Höhere Tarife für Autofahrer und Firmen
Terrorschäden: Versicherer denken um

Ohne Schäden gäbe es keine Versicherungen. Doch auf die Größe kommt es an. Einen Schaden vom Kaliber des World Trade Centers verkraftet die Branche - mehrere nicht. Die Brände vor Sydney sind weit von einer bedrohlichen Größenordnung entfernt. So blicken die Versicherer optimistisch ins Neue Jahr.

DÜSSELDORF. Die Buschbrände haben sich am Mittwoch gefährlich nahe auf das Stadtzentrum von Sydney zubewegt. Doch von der Versicherungsfront kommt Entwarnung: Nach Angaben des Insurance Council of Australia, dem dortigen Verband, sind bisher "nur" 150 Häuser von den Flammen zerstört worden. Auch hierzulande bringen die Brände die Versicherungsmanager nicht ins Schwitzen. "Bisher summiert sich der versicherte Schaden auf umgerechnet 30 Mill.. Zum Vergleich, die teuersten Buschbrände haben etwa das Dreifache gekostet und liegen auch damit noch Welten von den Terrorschäden entfernt", sagt ein Sprecher der Münchener Rück, dem größten Rückversicherer der Welt, gegenüber dem Handelsblatt.

Größter Schaden seit Gründung der Münchner Rück

Weltweit beobachten Versicherungsexperten Naturkatastrophen jedoch mit wachsender Sorge. Die Versicherer bedrückt vor allem der stetige Wertezuwachs in Ballungsgebieten. Daher ist Rück-Vorstandsmitglied Wolf Otto Bauer grundsätzlich überzeugt: "Nach unseren Schätzungen können extreme Schadenbelastungen aus Naturkatastrophen noch über dem versicherten Schaden vom 11. 9.2001 liegen." Die Anschläge in den USA markieren für die globale Assekuranz den größten Schaden in ihrer Geschichte. Dabei steht die Höhe noch nicht einmal fest. Schätzungen variieren zwischen 40 und fast 80 Mrd. Dollar.

Hier rächt sich der Leichtsinn der vergangenen Jahre. Getrieben vom globalen Größenstreben schielten die Gesellschaften auf Marktanteilsgewinne und weniger auf echte, wie versicherungs-technische Gewinne. Marketing hat die saubere Kalkulation zunehmend verdrängt. Zunächst im Geschäft mit Industrie- und Gewerbekunden, später auch in der Autoversicherung des Privatmanns haben sich die Versicherer mit unzureichenden Beiträgen hohe Verluste eingehandelt.

Das konnte nur deshalb Jahre lang funktionieren, weil die Börsen mitgespielt haben. Etwa jede dritte Aktie gehört einer Versicherung. So lange gute Zeiten an der Börse herrschten, störten die schlechten Zeiten an den Versicherungsmärkten nicht. Das (ver)führte die Gesellschaften geradezu zu der letztlich ungesunden Strategie, hausgemachte Versicherungsverluste mit Anlagegewinnen auszugleichen.

Terroranschläge haben die Achillesferse getroffen

Die Terroranschläge haben der Verführung der Börse ein jähes Ende bereitet. Sie haben darüber hinaus eine andere Schwachstelle der weltweit operierenden Assekuranz aufgedeckt. So haben die Gesellschaften bis dato die so genannte Kumulgefahr unterschätzt. Mit anderen Worten: Sie haben nicht damit gerechnet, dass ein einziger großer Sachschaden eine wahre Lawine von Versicherungsschäden auslösen könnte. Und dies quer über alle möglichen Sparten - angefangen bei der Feuer- und Betriebsunterbrechungsversicherung der betroffenen und umliegenden Gebäude wie auch der Fluggesellschaften, Flughäfen und deren Shops bis hin zu Haftpflicht-, Kranken- und Lebensversicherungen. Anders als bei Naturkatastrophen sind die Versicherer darauf in ihren "normalen" Policen nicht vorbereitet gewesen.

So mancher Versicherer hat sich gründlich die Finger verbrannt und viele scheuen das Feuer nun derart, dass immer noch Firmenkunden um ihren gewohnten Versicherungsschutz für 2002 ringen. Vor allem um Terrorschäden machen die Unternehmen seitdem einen riesigen Bogen. Sie sind allenfalls noch bereit, bis zu einer noch nicht definierten Höchstgrenze Schutz zu bieten. Darüber hinaus soll der Staat haften, so die globale Meinung.

Kein Wunder also, dass in diesem Klima Preiserhöhungen und schärfere Bedingungen leichter durchzusetzen sind als vor dem 11. September. Auch wenn das Umdenken vom Wettbewerbs- zum Ertragsstreben bereits vorher eingesetzt hat: "Die verheerenden Terror-Schäden haben diesen Prozess beschleunigt", ist Günter Schlicht, Chef des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes, der Interessengemeinschaft der Firmenkunden, überzeugt.

Beitragserhöhungen für Autofahrer

Firmen wie Privatkunden müssen 2002 für ihre Policen tiefer in die Tasche greifen - nicht zuletzt auch wegen der ab 2002 geltenden Anhebung der Versicherungsteuer von 15 auf 16 %. Damit will die Regierung einen Teil ihres Sicherheitspaketes finanzieren.

Vor allem Autofahrern drohen Beitragserhöhungen. Im Kfz-Geschäft, der wichtigsten Sparte der Schadenversicherer, schreibt die Branche tief-rote Zahlen. Trotz der Verteuerung 2001 um im Schnitt 5 % und einer geringeren Schadenbelastung haben alle Autoversicherer zusammen wieder einen Versicherungs-Verlust (ohne Verrechnung mit Kapitalerträgen) von rund 1 Mrd. DM eingefahren.

Die Wende ist jedoch geschafft. Denn immerhin sind die Verluste "so weit zurückgegangen", dass es "2001 zum ersten Mal seit Jahren" ausgereicht hat, um zusammen mit den anderen Versicherungszweigen aus der Verlustzone zu kommen, begründet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft seinen Optimismus für 2002.

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