Hochwasser rückt gen Norden vor
Norddeutsche Elbgemeinden rüsten sich für Jahrhundertflut

Das Elbhochwasser rollt Richtung Norden: Die von den Fluten bedrohten Gemeinden und Kreise in Norddeutschland haben am Wochenende mit Hochdruck ihre Schutzmaßnahmen vorangetrieben.

dpa LÜNEBURG/LAUENBURG. Am Sonntagnachmittag lösten die Kreise Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern), Lüneburg (Niedersachsen) und das Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein) Katastrophenalarm aus. Die Flutwelle wird die Region im Nordosten Deutschlands, wo die Elbe an den Grenzen der drei Bundesländer entlang fließt, voraussichtlich am Dienstag erreichen. Überall tagten Krisenstäbe.

Auch im südlichen Schleswig-Holstein wächst die Angst weiter: Nach jüngsten Berechnungen des Wasser- und Schifffahrtsamtes wird die Flutwelle die Stadt Lauenburg, dort wo sich die Grenzen der drei Länder treffen, zwar erst am Freitag erreichen, möglicherweise aber höher sein als die bislang berechneten 9 Meter. 1855 lag der Rekord- Wasserpegel bei 9,88 Metern. Bereits bei 9 Metern wäre die historische Altstadt von Lauenburg bis zu einem Meter überschwemmt.

Besonders in den betroffenen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns und Niedersachsens stieg am Sonntag mit dem Pegelstand die Nervosität. Die Vorkehrungen wurden überall verstärkt. Die Sicherung des 60 Kilometer langen Elbdeichs zwischen Dömitz und Boizenburg wurde nach Behördenangaben weitgehend abgeschlossen. Die erste Flutwelle wird nicht vor Dienstag erwartet. Vermutlich müssen 2400 Dorfbewohner ihre Häuser verlassen, im schlimmsten Fall 20 000. Im niedersächsischen Amt Neuhaus wird mit erheblichen Problemen gerechnet. Dort seien 6000 Menschen gefährdet, hieß es.

Mit Hochdruck bereiteten sich die Einsatzkräfte im südlichen Schleswig-Holstein auf das Hochwasser vor. Bereits am Samstag hatten die Behörden Hochwasseralarm für die Hilfsorganisationen ausgelöst. Den mehr als 400 Helfern gelang es am Sonntag, einen maroden Deich in Lauenburg zu sichern, der ein Gewerbegebiet schützt, in dem 1000 Menschen arbeiten. Außerdem steht dort ein Chemiewerk.

Außer Lauenburg werde auch das zehn Kilometer flussabwärts gelegene Geesthacht vor den Toren Hamburgs von der Flut betroffen sein, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Das nahe Kernkraftwerk Krümmel ist nach Angaben der Werksleitung nicht bedroht. Es sei ohnehin wegen der Jahresrevision abgeschaltet.

In Mecklenburg-Vorpommern können nach den Worten von Innenminister Gottfried Timm (SPD) rund 40 000 Helfer zusammengezogen werden. Wenn es beim erwarteten Pegelstand von 6,29 bis 6,40 Metern bleibe, gebe es die Chance, das Schlimmste zu verhindern. Steige das Wasser aber weit über sieben Meter, würden Deiche und damit weite Flächen überflutet werden, die noch nie von Hochwasser betroffen waren.

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