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Höhere Wahlbeteiligung erwartet als in Niedersachsen

Die Wahl in Hamburg ist mit Niedersachsen nicht vergleichbar, da sind sich die meisten Politiker mit den Meinungsforschern einig.

dpa HAMBURG. Zwar gilt der Urnengang im Stadtstaat am 23. September - dann werden sowohl die Bürgerschaft als auch die örtlichen Bezirksversammlungen neu bestimmt - traditionell als Zwitter zwischen Landtags- und Kommunalwahl. Doch in diesem Jahr ist alles anders: In Hamburg tobt ein Lagerwahlkampf zwischen Rot- Grün einerseits und dem Mitte-Rechts-Lager andererseits. "Hamburg ist so verschieden von allen anderen Situationen, dass ich mir irgendwelche Signale aus Niedersachsen nicht vorstellen kann", fasst Grünen-Landeschefin Antje Radcke zusammen. Verantwortlich für die Ausgangslage an der Elbe ist der "Schill- Faktor": Der als "Richter Gnadenlos" bekannt gewordene Parteigründer Ronald Barnabas Schill hat die politische Landschaft polarisiert. Das dürfte die Wähler mobilisieren.

"Die Wahl wird als Schicksalswahl empfunden", sagte Richard Hillmer von Infratest-Dimap dem "Hamburger Abendblatt". Im Unterschied zum Politikverdruss in Niedersachsen wird in Hamburg mit einem Ansturm auf die Wahllokale gerechnet. Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) hält sogar eine Beteiligung von um die 80 %, SPD-Parteichef Olaf Scholz sogar eine über dem Rekord von 84 % aus dem Jahr 1982 für erreichbar. Vor vier Jahren waren es 68,7 %.

"Das bürgerliche Lage ist hoch motiviert"

 

Als erstes Indiz für eine hohe Wahlbeteiligung gelten die Briefwähler: 117 000 Hamburger haben Briefwahl beantragt - 40 000 mehr als 1997. Wem eine hohe Wahlbeteiligung nutzen wird, ist offen. Traditionell profitiert davon vor allem die SPD, die seit Monaten auf eine hohe Wählermobilisierung setzt. Angesichts der hohen Zahl von Unentschlossenen von mehr als 40 % könnte das aber auch der CDU oder Schill nutzen. "Vor allem das bürgerliche Lage ist diesmal hoch motiviert", hat Parteiforscher Joachim Raschke festgestellt.

Aus den niedersächsischen Ergebnissen suchten sich die Hamburger Parteien erwartungsgemäß die für sie positiven Elemente heraus. "Wenn überhaupt, ist Hamburg mit der Landeshauptstadt Hannover vergleichbar", befand Runde. Dort bleibt Genosse Herbert Schmalstieg nach 29 Jahren Oberbürgermeister. Radcke meinte, die grünen Verluste hätten vor allem etwas mit den Atomkraftwerken im Land und dem Atomlager Gorleben zu tun.

CDU-Landeschef Dirk Fischer hofft auf einen Schub für Hamburg "durch das gute Abschneiden des bürgerlichen Lagers in Niedersachsen". FDP-Spitzenkandidat Rudolf Lange glaubt, das gute Abschneiden der Liberalen zeige, dass "die Zeichen für Hamburg ebenfalls auf Sieg stehen".

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