Höflichkeit der Asiaten wirkt ansteckend
Andere Länder, andere Sitten

Der Japaner wundert sich allmählich: Da hat er vor der WM alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen gegen die saufenden Horden aus dem Abendland getroffen und dann benehmen sich die europäischen Fans gar nicht wie die Tiere. Auf nichts kann man sich mehr verlassen.

Zwar durften rund 1000 britische Hooligans gar nicht erst ihre Heimat verlassen, und 18 weitere wurden bei der Einreise umgehend in den Flieger zurück geschickt. Doch sind dies nicht die einzigen Gründe für die ruhige WM: Der gemeine Fußball-Hooligan steht in Japan eben auch vor einem psychologischen Problem. Wie soll man hier den gegnerischen Fans das Gesicht oder den einheimischen Kaufleuten die Fensterscheiben einschlagen, wenn alle um einen herum so unglaublich hilfsbereit und nett sind? Das verdirbt einem ja den ganzen Spaß am Randalieren. Spielverderber.

Beispiel Sapporo: Dort reisten 7 000 Briten zum Spiel der Spiele gegen Argentinien an. Die örtlichen Behörden gaben zwei Turnhallen frei zur kostenlosen Übernachtung. "Jeder ist so freundlich hier und die Atmosphäre exzellent", sagte ein britischer Fan.

Auch ein schwedischer Anhänger berichtet von seinem ersten Aha-Erlebnis auf japanischen Boden noch vor dem offiziellen Turnierbeginn: Als er mit seinen Kumpels im Nationaltrikot völlig ahnungslos und orientierungslos vor dem Freundschaftsspiel Schweden-Japan durch Tokio irrte, kamen acht einheimische Fans auf sie zu und umkreisten die Gruppe. Jetzt gibt?s Ärger, dachte der junge Schwede, doch die Japaner wollten nur fragen, ob sie beim Finden des Weges behilflich sein können. Auch mit den Briten hat der Skandinavier diesmal gute Erfahrun-gen gemacht: "Während sie bei der EM 1992 in Schweden richtig Ärger gemacht haben, luden sie uns nach dem Spiel England-Schweden auf ein paar Drinks ein." Und das nach einem - aus englischer Sicht - wenig überzeugenden Unentschieden. Andere Länder, andere Sitten.

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