Höchstens zehn Börsengänge bis Jahresende
IPO-Rückblick: Nach drei Absagen weiterhin unklarer Ausblick

Nachdem die jüngsten drei IPO-Kandidaten einer nach dem anderen kurzfristig ihr Börsendebüt abgesagt haben, rechnen Experten mit weiteren Rückziehern. Noch einige Unternehmen werden an der "allgemein lethargischen Marktsituation" scheitern, sagte Alf Niezold, Aktienstratege bei der Hypo-Vereinsbank. Eine schnelle Verbesserung sei nicht in Sicht.

Reuters FRANKFURT. Ende Juni hatte die Schnellrestaurantkette Nordsee ihren Börsengang verschoben. Am Dienstag sagten dann der Holzmaschinenhersteller Lignum und der Softwareanbieter Brainlab unter Verweis auf die ungünstigen Marktbedingungen ihre für Mittwoch und Donnerstag geplanten IPOs ab. Von den insgesamt 19 Neuemissionen an deutschen Börsensegmenten in diesem Jahr notierten am Donnerstag nur fünf oberhalb des Ausgabepreises.

"Was wir brauchen, ist eine Neuemission, die auch einmal Erfolg hat", sagte Norbert Empting, Händler beim Börsenmakler Schnigge. Das sei jedoch nicht absehbar. Die derzeitige Situation sei "umgekehrt proportional" zu der vor einem Jahr. "Die Unternehmen können machen, was sie wollen, es interessiert einfach keinen", sagte er. "Im letzten Jahr wurde alles gekauft, dieses Jahr gar nichts." Die Aktienkursentwicklung hänge allein von der Stimmung ab, und selbst als konservativ eingestufte Werte wie Fraport blieben auf der Strecke. Die Aktie des Flughafenbetreibers notierte am Donnerstag unter ihrem Ausgabepreis von 35 ?. Trotz der hohen Nachfrage im Vorfeld des Börsengangs hatte der Wert bereits den ersten Handelstag mit einem Minus beendet.
Fraport-Kursverlauf

"Investoren wollen einfach nicht in Neuengagements investieren", sagte Aktienstratege Nietzold. "Das ist keine Frage des Preises." Nordsee und Lignum seien zwar "absolut börsenreife Unternehmen, die auch qualitativ die Bedingungen erfüllen", das werde aber vom Markt derzeit einfach nicht angenommen.

Der letzte Börsendebütant Essanelle hat am Kleinwertesegment Smax ebenfalls einen unglücklichen Start erlebt. Das seit dem 22. Juni gelistete Unternehmen notierte zwischenzeitlich mit 4,65 ? mehr als dreißig Prozent unter dem Ausgabepreis von sieben Euro.

Deutsche Börse und Sunways erfolgreich

Eines der wenigen Unternehmen, das sich bislang positiv entwickelte, ist die Deutsche Börse. Der Wert hat seit dem ersten Handel im Februar rund zehn Prozent gewonnen und liegt derzeit etwa zwanzig Prozent über dem Ausgabepreis.
IPO-Top/Flop

Auch der Solarzellenhersteller Sunways notierte am Donnerstag rund dreißig Prozent über dem Ausgabepreis von sieben Euro, lag jedoch zugleich mit 9,00 ? gut dreißig Prozent unter dem ersten Handelskurs von 13 ?. Eine bessere Stimmung an den Handelsplätzen könne nur vom Markt kommen, sagte Schnigge-Händler Empting.

Vor allem die Zusammensetzung der Indizes müsse neu diskutiert werden. "Werte, die eine bestimmte Zeit zwischen null und drei Euro notieren, müssen kompromisslos aussortiert werden. Wenn da nichts passiert, ist der Neue Markt auf Jahre hin out", sagte Empting und verwies auf entsprechende Regularien an der US-Technologiebörse Nasdaq.

Keine Besserung im zweiten Halbjahr in Sicht

Im zweiten Halbjahr rechnen die Experten mit noch weniger Börsengängen als in den ersten sechs Monaten. Eine allmähliche Besserung der Marktstimmung sei ab dem vierten Quartal möglich, sicher gehe es aber ab 2002 wieder aufwärts, sagte Thomas Teetz, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Spätestens dann würden Zinssenkungen, Steuersenkungen und der Abbau von Überkapazitäten im Technologiebereich ihre Wirkung entfalten.

Als nächstes will der Anbieter von Telematik- und Zahlungsystemen für Busse und Bahnen, Init AG, am 24. Juli seine Aktien am Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse notieren lassen. Insgesamt rechnet Aktienstratege Nietzold mit höchstens zehn Börsengängen bis Ende des Jahres.
Init AG hält am Börsengang fest

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