Höhere Auflösung mit weniger Hertz: Chip erzeugt schärferes Fernsehbild

Höhere Auflösung mit weniger Hertz
Chip erzeugt schärferes Fernsehbild

Der Markt für Fernseher ist gesättigt. Wenn nicht gerade eine Olympiade oder eine Fußballmeisterschaft stattfindet, setzen die Hersteller auf neue Technik oder schickes Design, um die Kunden zu ködern.

HB MÜNCHEN. Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat schon für die Zeit nach der Winterolympiade vorgesorgt. Der Hersteller bringt im Frühjahr einen Fernseher mit verbesserter Bildqualität auf den Markt. Der Monitor stellt das Bild mit einer höheren Zeilenzahl dar als bisher üblich. Da das Zeilenraster nicht mehr sichtbar ist, wird die Wiedergabequalität besser.

Den Philips-Technikern ist es mit Hilfe eines Mikrochips gelungen, die Anzahl der Zeilen, die über die Bildröhre geschrieben werden, um exakt ein Drittel zu erhöhen - von 625 Zeilen auf 833. Mit dem Verfahren - das bei Philips Pixelplus heißt - ist selbst auf einem 36-Zoll-Bildschirm (sichtbare Diagonale rund 90 Zentimeter) kein Zeilenraster mehr erkennbar.

Sony bietet zwar auch einen Fernseher mit erhöhter Zeilenzahl an, doch funktioniert die so genannte Digital-Reality-Creation-Technik nur bei einer Frequenz von 50 Hertz, was sich in einem flackernden Bild bemerkbar macht. Die Darstellung von zusätzlichen Zeilen bei hochauflösenden Fernsehern mit 100-Hertz-Technik war bislang nicht möglich, weil Bildröhren nicht schnell genug reagieren und für den Bildaufbau pro Zeile zu lange brauchen.

Philips löst dieses Problem dadurch, dass die Anzahl der Bilder pro Sekunde von bislang 100 auf 75 reduziert werden. Damit geht der Hersteller zwar weg von der 100-Hertz-Technik, doch die war ohnehin nur eine Krücke, um die Probleme zu lösen, die durch die europäische PAL-Norm entstanden sind. Unter PAL werden 50 Bilder pro Sekunde ausgestrahlt, was besonders bei TV-Geräten mit der bisherigen 50-Hertz-Technik und mit größerer Röhre zum Flackern des Bildes führte. Die als Reaktion oft vorgenommene Verdoppelung der Bildfrequenz war für eine flimmerfreie Darstellung gar nicht nötig. Schon ab rund 70 Hertz kann das Auge den Bildwechsel nicht mehr wahrnehmen. Nicht einmal die teuersten Grafik- oder Workstation-Monitore arbeiten mit 100 Hertz.

Prozessor errechnet Zwischenbilder und beseitigt dadurch das Bildflimmern

Heute ist es dank größerer Speicherchips und schnellerer Prozessoren möglich, Zwischenbilder zu errechnen, so dass sich das Ruckeln beseitigen lässt. Philips nennt diese Technik Digital Natural Motion und setzt sie nicht nur in Fernsehern, sondern auch im DVD-Player ein. Damit lässt sich auch das Kantenflackern unsichtbar machen, das durch die Übertragung der einzelnen TV-Bilder in Halbbilder entsteht. Gleichzeitig rechnet das System intern mit einer wesentlich höheren Anzahl von Bildpunkten (Pixeln) pro Zeile, nämlich 2 048 statt 720 oder 1 024 bei bisherigen Digitalsystemen.

"Mit den neuen Prozessoren lassen sich die Übergänge wesentlich exakter berechnen, was im Ergebnis zu merklich schärferen Kanten führt als bisher" erläutert Joachim Pfeiffer, stellvertretender Chefredakteur des Stuttgarter Fachmagazins "Video", die Technik. Die Testredaktion der Fachzeitung kann eine deutliche Verbesserung der Bildqualität durch Pixelplus gegenüber 100-Hertz-Fernsehern bestätigen. "Vor allem die Schärfe und die Tiefenwirkung der neuen Monitore sind hervorragend", sagt Pfeiffer.

Das größte Problem für Philips liegt nun im Marketing. Denn die Abkehr von der 100-Hertz-Technik, die Philips wie auch die Wettbewerber bislang als Qualitätskriterium in der Werbung herausheben, lässt sich nur schwer vermitteln. Die Kunden können daher bei den neuen TV-Geräten wählen zwischen einer höheren Zeilenzahl mit 75 Hertz und der niedrigeren Zeilenzahl bei 100 Hertz.

Da Philips nicht nur führender Anbieter von TV-Geräten ist, sondern auch Lieferant von Bauelementen für andere Gerätehersteller, setzt Pixelplus nun auch andere Chipanbieter unter Zugzwang. Die Micronas AG in Freiburg, die im letzten Jahr den TV-Bereich von Infineon übernommen hat, wird nun auch über Alternativen zur 100-Hertz-Technik nachdenken.

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