Platz) ist heute Generaldirektor der CIB Bank. Sein Weg führte über ein Diplom an der Budapester Universität für Wirtschaftswissen mit Studienaufenthalten in den USA und England nach oben. Er war Finanzberater der EBWE und Gastprofessor an der London Business School. Auch der 35jährige Tamás Csonka (16.) machte nach einem Studium im Hotelfach eine Karriere in der Finanzwelt. Sein Weg führte ihn in den 1990er Jahren über Leipzig, Düsseldorf, Wien nach London, wo er für Baring Securities und CSFB in führenden Positionen tätig war. Heute führt er sein eignes Hotel in Ungarn.

Béla Seres (21. Platz) ist mit 34 Jahren Chef der Sparte Finanzberatung und Partner bei Deloitte & Touche in Ungarn. Seine Karriere führte über die Universität für Wirtschaftswissenschaften, ein Stipendium in Wien, die Privatisierungsagentur ÁVÜ zu dem Wirtschaftsprüfer. László Czinege (22.), 34 Jahre alt, gehört zu den Führungskräften von HP in Ungarn. Er diplomierte als Elektroingenieur an der TU Budapest und hielt sich zu Studienaufenthalten in Deutschland auf. Der 35jährige Zoltán Bács (38.) wiederum ist heute Stellvertretender Generaldirektor für Finanzen des ungarischen Unternehmens TVK. Nach einem Chemiestudium in Edinburgh studierte er Wirtschaftswissenschaften mit Abschluss in London.

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