Höchste Sicherheitsstufe in Seoul
Alarmstimmung vor USA-Spiel

Vor dem Spiel des Mit-Gastgebers Südkorea gegen die USA am Montag in Daegu haben die Behörden die bisher umfangreichsten Sicherheitsmaßnahmen bei der WM veranlasst. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung hat aus Angst vor möglichen Anschlägen seinen Stadionbesuch abgesagt.

dpa SEOUL. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung hat seine Reise nach Daegu abgesagt, die US-Botschaft in Seoul wird geschlossen und die Sicherheitskräfte im Land des Mit-Ausrichters befinden sich in höchster Alarmbereitschaft. Das sportliche Kräftemessen zwischen Südkorea und den USA bei der Fußball-WM sprengt den Rahmen des Normalen. Vor dem Aufeinandertreffen des Spitzenduos der Gruppe D am Montag in Daegu haben die Behörden die bisher umfangreichsten Sicherheitsmaßnahmen bei den Titelkämpfen veranlasst.

Aus Angst vor möglichen Anschlägen wird das südkoreanische Staatsoberhaupt nicht wie beim 2:0 gegen Polen im Stadion weilen. Aus Sicherheitsgründen verzichtet Kim, der Trainer Guus Hiddink nach dem Auftaktsieg in der Kabine persönlich gratuliert hatte, auf die Reise in den Süden des Landes. Dort sind 37 000 US-Soldaten stationiert. Neben einem Großaufgebot von Polizisten soll eine Anti-Terror-Einheit die Sicherheit im Spielort gewährleisten.

Allein 5000 Sicherheitskräfte werden am Montag rund um die US- Botschaft in Seoul im Einsatz sein. Das Gebäude bleibt während des Spiels geschlossen, umliegende Straßen und Plätze werden weiträumig abgesperrt. Linke Kräfte haben bereits zu anti-amerikanischen Demonstrationen aufgerufen. Im benachbarten Gwangwhamun-Distrikt wird die Partie daher auch nicht auf Großbildleinwänden übertragen. Dort hatten am Dienstag über 100 000 Fans den 2:0-Erfolg ihrer Mannschaft gegen Polen verfolgt. Mit dem Verbot sollen die Fans von der US- Botschaft fern gehalten und mögliche Krawalle im Falle einer Niederlage des Gastgebers verhindert werden.

Das US-Team erhält bei der WM ohnehin den umfangreichsten Schutz. Bei jedem Schritt werden die Spieler, Trainer und Funktionäre von Sicherheitskräften begleitet. Bei der ersten Vorrundenpartie gegen Portugal in Suwon waren 4300 Polizisten im Einsatz. Verlässt der Mannschaftsbus das Quartier, steigen Hubschrauber zur Überwachung der Fahrtroute in den Himmel auf. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten schützen die US-Kicker beim Training.

Die Partie in Daegu erhält zusätzliche Brisanz durch das in Südkorea deutlich abgekühlte Verhältnis zur einstigen Schutzmacht. Ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Korea-Krieges (1950-53), in dem die USA Seite an Seite mit Südkorea gegen nordkoreanische Verbände kämpften, sind die Beziehungen nicht mehr nur freundschaftlich. Offen wird bei Studenten-Demonstrationen der Rückzug der amerikanischen Truppen gefordert, durch das Internet geistern anti-amerikanische Parolen. Eine Sondereinheit von 600 Cyber-Polizisten soll die Urheber ausfindig machen.

Die Stimmung gegen die Weltmacht hat im vergangenen halben Jahr auch den Sport erfasst. Als bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City der südkoreanische Shorttracker Kim Dong-Sung im Finale über 1500 m disqualifiziert wurde und US-Star Apolo Anton Ohno die Goldmedaille erhielt, ging ein Aufschrei der Entrüstung durch das Land. Für die meisten Südkoreaner geht es in der Partie in Daegu daher nicht nur um Punkte und Tore.

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