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Hochstapler fällt tief

Nicht nur die Blätter hier in New York färben sich langsam rot, sondern auch die Indizes der US-Börsen zeigten am Donnerstag kaum noch ihre grüne Farbe. Nur für einen kurzen Augenblick am Morgen tauchten die Börsenbarometer im Plus auf.

Der Dow Jones Index verlor 0.56 Prozent und ging bei 10724 Punkten aus dem Rennen. Mit 3471 Punkten schloss der Nasdaq Index, das sind rund 1,5 Prozent weniger als am Mittwoch.



Die bösen Vibes waren erneuert die Gewinnwarnungen. Die wollen und wollen nicht enden. Obwohl die Ertragssaison schon eingeläutet ist. Die Börsianer hoffen nun auf ein paar gute Überraschungen. Die blieben aber am Donnerstag mehr als aus.



Als meist gehandelte Aktie riss der Computer-Direktvertreiber Dell mit einer Gewinnwarnung die gesamte Computerbranche in die Tiefe. Die von Dell Management aufgestellten Umsatzerwartungen konnten lange nicht erfüllt werden. Auch Compaq, Gateway und Apple gerieten in den Strudel. Hewlett-Packard war größter Dow-Verlierer. Auch Hersteller von Computerkomponenten hatten unter Dells Ankündigung zu leiden. Die Anleger fürchten sich vor einer schwindenden Computer-Nachfrage, da schrumpft auch das Vertrauen in die Zuliefer-Industrie wie die Halbleiterbranche.



Sogar Micron Technologie tendierte schwächer, obwohl der Chiphersteller am Mittwoch Abend noch vorbildliche Quartalszahlen vorgelegt hatte. Das Unternehmen erwirtschaftete statt des erwarteten Gewinns von 96 Cents je Aktie satte 1,20 Dollar pro Papier. Als Grund für das Ergebnis nannte der Konzern die hohe Nachfrage nach PCs und die geringeren Produktionskosten. Microns Wert litt zudem noch unter einem negativen Analystenkommentar. Prudential Securities bestätigte den Wert zwar auf "halten", reduzierte jedoch die Gewinnschätzungen für das kommende Jahr von 4,80 Dollar auf 3,65 Dollar und für 2002 von 6,00 Dollar auf 5,50 Dollar. Bear Stearns und Chase Manhattan bestätigten dagegen ihre Einstufungen von "kaufen" und "aggressiv kaufen". Auch die Chipkollegen Intel und Texas Instruments mussten Verluste hinnehmen.



Die Lieblinge der Analysten und der Anleger waren am Donnerstag die Konsumwerte. Das Analystenhaus Merrill Lynch denkt, dass Aktien wie Procter & Gamble, Colgate-Palmolive, Gillette, Energizer und Avon ihren größten Dämpfer jetzt überstanden haben. Ärgernisse wie der schwache Euro und die hohen Energiekosten seien nun in den Kursen enthalten. Procter & Gamble und Colgate-Palmolive konnten über vier Prozent zulegen, Chlorox sieben Prozent.



Punkte gut machen konnte darüber hinaus Lucent Technologies. Die Aktie war gefragt, nachdem der Hersteller von Telekommunikationszubehör bekannt gab, einen Großauftrag an Land gezogen zu haben. Der dicken Fisch heißt SBC Communitcations. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf fast eine Milliarde Dollar. Lucent wird seinem neuen Kunden über eine Vertragslaufzeit von fünf Jahren helfen das eigene Netz auszubauen.



Als Kapitalvernichter hat sich mittlerweile Priceline entwickelt. Mit Kursverlusten von fast 40 Prozent war am Donnerstag das Internet-Unternehmen einer der größten prozentualen Verlierer an der Nasdaq. Der Grund: Priceline muss künftig auf die Einnahmen aus zwei Lizenzgeschäften verzichten. WebHouse Club, die für Priceline den Verkauf von Lebensmitteln und Benzin übernommen hatten, und Perfect Yardsale, der Lizenznehmer für die Online-Vermittlung von Gebrauchtwaren, werden sich aus dem Geschäft zurückziehen und in Kürze schließen. Mit Hilfe der Lizenzen hatte Priceline im zweiten Quartal rund 360.000 Dollar eingenommen. Von einem Hochstand von 104 Dollar Mitte April ist der Priceline-Titel nun auf fünf Dollar gefallen. Die Analysten von Salomon Smith Barney stuften die Aktie von "kaufen" auf "neutral" ab. Das Kursziel wird mit acht Dollar beziffert.



Staples fiel um sechs Prozent in den Keller, nachdem Analyst von Salomon Smith Barney die Bürobedarf-Einzelhandelskette von "kaufen" auf "neutral" abgewertet auf.

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