Höheres Pflichtangebot gefordert
Constantin Film sorgt weiter für Spannung

Alles wie es sich im Filmgeschäft gehört: Die Übernahmeschlacht um die Constantin Film AG bleibt bis zur letzten Minute spannend.

MÜNCHEN. Die Auseinandersetzung zwischen dem Münchener Filmproduzenten und der Schweizer Highlight Communications AG ist zwar seit vergangener Woche offiziell vorbei. Doch für die freien Aktionäre wird es jetzt richtig interessant. Die Anteilseigner müssen entscheiden, ob sie das Abfindungsangebot von 4,50 Euro je Aktie annehmen oder ihre Papiere behalten. Zudem könnte es sein, dass das Pflichtangebot noch erhöht werden muss.

Die Wahl ist nicht einfach, denn Analysten sehen für die Constantin- Aktie viel Potenzial. Andererseits: Bevor Highlight seinen Übernahmeversuch startete, lag der Kurs lange bei etwa drei Euro. Jetzt notiert die Aktie bei knapp 4,5 Euro. Ein neuerlicher Absturz ist im risikoreichen Filmgeschäft nicht auszuschließen.

Dazu kommt neue Unsicherheit. Noch ist nicht ganz klar, wie die Übereinkunft von Constantin-Gründer und Großaktionär Bernd Eichinger (25,1 %) und Highlight im Detail aussieht. Fest steht, dass Filmproduzent Eichinger und Highlight sich geeinigt haben, dass Highlight seinen Anteil von derzeit mehr als 40 % auf bis zu 50,1 % aufstocken darf. Zudem legt der bis 2013 gültige Vertrag fest, dass Constantin seine bisherige Strategie fortsetzen kann. Und noch ein wichtiger Punkt wurde geklärt: Highlight darf drei und Eichinger zwei Aufsichtsratsmitglieder benennen. Auf das sechste Mitglied des Gremiums müssen sich beide Parteien einigen. Wer künftig das letzte Wort in dem Unternehmen hat, bleibt aber offen.

Risikoscheue Anleger sollten ihre Aktien zum Preis des Übernahmeangebots verkaufen, empfehlen Analysten. Wenn Highlight mit seiner Übernahmeofferte mehr als 50,1 % der Anteile einsammelt und seine überschüssigen Aktien später abstößt, könnte das den Kurs kurzfristig drücken, so die Befürchtung. Thomas Grillenberger von der Bayern LB hingegen hält Kursgewinne für möglich: "Jetzt kommt Phantasie in die Aktie, da Constantin durch den Einfluss von Highlight profitabler werden könnte. Denn trotz großer Filmerfolge war die Marge in der Vergangenheit relativ niedrig."

Außerdem besteht die Chance, dass Highlight und Eichinger ihr Pflichtangebot noch aufstocken müssen. Dies fordert zumindest der Münchener Anwalt Klaus Rotter. Er verweist auf eine Analyse der DZ-Bank, in der ein Buchwert von 6,13 Euro je Aktie ermittelt wurde. Zudem habe Highlight im letzten Jahresabschluss den Constantin-Anteil mit 8,4 Euro je Aktie bewertet. Und noch etwas ärgert Rotter: Zwar hätten die Schweizer der EM.TV AG jüngst nur 3,6 Euro je Aktie bezahlt, als sie deren Constantin-Paket von mehr als 16 % übernahmen. Zusätzlich hätte EM.TV aber noch einen Kredit bekommen, der zu dem gebotenen Preis addiert werden müsste.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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