Höheres Kabelgebot hat Nachteil
Telekom forciert Verkäufe

Der neue Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke macht ernst in Sachen Schuldenabbau. Er forciert den Verkauf von Vermögensteilen, die nicht zum Kerngeschäft gehören: Auch Anteile am Geschäft mit der Antenneninfrastruktur sollen jetzt veräußert werden. Die Verbindlichkeiten sollen bis Ende 2003 deutlich sinken.

slo/tnt DÜSSELDORF. Die Deutsche Telekom AG, Bonn, bereitet den Verkauf von Anteilen ihrer Antenneninfrastruktur-Tochter vor. Nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld hat der Konzern die Investmentbank Morgan Stanley damit beauftragt. Von dem Verkauf erhofft sich die Telekom zusätzliche Einnahmen für den Schuldenabbau.

Der Bonner Konzern hat vor knapp einem Jahr das Geschäft mit Antenneninfrastruktur in eine eigenständige Gesellschaft, die Deutsche Funkturm GmbH, ausgegliedert und damals schon angekündigt, dieses Tochterunternehmen für die Beteiligung Dritter zu öffnen. Offenbar ist die Telekom inzwischen auch bereit, einen Mehrheitspartner zu akzeptieren, heißt es in Branchenkreisen.

Der Verkauf des Geschäfts mit Antenneninfrastruktur wäre ein weiterer Schritt des neuen Konzernchefs Kai-Uwe Ricke, den Schuldenberg von derzeit 64 Mrd. Euro abzutragen. Mehr als 700 Mill. Euro hat ihm bereits der Verkauf von Anteilen an der Internettochter T-Online eingebracht. Auf der Verkaufsliste steht nach Informationen aus Bankenkreisen auch die Auskunftstochter DeTeMedien. Ricke will die Verbindlichkeiten bis Ende 2003 auf 49,5 bis 52,3 Mrd. Euro senken. Die Schulden sollen damit drei Mal so hoch ausfallen wie das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) - nach Ansicht von Analysten ein durchaus realistisches Ziel. Der Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögensteilen könnte etwa 6 Mrd. Euro in die Telekom-Kasse spülen (siehe Stichwort). Weitere 5,5 bis 6 Mrd. Euro erwartet der Konzern an freiem Cash-Flow, der ebenfalls zum Schuldenabbau eingesetzt werden soll.

Branchenexperten schätzen den Wert des Antennengeschäfts, das ein positives operatives Ergebnis vorweisen kann, auf 2 Mrd. Euro. In der Gesellschaft sind die mehr als 15 000 deutschen Mobilfunk-Standorte der Telekom-Tochter T-Mobile gebündelt, sowie andere Funktürme, die zur Übertragung von Radio-, Fernseh- oder Richtfunk-Signalen genutzt werden. Für diese Standorte zahlt die Telekom Miete. "Unterm Strich kann die Telekom zwar durch den Verkauf der Tochter ihre Schulden senken", sagt Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim, "gleichzeitig reduziert sie aber durch das Sale-and-Lease-Back-Verfahren im Endeffekte ihre Marge."

Als Käufer kommen nach Ansicht von Experten die großen Betreiber von Antenneninfrastruktur wie American Tower und Crown Castle sowie auch Anbieter von Immobilienfonds in Frage. Das Geschäft gilt als solide, da langfristige Mietverträge mit T-Mobile sowie die Möglichkeit, die Standorte stärker für die neue Technik UMTS zu nutzen und an Dritte zu vermieten, die Risiken senken.

Anfang nächsten Jahres erwartet die Telekom auch den Erlös aus dem Verkauf der restlichen TV-Kabelnetze. Der Konzern rechnet mit etwa 2 Mrd. Euro. Es ist zurzeit unklar, ob bereits - wie ursprünglich angekündigt - in diesem Jahr die Entscheidung fällt, welcher Kabelbieter den Zuschlag erhält. Noch sind der US-Wagniskapitalgeber Hicks, Muse, Tate & Furst sowie das Finanzkonsortium um Goldman Sachs und Apax im Rennen. Nach Angaben aus informierten Kreisen liegt das Angebot von Hicks, Muse, Tate & Furst etwas mehr als 100 Mill. Euro über dem anderen Gebot.

Offenbar hat der höhere Preis allerdings auch einen Haken: Die Finanzierungsstruktur bei Hicks, Muse, Tate & Furst sei weniger vorteilhaft für die Telekom, da der Käufer einen geringeren Eigenkapitalanteil zur Finanzierung des Deals aufbringen könne, verlautete aus Verhandlungskreisen. Dies erschwere daher die Entscheidung, an welchen Bieter die Netze verkauft werden sollen.Der Verkauf der TV-Kabel an den US-Medienkonzern Liberty Media ist Anfang dieses Jahres am Veto des Bundeskartellamtes gescheitert. Der Grund: Der Einstieg des US-Konzerns würde zu einer deutlichen Verschlechterung des Wettbewerbs auf dem Kabelmarkt führen, befürchteten die Wettbewerbshüter. Bei den Bietern, die jetzt das Kabel kaufen wollen, wird eine solches Veto nicht erwartet.

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