Hockey
"Und dann waren die Kampfschweine unterwegs"

Das einzige deutsche Mannschaftsgold bei Olympia haben die Hockey-Herren geholt. Im Interview äußert sich Bundestrainer Markus Weise über Olympia und die Zukunft. Der Schlüssel zum Erfolg sei die Abwehrstärke der Mannschaft gewesen.

Als einziger Trainer in einer Ballsportart hat es Markus Weise geschafft, nacheinander mit Frauen und Männern Olympiasieger zu werden. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) äußert sich der Bundestrainer über sein Erfolgsrezept und die Zukunft der Mannschaft.

Frage: "Markus Weise, herzlichen Glückwunsch zum Olympiasieg. Wie hat es die Mannschaft geschafft, gegen die starken Spanier ohne Gegentor zu bleiben?"

Markus Weise: "Wir haben es hinbekommen, Spanien aus unserem Kreis rauszuhalten. Die Jungs haben eine herausragende Abwehrleistung geboten. Jeder hat nach hinten mitgearbeitet. Die Innenverteidiger Timo Weß und Max Müller haben unglaublich viel abgegriffen. Endlich haben wir auch mal eine Strafecke reingemacht, und dann waren die Kampfschweine unterwegs und haben sich in alles reingeworfen."

Frage: "Sie haben eine ganz besondere Bestleistung aufgestellt, noch nie konnte ein deutscher Trainer in einer Ballsportart nacheinander mit Frauen und Männern Olympiasieger werden. Was bedeutet Ihnen das."

Weise: "Nichts. Mir persönlich ist das egal. Mir ist es nur wichtig, dass die Mannschaft gewonnen hat. Ich habe es als meine Hauptaufgabe angesehen, dass eine Ansammlung von starken Spielern, Querköpfen und Patienten zu einer Einheit wird, die Freude an sich empfindet. Das ist offenbar gelungen. Ich bin stolz auf das Team."

Frage: "Die Vorrunde mit den Unentschieden gegen Belgien und Südkorea war holprig. Wie hat das Team die Kurve gekriegt?"

Weise: "Vielleicht ganz gut, dass wir gegen Südkorea nicht gewonnen haben. So mussten wir gegen Neuseeland und Spanien gewinnen, um nicht auszuscheiden. Das war eine ganz klare K.o.-Situation. Die Mannschaft scheint das zu brauchen. Nach dem Spiel gegen Belgien habe ich sie zu einer internen Sitzung in die Tiefgarage geschickt. Sie sollten sich mal untereinander aussprechen. Da geht es auch um ganz banales Zeug was einige nervt, ob immer die gleichen beim Essen zusammensitzen müssen zum Beispiel. Es ist besser, wenn sie solche Sachen selbst regeln."

Frage: "Die Spieler sind von vornherein mit dem Ziel angetreten, Gold zu holen. Kam diese Vorgabe von den Spielern selbst oder aus dem Trainerstab?"

Weise: "Wir haben vor Olympia insgesamt drei Zielgespräche geführt. Die Vorgabe, wir wollen Gold, ist zu unkonkret. Es geht darum, dass jeder sich verpflichtet, seinen Job so gut wie möglich zu machen, damit dann aus dem Ganzen Gold entstehen kann."

Frage: "Die deutsche Mannschaft war sicher nicht die spielstärkste im Turnier und hat auch relativ wenig Tore geschossen. Was war das Erfolgsgeheimnis?"

Weise: "Hier hat sich die Mannschaft durchgesetzt, die ihre Stärken am besten eingebracht hat. Wir haben die Champions Trophy 2007 gewonnen, weil wir die abwehrstärkste Mannschaft waren. Das Geheimnis heißt, die Stärken stärken. Darauf haben wir uns nach der Champions Trophy im Juni fokussiert. Die Schwächen bekommt man in einer so kurzen Zeit nicht raus, und wenn man daran arbeitet, besteht die Gefahr, die Stärken zu verwässern."

Frage: "Wie sieht die Zukunft aus, liegt der Schwerpunkt auf der WM 2010 oder auf Olympia 2012?"

Weise: "Eine gute Frage. Das werden wir jetzt in Ruhe mit dem Präsidium und dem Trainerstab besprechen. Das Turnier in Hamburg im Oktober ist ein Schaulaufen. Am liebsten würde ich da mit dem Perspektivteam spielen. Die Frage ist, ob es sinnvoll ist, mit den Älteren weiterzumachen. Die hören möglicherweise mitten in einem olympischen Zyklus auf. So eine Gruppe hat immer Dynamik, und ab morgen gibt es diese Mannschaft nicht mehr."

© SID

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