Hockey
Endlich Emotion

„Blüh im Glanze dieses Glückes“ haben die Sportlerinnen auf dem höchsten aller Treppchen gesungen. Eigentlich haben sie mehr geschluchzt als gesungen. Deutschland ist Olympiasieger im Frauenhockey - eine mittlere Sensation im Finale gegen die hochfavorisierten Holländerinnen.

"Blüh im Glanze dieses Glückes" haben die Sportlerinnen auf dem höchsten aller Treppchen gesungen. Eigentlich haben sie mehr geschluchzt als gesungen. Deutschland ist Olympiasieger im Frauenhockey - eine mittlere Sensation im Finale gegen die hochfavorisierten Holländerinnen. Und ein Abend, der nicht nur bei 16 deutschen Spielerinnen, sondern auch im Publikum jene Emotionen freisetzt, die man bei Olympia 2004 bisher so schmerzlich vermisst hat.

Das ist nicht allein mit dem überraschenden Sieg eines Außenseiters zu erklären, den es dutzendfach bei Olympischen Spielen gibt. Es liegt auch daran, dass beim Hockey die gute alte Sportwelt irgendwie noch intakt scheint. Hier ist man noch der Überzeugung, ehrliche Arbeit abzuliefern - die Spieler auf dem Rasen und die Fans auf den Rängen.

Es ist zum Großteil Fachpublikum, dass sich zum großen Finale auf den hoch aufragenden Tribünenplätzen des Hockey-Stadions versammelt: Mitglieder und Fans von Hockey-vereinen aus Mannheim oder Berlin-Lichterfelde fiebern mit ihren Teamkolleginnen, während eine Übermacht an Oranje-Trikots die holländische Mannschaft nach vorn schreit. Wenn in der Pause diskutiert wird, dann über die letzte Strafecke oder die argentinische Rückhand. Das Thema Doping scheint hier weit, weit weg - dabei sind es gerade mal 30 Kilometer: Im Athener Olympiastadion werden zur gleichen Zeit die amerikanischen Top-Sprinter des 200-Meter-Laufs aus-gepfiffen.

Das sind zwei verschiedene Sportwelten: Hier die muskelbepackten Stiernacken, die vom Publikum nur noch misstrauisch beäugt werden. Dort die zierlichen Frauen in braven Hockey-Kleidchen, die auf ihre Weise ihr Finale verdauen: Die einen heulen vor Freude, die anderen vor Enttäuschung. Es sind Emotionen, die keiner auf den Rängen mit einem Fragezeichen versieht. Das ist der feine Unterschied zwischen Hockey und Leichtathletik.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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