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Hoeneß' Braut

Die Fußball-Bundesliga hängt noch am Tropf von Kirch. Die fetten Jahre sind vorbei - wie in zahlreichen anderen Branchen auch. Astronomische Ablösesummen für Elite-Ballkünstler werden hierzulande künftig wohl nicht mehr zwischen den Klubs hin- und hergeschoben. Auch die Gehälter der Kicker werden in den kommenden Jahren nach Einschätzung von Uli Hoeneß im Schnitt um rund 30 Prozent sinken. Bezüglich des Börsengangs seines Vereins wird der Manager des FC Bayern München zudem zusehends zurückhaltender.

"Ich will erst das neue Stadion stehen haben. Erst muss die Braut geschmückt sein." Uli Hoeneß spricht hier von den Voraussetzungen für den Börsengang der FC Bayern München AG. Man spürt, in diesen Zeiten fällt es dem Manager schwer, sich auf die Notiz seiner Sportfirma auf den Börsenzetteln zu freuen. Den Anteilseignern soll mit dem neuen Stadion ein echtes Asset geboten werden, erklärte er vergangene Woche vor dem Club Wirtschaftspresse in München. Der sportliche Erfolg allein, das weiß auch der erfahrene Fußball-Manager, reicht für ein lohnendes Investment nicht aus. Zu sehr ist man dabei nicht zuletzt auch von den Geldern für Fernseh-Übertragungsrechte abhängig. Kirch hatte diese in Schwindel erregende Höhen getrieben - doch damit ist in Zukunft wohl Schluss.

Das neue Stadion - es soll rund 300 Mill. Euro kosten - könnte bei reibungslosem Verlauf von Planung und Umsetzung im Jahr 2005 eröffnet werden. Der FC Bayern und Lokalrivale TSV 1860 teilen sich die Kosten für das Schmuckkästchen. Hoeneß gibt unumwunden zu, dass die AG zunächst nur gegründet worden sei, um dem Sportartikelhersteller Adidas-Salomon eine zehnprozentige Beteiligung an der Gesellschaft zu ermöglichen. In den eigenen Kassen landeten damit rund 77 Mill. Euro für den Stadionbau. Ebenso unumwunden erklärt der Manager, dass es von ihm aus gar nicht zu einem Börsengang kommen müsste. Viel lieber würde er weitere Aktienpakete an Großinvestoren abgeben, zu denen schon länger ein Vetrauensverhälnis bestehe - der Mann will halt doch auf Nummer sicher gehen.

Spekulanten, die am Aktienkurs herum manipulieren könnten, fürchtet Hoeneß wie der Teufel das Weihwasser. Aber auch Investoren und Großanleger, die dem Exil-Schwaben ins Handwerk reden könnten, sind ihm nicht gerade recht. Schließlich versteht Hoeneß offenbar etwas vom Geschäft: Im vergangenen Jahr hat der FC Bayern bei einem Umsatz von 360 Mill. Mark etwa 55 Mill. Mark Gewinn nach Steuern erzielt. Künftige Investoren sollten in jedem Fall in den Genuss ordentlicher Dividenden kommen - das jedoch rückt angesichts der aktuellen Äußerungen von Uli Hoeneß in weite Ferne. Jetzt soll erstmal die Braut geschmückt werden, damit sich möglichst viele Bewerber finden. Jene können sich drei Jahre lang noch anderweitig umschauen.

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