Höhere Ausgaben für Kampf gegen Immunschwächekrankheit eingefordert
Annan: Regierungen dürfen Aids-Opfer nicht stigmatisieren

Zum Beginn des ersten Aids-Sondergipfels der Vereinten Nationen (Uno) hat Uno-Generalsekretär Kofi Annan die Regierungen der Welt aufgerufen, HIV-Infizierte nicht zu stigmatisieren. "Wir dürfen nicht vergessen, dass jede - wieso auch immer - infizierte Person ein Mitmensch ist, mit Menschenrechten und menschlichen Bedürfnissen", sagte Annan am Montag in New York.

Reuters NEW YORK. Er rief zudem zu höheren Ausgaben beim Kampf gegen die Immunschwächekrankheit auf. Der dreitägige Gipfel findet 20 Jahre nach der Entdeckung von Aids statt. An ihm nehmen etwa 3 000 Politiker, Wissenschaftler, Aids-Opfer und Wirtschaftsvertreter teil.

"Wir können mit Aids weder durch moralische Urteile fertig werden noch durch die Weigerung, unangenehmen Tatsachen ins Gesicht zu schauen", sagte Annan. "Und noch weniger dadurch, dass wir die Infizierten stigmatisieren und es so darstellen, als wäre alles ihre Schuld." Annan sprach damit den Streit unter den 180 Delegationen über Teile der Schlusserklärung an. Darin sollen einem Entwurf zufolge Homosexuelle, Prostituierte, Häftlinge und Drogenabhängige als besonders gefährdete Gruppen bezeichnet werden. Islamische Staaten haben sich dagegen mit der Begründung ausgesprochen, dies verletze religiöse und moralische Empfindungen.

In einigen Teilen Afrikas habe Aids die Entwicklung um zehn Jahre oder mehr zurückgeworfen, sagte Annan dem Text zufolge. Und nun bereite sich die Krankheit mit "einer erschreckenden Geschwindigkeit" in Osteuropa, Asien und der Karribik aus. Weltweit sind etwa 36 Millionen Menschen mit der Immunschwächekrankheit oder dem Aids auslösenden HIV-Virus infiziert, davon 25 Millionen in Afrika. Etwa 22 Millionen Menschen sind an der Seuche gestorben, 13 Millionen Kinder hat sie zu Waisen gemacht. Annan hat zur Bekämpfung der Krankheit die Einrichtung eines Fonds von jährlich 7 bis 10 Milliarden Dollar vorgeschlagen.

Fast alle der 26 teilnehmenden Präsidenten oder Ministerpräsidenten beim Gipfel stammen aus Afrika oder der Karibik. Der Leiter der Uno-Aids-Behörde (UNAIDS), Peter Piot bedauerte das Fehlen von hochrangigen Regierungsvertretern aus Osteuropa, Asien und Zentralamerika. Politischer Wille sei nicht durch Geld zu ersetzten, sagte er. Für Deutschland nimmt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt teil, für die USA Außenminister Colin Powell.

Kritiker werfen den USA vor, mit 200 Millionen Dollar nicht genug Geld für den Kampf gegen Aids beitragen zu wollen. Es wurde erwartet, dass Powell bei seiner Rede am Montag auch versuchen würde, den Streit um Äußerungen des Leiters der US-Behörde für Internationale Entwicklung, Andrew Natsios, zu schlichten. Dieser hatte erklärt, dass Afrikaner nicht mit bestimmten Aids-Medikamenten umgehen könnten, weil ihnen der Begriff der Zeit fehle.

Das Uno-Kinderhilfswerk Unicef forderte zum Gipfelbeginn, die Aids-Aufklärung für Mädchen zu verstärken. In Entwicklungsländern sei bei den 15- bis 24-Jährigen der Anteil der infizierten Mädchen und Frauen doppelt so hoch wie die ihrer männlichen Altersgenossen. "Mädchen haben eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Aids. Je früher sie ihr Recht, über ihre Sexualität selbst zu bestimmen, kennen lernen und durchsetzen, desto größer ist die Chance, die Ausbreitung der Epidemie unter jungen Menschen zu stoppen", teilte die Schirmherrin von Unicef - Deutschland, die Ehefrau von Bundespräsident Johannes Rau, Sabine Rau, mit.

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