Höhere Gebühren lindern Schwierigkeiten
Fraport-Chef straft Pessimisten Lügen

Der Flughafenkonzern widersteht der Branchenkrise und ist mit deutlichen Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis ins laufende Jahr gestartet. Analysten hatten ein geringeres Plus erwartet.

FRANKFURT/M. Der größte deutsche Flughafenkonzern Fraport hat sich trotz der ernsten Luftfahrtkrise im ersten Quartal dieses Jahres besser geschlagen als erwartet. Nach Handelsblatt-Informationen steigerte das im MDax notierte Unternehmen von Januar bis März 2003 sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um rund 10 % auf gut 110 Mill. Euro. Dies gelang ungeachtet der Belastungen durch den Irakkrieg und die Lungenkrankheit SARS. Der Konzernumsatz legte um etwa 7 % auf knapp 430 Mill. Euro zu, hieß es aus Unternehmenskreisen.

Analysten hatten ursprünglich erwartet, dass sich die Zahlen nur geringfügig verbessern. So geht Mario Kristl, Experte von Helaba Trust, in seiner aktuellen Studie noch von einem Plus von 1 % beim Ebitda und einem Umsatz leicht über Vorjahr aus. Offiziell wird Fraport die Geschäftszahlen erst am Donnerstag vorlegen.

"Wir sind zuversichtlich, dass der wirtschaftlich positive Trend im ersten Quartal noch anhält", sagte Fraport-Chef Wilhelm Bender im Gespräch mit dem Handelsblatt lediglich. Nähere Angaben wollte der Vorstandschef nicht machen. Fraport war 2001 als erster deutscher Flughafen an die Börse gegangen.

Obwohl auch am Frankfurter Flughafen die Passagierzahlen seit dem Beginn des Irakkrieges deutlich zurückgegangen sind, kann sich der Konzern von den Turbulenzen der Branche bisher noch abkoppeln und Einbußen an anderer Stelle ausgleichen. So hat Fraport Anfang des Jahres die Gebühren am Frankfurter Flughafen erhöht, die Flughafenentgelte sind seither um rund 2,5 % gestiegen. Zudem erwartet das Unternehmen auch höhere Erlöse aus zusätzlichen Sicherheitschecks, da seit Jahresbeginn sämtliches Gepäck kontrolliert wird.

Bender glaubt jedoch nicht, dass die Krise spurlos am Flughafenkonzern vorbeigehen wird. SARS und die deutlichen Kapazitätskürzungen des Hauptkunden Lufthansa würden sich voraussichtlich im zweiten Quartal deutlich niederschlagen. Die Delle werde jedoch klar geringer ausfallen als beispielsweise im ersten Irakkrieg des Jahres 1991. Damals waren die Passagierzahlen bereits im ersten Monat um 25 % eingebrochen. "Ich glaube deshalb, dass wir bereits im Sommer wieder auf Normalkurs bei den Passagierzahlen zurückkehren werden und wieder ein Plus vor den Verkehrszahlen sehen werden", sagte Bender. Trotz des guten Starts hält Fraport an seiner Prognose für das laufende Jahr fest.

"Wir glauben weiterhin, dass Fraport im laufenden Jahr das Ebitda auf Vorjahresniveau exklusive der Abschreibungen wegen Manila halten kann", sagte Bender. Dies gelte allerdings unter der Voraussetzung, dass kein neuer Terroranschlag oder andere gravierende Geschehen die Branche erschüttern. Analysten der Credit Suisse First Boston glauben, dass Bender etwas tiefstapelt: Sie rechnen sogar mit 521 Mill. Euro.

Ursprünglich hatte Fraport 2002 ein Ebitda von 503 Mill. Euro erzielt. Doch musste der Konzern knapp 300 Mill. Euro für sein gescheitertes Terminal-Projekt am Flughafen der philippinischen Hauptstadt Manila abschreiben. Dadurch entstand unter dem Strich ein Verlust von 120 Mill. Euro. Fraport hatte einen bilanziellen Schlussstrich gezogen, nachdem man für das Projekt, um das sich Korruptionsvorwürfe ranken, keine Zukunft mehr sah.

In den Streit um eine Entschädigung für den Terminalbau in Manila ist laut Fraport nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der Philippinen wieder Bewegung gekommen. Die Regierung in Manila habe nach dem Urteil direkte Gespräche mit Fraport angeboten, sagte Bender. Das Gericht hatte Anfang Mai den Vertrag des Konsortiums um Fraport für nichtig erklärt. Bender: "Aus unserer Sicht steigen die Chancen auf eine Entschädigung."

Doch Bender will sich nicht auf eine Lösung am Verhandlungstisch verlassen. Gleichzeitig bereite man daher das Schiedsverfahren vor der Weltbank vor. "Mitte August werden wir formell dieses Verfahren starten, wenn nicht bis dahin Verträge über eine Entschädigung rechtsbeständig unterzeichnet worden sind - und das bezweifele ich", sagte Bender.

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