Höhere Aktienzahl macht Dividendenzahlungen schwieriger
Voicestream-Aktionäre erhalten weniger Bargeld

Die Deutsche Telekom zahlt für die Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Voicestream 4,23 Mrd. $ (9,64 Mrd. DM) in bar und damit weniger als ursprünglich erwartet. Im Gegenzug erhalten die Voicestream-Aktionäre nach Angaben der Telekom vom Donnerstag mehr Aktien.

afp BONN. Für die Übernahme von Voicestream und den US-Handynetz-Betreiber Powertel wird das Grundkapital des Bonner Konzerns von derzeit rund 7,8 auf 10,7 Mrd. ? erhöht. Dazu werden rund 1,17 Mrd. neue Namensaktien ausgegeben. Für die Telekom-Aktionäre könnte dies eine Verwässerung ihrer Dividende bedeuten. In jedem Fall muss die Telekom künftig mehr Geld aufbringen, will sie das Dividendenniveau nicht sinken lassen.

Die Telekom hatte die Übernahme von Voicestream im Juli 2000 verkündet. Damals hatte das Unternehmen den Voicestream-Aktionären noch 3,2 Telekom-Aktien und 30 Dollar für jeden Anteilsschein geboten. Insgesamt hätte der Konzern nach diesem Modell rund 7,7 Mrd. Dollar in bar für den Einstieg auf den US-Mobilfunkmarkt auf den Tisch legen müssen. Nun spart das hochverschuldete Unternehmen rund 3,5 Mrd. Dollar an Barmitteln. Der Telekom-Aktienkurs legte bis zum Nachmittag um gut drei Prozent auf rund 24,50 ? zu.

Grund für die Absenkung des Baranteils sind der Kursverlust der T-Aktie und das US-Steuerrecht. Telekom-Chef Ron Sommer hatte mit der Voicestream-Führung vereinbart, dass der Baranteil der Offerte vermindert wird, wenn die Telekom-Aktie deutlich nachgibt. Denn steuerfrei ist der Baranteil für die Voicestream-Aktionäre nach US-Recht nur, wenn er am Gesamtpreis nicht mehr als 18 % ausmacht. Experten gingen zuletzt von einem Umtauschverhältnis von knapp 3,7 Telekom-Aktien und 15,7 Dollar pro Voicestream-Anteilsschein aus.

Auswirkungen auf den Telekom-Kurs unklar

Unklar sind die Auswirkungen des Einkaufs in den USA auf den mittelfristigen Kurs der Telekom-Aktie. Stoßen Großaktionäre von Voicestream ihre neuen Aktien an dem deutschen Unternehmen schnell wieder ab, könnte dies die ohnehin schon stark gebeutelte T-Aktie weiter unter Druck setzen. Telekom-Chef Sommer hat den Aktionären auf der Hauptversammlung am Dienstag jedoch versichert, mit den Voicestream-Großeignern seien Haltefristen von bis zu zwei Jahren vereinbart worden. Maximal hundert Mill. Aktien, also rund zehn Prozent der neuen Anteilsscheine, könnten vorher zurückfließen. Telekom-Analyst Joeri Sels vom Bankhaus Julius Bär rechnet aber nicht mehr mit größeren Verkäufen. Die T-Aktie sei derzeit "lächerlich billig. Es spricht nicht viel dafür, dass hier viel auf den Markt kommt".

Aktionärsschützer zeigten sich aber weiter besorgt zu den von Sommer angekündigten Folgeinvestitionen für Voicestream und Powertel. "Sommer zufolge sollen für den Netzaufbau in den USA 2001 und 2002 1,8 bis 1,9 Mrd. $ ausgegeben werden", sagte Petra Krüll von der Frankfurter Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Die Frage ist, inwiefern und wann man dann in der Lage sein wird, mit dem US-Standbein auch einen Ertrag zu erwirtschaften."

Grundsätzlich könnten die VoiceStream-Aktionäre in den kommenden Tagen auch von dem Deal zurücktreten, weil der Wert der T-Aktie mit zuletzt rund 24 ? deutlich unter der im vergangenen Jahr vereinbarten Grenze von 33 ? liegt. Dies halten Beobachter aber für unwahrscheinlich. Die Telekom hatte in den vergangenen Wochen bei den VoiceStream-Großaktionären massiv für die Übernahme geworben.

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