Höhlen können auch schnell zum Grab werden
Guerillakrieg - eine wahrscheinlich leere Drohung

Legenden ranken sich um die Fähigkeit afghanischer Kämpfer, in der unzugänglichen Bergwelt ihrer Heimat auch technisch weit überlegenen Gegnern den Garaus zu machen. Ende der 80er Jahre jagten die Mudschahedin die russischen Besatzertruppen nach einem aufreibenden Guerillakrieg aus dem Land.

afp NEW YORK. Dass die Taliban diesem Beispiel wie angedroht folgen, ist nach Ansicht von Experten aber wenig wahrscheinlich: "Guerilla-Krieger leben von der Hilfe der Bevölkerung", sagt der in den USA lebende ehemalige Mudschahid Ali Jalali. Und genau diese Unterstützung haben die Gotteskrieger seiner Ansicht nach nicht.

Besonders die ländliche Bevölkerung könne den Kämpfern Unterkunft, Essen und sonstige Hilfe organisieren, erzählt Jalali, der von 1979 bis 1982 aus dem Hinterhalt gegen die Russen kämpfte. Heute arbeitet er bei "Voice of America", er ist Leiter des Programms, das auf Farsi ausgestrahlt wird. "Der Widerstand während der sowjetischen Besatzung war sehr erfolgreich, vor allem wegen des Beistandes des Volkes und der Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft", erklärt Jalali. "Damals gab es gute Kommunikations- und Logistikverbindungen. Doch das Spiel hat sich verändert."

Auf Unterstützung könnten die fundamentalistischen Gotteskrieger nur noch in eingegrenzten Regionen zählen, die leicht auszumachen seien. In diese Gebiete Nachschub zu bringen, sei zudem schwierig. Spione des pakistanischen Geheimdienstes haben berichtet, dass Taliban-Soldaten sich in den vergangenen Tagen in die südlichen und westlichen Provinzen Afghanistans sowie ins pakistanische Grenzgebiet zurückzogen, sich mit Konserven eindeckten und Vieh kauften, das später geschlachtet werden kann. Doch diese Vorräte werden im bevorstehenden Kampf gegen die afghanischen und ausländischen Gegner nicht lange halten.

In den 80er Jahren hätten die Mudschahedin von drei Faktoren profitiert, schreibt Afghanistan-Experte und Buchautor Larry Goodson in der "New York Times": "In Pakistan hatten sie einen Rückzugsraum, außerdem die Unterstützung der Vereinigten Staaten sowie fast der ganzen Bevölkerung. Nichts davon trifft heute zu." Nach ihrer Vertreibung aus den Städten würden die härtesten Taliban-Kämpfer sicherlich in die Berge flüchten. Ohne Unterstützung seien sie dort aber nur zu begrenzten Angriffen in der Lage, meint Goodson. Auch wenn in geheimen Höhlen und Tunnelsystemen Waffen, Munition und Nahrung deponiert seien, helfe dies wenig, wenn nicht auch die Umgebung abgesichert sei, fügt Jalali hinzu. "Eine Höhle kann auch schnell zum Grab werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%