Höhere Belastung von Dienstwagen trifft vor allem die Oberklasse-Anbieter
Steuerpläne bremsen deutsche Autohersteller

Dienstwagen sind mehr als Statussymbole, sie sind Arbeitsgerät und Motivationsinstrument - aber auch ein wichtiger Erfolgsfaktor gerade der deutschen Automobilherstellern, die sich überwiegend im Premiumsegment tummeln.

hof FRANKFURT/M. Entsprechend heftig fällt in der deutschen Automobilindustrie die Reaktionen auf die Regierungspläne aus, die Besteuerung für die private Nutzung von Dienstwagen von 1 auf 1,5 Prozent zu erhöhen. Stellvertretend für seine Mitgliedsfirmen preschte am Mittwoch der Verband der deutschen Automobilindustrie vor: "Mit einer Steuererhöhung um 50 % wird gerade das Fahrzeugsegment erheblich benachteiligt, das sich bislang als besonders konjunkturrobust gezeigt hat", wetterte der Präsident des Verbandes VDA, Bernd Gottschalk. Die rückläufige Automobilkonjunktur im Inland werde dadurch weiter geschwächt, "die Tendenz zur Kaufzurückhaltung gestärkt" prophezeiht der Vertreter der inländischen Hersteller.

Die deutschen Automobilbauer wären von einer solchen Maßnahme in der Tat besonders stark betroffen, kommen doch neun von zehn Dienstwagen aus den Blech- und Motorenschmieden von Mercedes, BMW, VW, Audi, Opel und Ford. Vom Gesamtbestand an Autos in Deutschland in Höhe von 44 Mill. sind rund 5 Mill. gewerblich zugelassen - ein Großteil davon als auch privat genutzter Dienstwagen. Noch deutlicher wird die Abhängigkeit der Branche vom Geschäft mit gewerblich genutzten Fahrzeugen bei den Neuzulassungen: So schätzen Experten, dass fast jede zweite der für dieses Jahr erwarteten gut 3,1 Mill. Autos, die neu auf Deutschlands Straßen kommen, als Gewerbe- oder Dienstwagen angemeldet wird.

Etwas abgeschwächt wird der negative Einfluss der geplanten Gesetzgebung durch den hohen Exportanteil der meisten deutschen Hersteller: So verkauft beispielsweise BMW nur noch rund ein Viertel seiner Fahrzeuge in Deutschland, bei Audi sind es rund ein Drittel. Doch dieses Argument zieht nach Meinung der Unternehmen nur zum Teil. "Wir leben natürlich auch davon, dass sich innovative Fahrzeuge auf dem deutschen Markt bewährt haben, weil das auf die Exportmärkte ausstrahlt", heißt es bei BMW in München. In das gleiche Horn stößt Audi: "Eine solche Erhöhung birgt besonders Risiken für die Innovationsträger" und damit für Absatz und Umsatz, heißt es. Daimler-Chrysler mit einem hohen Dienstwagen-Anteil in der Mercedes-Flotte wollte sich nicht zu den "Spekulationen" äußern. Auch Porsche in Stuttgart will erst einmal abwarten, bis eine offizielle Regelung vorliegt.

Als Reaktion wird in der Branche ein Abflauen der Nachfrage in der Oberklasse und der Umstieg auf billigere Modellvarianten befürchtet. Das würde direkt auf die Ertragslage durchschlagen. Denn die Margen bei den teureren Oberklasse-Limousinen sind besonders lukrativ. Daneben besteht aber auch die große Gefahr, dass die Dienstwagen-Kunden künftig besonders bei der Ausstattung ihrer Fahrzeuge sparen. Dies würde unmittelbar die Zulieferindustrie treffen. Angesichts der angespannten Situation in diesem Sektor sind die Folgen nicht abzusehen. Durch weniger Dienstwagen insgesamt, billigere Modelle und abgespecktere Ausstattungen könnte der positive Steuereffekt bereits verpuffen, glauben Marktkenner. Mindereinnahmen durch niedrigere Unternehmensgewinne könnten schließlich sogar zu einem negativen Saldo führen.

Schlechte Erfahrungen hat die deutsche Automobilindustrie bereits bei der Einführung der bisherigen Regelung gesammelt. . Nach Angaben des Automobilverbandes hat dies den Oberklassen-Absatz gehemmt: "1996 blieben die Neuzulassungen in diesem Segment um rund ein Fünftel hinter der Entwicklung des Gesamtmarktes zurück", rechnet VDA-Präsident Gottschalk vor. Sollte die Erhöhung kommen, träfe sie den Absatz von Fahrzeugen, "die für den weltweiten Erfolg der deutschen Automobilhersteller stehen", kritisiert Gottschalk.

Quelle: Handelsblatt

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