Höchster Fehlbetrag in deutscher Unternehmensgeschichte
Telekom trotz Rekordverlust auf Weg der Besserung

Die Deutsche Telekom hat 2002 wegen hoher Abschreibungen mit fast 25 Milliarden Euro den höchsten Verlust in der deutschen Unternehmensgeschichte verbucht. Im vierten Quartal übertraf der Konzern allerdings mit seinem operativen Ergebnis die Erwartungen der Finanzmärkte und befindet sich nach Einschätzung von Analysten nun auf dem Weg zurück in die Gewinnzone.

Reuters HANNOVER. Trotz über den Erwartungen der Analysten liegender Zuwächse bei Umsatz und operativem Ergebnis von Oktober bis Dezember bestätigte die Telekom am Montag in Hannover lediglich ihre zurückhaltenden bisherigen Erwartungen für 2003. Einen Zeitpunkt für die Rückkehr in die Gewinnzone nannte das Unternehmen nicht. An der Börse rutschten die Aktien nach zunächst positivem Start kräftig ab und zogen auch den Gesamtmarkt in die Tiefe. Ein Fondsmanager sagte, offenbar hätten einige Akteure am Markt auf bessere Zahlen der Telekom spekuliert.

"Das abgelaufene Geschäftsjahr war für die Telekom das schwierigste überhaupt", sagte der seit November amtierende Konzernchef Kai-Uwe Ricke. Inzwischen sei man auf dem richtigen Weg bei Entschuldung und profitablem Wachstum. Nach dem im Neunmonats-Zeitraum wegen Abschreibungen auf Firmenwerte ausgewiesenen Konzernfehlbetrag von 24,5 Mrd. ? sei im vierten Quartal nur noch ein Verlust von 0,1 Mrd. ? (Vorjahr minus 2,5 Mrd. ?) hinzugekommen. Auch die Telekom-Konkurrenten France Telecom und Vodafone hatten 2002 nach Sonderabschreibungen Nettoverluste in zweistelliger Milliardenhöhe verbucht. Der Umsatz der Telekom kletterte um 11,1 % auf 53,7 Mrd. ?, das operative Ergebnis (Ebitda) legte im vergangenen Jahr um 7,8 % auf 16,3 Mrd. ? zu. "Ich bin hoffnungsfroh, irgendwann auch wieder schwarze Zahlen zu schreiben", sagte Ricke, ohne Einzelheiten zu nennen. Finanzchef Karl-Gerhard Eick ließ offen, wann die Telekom wieder eine Dividende zahlen will. Für den Umsatz 2003 verwies er auf Schätzungen an den Finanzmärkten über einen fünfprozentigen Zuwachs. Zudem bekräftigte er die Prognose, wonach ein Ebitda von 16,7 bis 17,7 Mrd. ? erwartet werde.

Die im vierten Quartal durch Beteiligungsverkäufe um 3,2 Mrd. ? auf 61,1 Mrd. ? gesunkene Verschuldung soll bis Ende 2003 auf 49,5 bis 52,3 Mrd. ? sinken. Dies entspricht dem Dreifachen des operativen Gewinns und würde zur Stabilisierung der Bonitätsbewertung der Telekom beitragen. "Wir werden das Schuldenziel erreichen und brauchen keine Kapitalerhöhung", sagten Ricke. Knapp sechs Mrd. ? sollen aus den durch Investitionskürzungen steigenden freien Finanzmitteln kommen. Zudem muss sich die Telekom noch von Beteiligungen im Wert von 1,8 bis 4,1 Mrd. ? trennen. Der Verkauf weiterer Anteile der Internet-Tochter T-Online sei jedoch nicht geplant, sagte Ricke. Im Dezember hatte die Telekom ihren 82-prozentigen T-Online-Anteil um zehn Prozent reduziert.

Im Gegensatz zu dem weitgehend erwarteten Rekordverlust im Gesamtjahr überraschte der größte europäische Telekom-Anbieter die Analysten im Schlussquartal. Wachstumstreiber waren neben dem dominierenden Festnetz die Mobilfunktöchter, deren operatives Ergebnis und Umsatz um mehr als 20 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg. Die verlustreiche US-Mobilfunktochter verzeichnete ein starkes Kundenwachstum und ein höheres operatives Ergebnis. Der Umsatz der Telekom kletterte im Schlussquartal auf 14,5 (13,3) Mrd. ?, das operative Ergebnis (Ebitda) erhöhte sich auf 4,4 Mrd. ? von 3,8 Mrd. ? im Vorjahr.

Analysten sagten, die Ergebnisse des vierten Quartals seien besser als erwartet. "Vor allem das starke Umsatzwachstum ist angesichts des konjunkturellen Umfeldes sehr ermutigend, denn Kosten sparen allein kann jeder", sagte DZ-Bank-Analyst Robert Vinall. Holger Bosse, Analyst bei Helaba Trust, erwartet, dass der zuletzt positive Trend beim Nettoergebnis der Telekom anhalten wird. "Vor Abschreibungen wird die Telekom im laufenden Geschäftsjahr keinen Verlust mehr schreiben", sagte Bosse. Auch Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin glaubt: "Der Trend bei der Telekom zeigt nach oben." Die zuletzt vom Unternehmen für 2003 abgebene Prognose für das operative Ergebnis von 16,7 bis 17,7 Milliarden Euro erscheine beinahe pessimistisch. "Ihr Schuldenziel wird die Telekom erreichen, da die freien Finanzmittel weiterhin hoch sein werden", fügte der Analyst hinzu. Ein anderer Analyst sagte, sollte der Trend nachhaltig sein, könne die Telekom beim Nettoergebnis bereits 2004 die Gewinnzone erreichen.

An der Börse rutschten die Telekom-Aktien bis zum Nachmittag um rund sieben Prozent auf 9,40 ? ab. Ein Fondsmanager sagte: "Ich finde keine Haar in der Suppe." Andererseits habe die Telekom auch nicht positiv überrascht, und darauf hätten offenbar einige Händler gesetzt. Ein anderer Analyst sagte, angesichts des guten Quartalsergebnisses sei die Frage, warum die Telekom zuletzt eine Zwangswandelanleihe im Volumen von bis zu 2,3 Mrd. ? ausgegeben habe. Die Ausgabe der Anleihe, die am Ende der Laufzeit in Telekom-Aktien getauscht werden muss, hatte Ende Februar den Telekom-Kurs stark belastet.

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