Höchste Alarmstufe bei Nachrichtendiensten: Gefahr von Terroranschlägen dramatisch gestiegen

Höchste Alarmstufe bei Nachrichtendiensten
Gefahr von Terroranschlägen dramatisch gestiegen

In den Zentralen der deutschen Nachrichtendienste herrscht nach Beginn des Bomben-Kriegs gegen den Irak die höchste Alarmstufe. Die Gefahr von terroristischen Aktivitäten habe sich mit Beginn der Militäraktionen schlagartig verstärkt, auch wenn es bisher keine konkreten Hinweise gebe. So auch die Stellungnahme aus dem Haus von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) am Donnerstag. Im Kanzleramt zieht der für die Geheimdienste zuständige Koordinator Ernst Uhlau die Fäden.

dpa/HB BERLIN. Die Aktivitäten des Bundesnachrichtendienstes (BND) mit Sitz in Pulach bei München, des Bundesamtes für Verfassungsschutz sowie des Militärischen Abschirmdienstes (beide Köln) hatten schon vor dem Ausklinken der ersten Bombe über Bagdad erheblich zugenommen. Es galt, Vereine und Organisationen von in Deutschland lebenden Ausländern verschärft unter die Lupe zu nehmen und den Blick weiträumiger über die deutsche Extremistenszene schweifen zu lassen. So prosaisch umschreiben Mitglieder der "Dienste" ihre gegenwärtige Arbeit. Involviert ist auch das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden.

Der BND hat im Voraus gewusst, dass die USA in der Nacht zum Donnerstag zuschlagen werden. Der für die Aufklärung im Ausland zuständige Dienst ist stolz, gut informiert gewesen zu sein, "und zwar aus eigenem Aufkommen und nicht nur über Partnerdienste", hieß es. Die BND-Erkenntnisse seien auch Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Gute gekommen.

Der BND habe über die Lage im Irak durchaus ein eigenes Bild und müsse sich nicht nur auf die Partner verlassen, sagte Behörden- Sprecherin Michaela Heber. Ungeachtet des gegenwärtig eher frostigen Klimas auf der politischen Ebene zwischen Berlin und Washington funktioniere aber die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit gut. Dies gelte auch für Großbritannien.

Geheimdienstexperten berichten, dass die Suche nach dem genauen Aufenthaltsort des irakischen Diktators Saddam Hussein - ähnlich wie bei dem El-Kaida-Führer Osama bin Laden - im Mittelpunkt der geheimdienstlichen Aktivitäten vieler internationaler Dienste stehe. Sie hoffen, jetzt erfolgreicher zu sein, wohl wissend, dass die Fahndung nach dem scheuen Präsidenten der Suche einer Nadel im Heuhaufen gleiche. Es sei überhaupt nicht sicher, dass sich Saddam in der 5-Millionen-Stadt Bagdad aufhalte, wird spekuliert.

Natürlich sagen die deutschen Nachrichtendienste nicht, wie sie an ihre Informationen aus dem Irak und der Region kommen. Gute Beziehungen, auch persönlicher Art, zu allen möglichen Kreisen spielten eine wichtige Rolle, erläutern Insider. Zur Basisarbeit der Nachrichtendienste gehört unter anderem, dass öffentlich zugängliche Quellen wie Publikationen, Rundfunk- und TV-Sendungen mit eigenen Erkenntnissen abgesichert werden, um so zu einem verlässlichen Bild zu kommen.

Aufgabe des Verfassungsschutzes ist es, "Gefahrenherde" im Inland frühzeitig zu erkennen. Dabei steht die Beobachtung von Personen und Gruppen im Mittelpunkt. Wichtig sind auch Zuträgerdienste von so genannten V-Leuten. Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm hatte unlängst öffentlich eingeräumt, dass mit Reaktionen von links- und rechtsextremistischen Gruppen gerechnet werden muss.

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