Höhen und Tiefen
Die Story des Neues Marktes

Als "Leben auf der Überholspur" bezeichnete einmal ein Fondsmanager die Geldanlage am Neuen Markt. In Anbetracht der dort herrschenden Schnelllebigkeit von Informationen und Gerüchten traf diese Einschätzung auch bis zum Jahr 2000 zu.

HB/scc DÜSSELDORF. Dass es so weit kommen würde, ahnte am 10. März 1997 noch niemand, als die deutsche Variation der bereits in den frühen siebziger Jahre gegründeten US-Wachstumsbörse Nasdaq ihre Pforten öffnete. Mit dem Automobilzulieferer Bertrandt und der Telefongesellschaft Mobilcom machten ganze zwei Unternehmen den Anfang. Weitere 15 Unternehmen folgten 1997, im Folgejahr waren es bereits dreimal so viele.

Die Jahre 1999 und 2000 zeigten dann einen Neuemissionsboom, wie ihn Deutschland bis dato nicht erlebt hatte. Mit exakt 133 Unternehmen erlebte die Deutsche Börse 2000 einen nie für möglich geglaubten Ansturm an den Neuen Markt, der zu diesem Zeitpunkt für die Unternehmen die einfachste Form des Geldeinsammelns war und den Anlegern aberwitzige Zuwächse versprach. Am 10. März 2000 schloss der Nemax 50 bei 9 631 Punkten. Eine ganze Industrie aus Beratern, Investmentbänkern, PR-Agenturen und Börsenblättern lebte damals vom Neuen Markt.

Doch schon bald stellte sich heraus, dass sich unter die vielen Unternehmen auch solche gemischt hatten, bei denen Schein und Sein nicht zusammenpassten. Gefälschte Bilanzen, fingierte Aufträge, Fantasieumsätze und Kursmanipulationen waren die gravierendsten Vergehen, mit den das Vertrauen der Anleger zerstört wurde. Als Gipfel der Dreistigkeit gilt noch heute der Münchener Telematik-Spezialist Comroad, der etwa 95 % seiner Umsätze mit Geschäftspartnern in Fernost erfand.

Doch es waren nicht nur Betrugsfälle, die die Anleger vergraulten. Zumeist gingen schlicht Geschäftsmodelle nicht auf. Der Niedergang der "new economy" tat sein übriges. Seit Beginn dieses Jahres haben über 60 Unternehmen - zumeist aus Kostengründen - den Neuen Markt verlassen. Weder Analysten noch Investoren widmeten ihnen noch einen Blick. Gestern stand der Nemax 50 bei 360 Punkten.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%