Höhere Preise in der Gastronomie und bei Dienstleistern verunsichern die Verbraucher
Der Euro-Start dämpft den Konsum

Der Einzelhandel hat 2002 einen schlechten Start hingelegt, und der Februar ist bisher auch unerfreulich verlaufen. Die Verbraucher fürchten versteckte Preiserhöhungen durch die Euroeinführungen und halten sich dementsprechend zurück.

rv DÜSSELDORF. Der Einzelhandel hat 2002 einen schlechten Start hingelegt. "Der Januar war ein Desaster", berichtet Joachim Bernsdorff, Analyst der Fortis Investment GmbH in Frankfurt. Auch der Februar verlief äußerst unerfreulich, meldete der Handelsverbands BAG. Erste offizielle Zahlen für den Januar legt das Statistische Bundesamt Mitte März vor.

Die Schwäche in den ersten beiden Monaten werde hoffentlich "nicht tonangebend für das gesamte Jahr sein", sagte Eugen Viehof, Präsident des Bundesverbandes der Filialbetriebe und SB-Warenhäuser (BFS) beim Unternehmerkongress des Verbandes in Köln. Im BFS sind Betreiber von Discountern, SB-Warenhäusern, Verbraucher- und Supermärkten organisiert. Sie gehen bislang davon aus, dass sie ihre Erlöse 2002 leicht steigern können. Im Vorjahr wuchs ihr Umsatz um 1 % auf 99,7 Mill. Euro - leicht besser als der Einzelhandel insgesamt, dessen Erlöse laut Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) nominal um 0,9 % zulegten.

Für 2002 erwartet der HDE bislang ein Umsatzplus von nominal 0,5 % auf 382,5 Mrd. Euro. Trotz der angespannten Lage sieht der HDE derzeit noch keinen Grund, die Prognosen nach unten zu korrigieren. "Wir wissen aber auch, dass nichts Unvorhergesehenes passieren darf", sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Weniger optimistisch ist die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG). Der Verband, dem Großkonzerne wie Karstadt-Quelle, C & A und Otto angeschlossen sind, geht von Stagnation aus.

Im ersten Quartal dürfte das Ergebnis der deutschen Händler ganz mies ausfallen, ist sich Fortis-Analyst Bernsdorff bereits heute sicher. Zur Einführung des Euro-Bargeldes hätten sich die Unternehmen einen harten Preiskampf geleistet, bei gleichzeitig sinkenden Umsätzen. Das werde zweifellos Spuren bei den Erträgen hinterlassen. Preiserhöhungen in der Startphase des Euro-Bargelds sind ein wesentlicher Grund für den Einkaufsstreik der Deutschen zu Jahresbeginn, meinen die Handelsexperten.

Bei Randsortimenten, in der Gastronomie und bei Dienstleistern hätten sich zum Teil drastische Preiserhöhungen eingeschlichen. "Das sind vor allem die Preise, die jedem ins Auge springen", sagt Ulrich Martinius, Geschäftsführer der BAG - auch wenn es in den Kernsortimenten des Einzelhandels, die das Statistische Bundesamt in seinen Warenkörben erfasst, keine augenfälligen Preiserhöhungen gegeben habe.

Die höheren Preise hätten die Verbraucher stark verunsichert, meint der BAG-Geschäftsführer. Spätestens ab Mitte Januar, als die Euro-Neugier abgeflaut sei, hätten sich die Konsumenten mit Käufen zurückgehalten. Der harte Wettbewerb werde aber dafür sorgen, dass die Preise in den nächsten Monaten wieder nachgeben.

Die geringe Kauflust der Bundesbürger spiegelt sich auch deutlich im Icon-Konsumbarometer wider. Im Januar verharrte der Index auf dem niedrigen Niveau von 87 Punkten. Die Verbraucher beurteilen die Konjunktur skeptischer und ihre Hoffnung auf Einkommenserhöhungen ist weiter gesunken. Daher stellen sie Pläne für die Anschaffung von langlebigen Konsumgütern zunächst zurück.

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