Hoeneß grollt und schweigt
Müde Bayern greifen nach dem Trostpreis

Erstmals seit 1995 wird es beim FC Bayern München am Saisonende keine Titelfeier geben, dafür sind die Aussichten auf den Trostpreis einer erneuten Teilnahme an der lukrativen Champions League wieder sprunghaft gestiegen.

dpa MÜNCHEN. Denn nach dem glücklichen 2:1 (2:0)-Erfolg im bayerischen Derby beim 1. FC Nürnberg steht der Fußball-Weltpokalsieger in der Bundesliga dank Bremer 3:0- Schützenhilfe gegen den FC Schalke 04 wieder auf dem von Vereinspräsident Franz Beckenbauer nach dem deprimierenden Viertelfinal-K.o. gegen Real Madrid zur letzten Mission erklärten dritten Tabellenplatz.

Manager Uli Hoeneß war trotzdem stinksauer, auch wenn er seinem Ärger nach Spielschluss nur in der Umkleidekabine freien Lauf ließ. Öffentlich hüllte er sich dagegen in vielsagendes Schweigen: "Ich sage nichts. Wenn ich etwas sagen würde, wäre das zu gefährlich."

Oliver Kahn war sicherlich nicht die Zielscheibe seines Zorns. Der Nationaltorhüter war vor 44 696 Zuschauern im ausverkauften Frankenstadion mit einer Weltklasseleistung der Erfolgsgarant einer ausgelaugten Mannschaft, die sich mit letzter Kraft zum Zielstrich schleppt und einem totalen Neubeginn entgegen blickt. "Nächstes Jahr kommen neue Spieler, dann wollen wir in drei Wettbewerben neu angreifen - und dazu gehört die Champions League. Denn auch wenn wir gegen Real Madrid verloren haben, sind das die Highlights im Leben. Darauf will man auch nächstes Jahr nicht verzichten", erklärte Kahn. Er redete seinen Kollegen eindringlich ins Gewissen: "Der Verein hat das Ziel ausgegeben, dass wir den dritten Platz schaffen müssen. Darum muss in den letzten drei Spielen jeder noch einmal alles abrufen. Wenn das jeder tut, schaffen wir das auch."

Dabei ahnen alle, dass die noch ausstehenden 270 Spielminuten zu einer Zitterpartie werden. "Wir haben nur noch Schlüsselspiele vor uns", warnte Trainer Ottmar Hitzfeld. Schon die 90 Minuten gegen Nürnberg kosteten ihn "sehr viele Nerven". Am nächsten Samstag kommt es in München zum direkten Duell um Rang drei mit Verfolger Hertha BSC. Die Berliner liegen als Vierter mit 58 Punkten nur einen Zähler hinter den Bayern. "Wenn wir gegen Hertha gewinnen, haben wir einen Konkurrenten schon aus dem Weg geräumt", erklärte Kahn.

Um den Abstiegskandidaten 1. FC Nürnberg aus dem Weg zu räumen, benötigten die Bayern drei Tage nach der Real-Pleite neben Kahns Paraden zwei Abwehrfehler des Aufsteigers bei den Toren von Giovane Elber (11.) und Claudio Pizarro (41.) sowie eine gehörige Portion Glück. Denn nach dem verwandelten Foulelfmeter von Jacek Krzynowek (73.) zum 1:2 kamen die Nürnberger nach der gelb-roten Karte für Tomasz Kos (74.) selbst in Unterzahl dem Ausgleich noch ganz nah. Zwei Minuten vor dem Abpfiff musste Willy Sagnol nach einem Schuss von Lars Müller auf der Torlinie den wichtigen Sieg retten. "Wir hätten nicht mehr in Gefahr geraten dürfen", schimpfte Hitzfeld.

Nach dem "Memmen-Auftritt" beim 0:1 in Rostock und dem Wirbel um die anschließende Disco-Affäre einiger Profis boten die Franken dem Rekordmeister "ganz gut Paroli", wie Trainer Klaus Augenthaler nach der ärgerlichen Niederlage gegen seinen Ex-Verein feststellte. "Die Mannschaft lebt nach wie vor", fand Augenthaler, den die "einfachen Gegentore" mehr ärgerten als die vergebenen Torchancen im Angriff.

Tröstlich waren für den Tabellen-Fünfzehnten am Samstag aber vor allem die Niederlagen der Mitkonkurrenten SC Freiburg und St. Pauli, wodurch das schmale Polster von vier Punkten auf einen Abstiegsrang erhalten blieb. "Jetzt wollen wir nur hoffen, dass die Kölner nicht noch einmal aus dem Sarg springen", meinte Präsident Michael A. Roth beim Blick auf die Abstiegszone skeptisch. Trotz des bedrohlichen Restprogramms mit Auswärtsspielen gegen Schalke und St. Pauli sowie dem Heimspiel gegen den designierten Meister Bayer Leverkusen rang sich Roth aber schließlich doch noch eine mutige Prognose ab: "Der 'Club' bleibt in der Bundesliga", legte sich der Vereinsboss fest.

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