Hoeneß will Vertragseinsicht gewähren: Bayerns „Geheimvertrag" schlägt hohe Wellen

Hoeneß will Vertragseinsicht gewähren
Bayerns „Geheimvertrag" schlägt hohe Wellen

Manager Uli Hoeneß hat sich vehement verteidigt, doch der FC Bayern München sieht sich im Wirbel um den umstrittenen "Geheimvertrag" bereits mit ersten Konsequenzen sowie mit herber Kritik der Konkurrenz konfrontiert. Ein Berliner Rechtsanwalt stellte gegen den deutschen Fußball-Rekordmeister wegen des Kontrakts mit der Kirch-Gruppe sogar Strafanzeige. Hoeneß kündigte an, der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die gewünschte Einsicht in den Vertrag zu gewähren.

HB/dpa MÜNCHEN. Gleichzeitig wehrte sich der Bayern-Manager gegen Vorwürfe der Wettbewerbsverzerrung und der Bestechlichkeit. "Wir haben uns nicht kaufen lassen. Der FC Bayern ist nicht käuflich", sagte Hoeneß dem Bayerischen Rundfunk am Donnerstag.

Unterdessen rief die Berichterstattung über die Bayern und den Kirch-Vertrag einen Berliner Juristen auf den Plan. Der Rechtsanwalt Bert Handschumacher stellte beim Landgericht München I Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der FC Bayern AG und der Kirch Media, teilte der Anwalt selbst mit. "Ich habe das aus eigenem Antrieb gemacht. Ich vertrete keinen Mandanten. Ich habe gestern von den Vorfällen gelesen, und dabei drängte sich sofort der Verdacht von Schmiergeldzahlungen auf", sagte Handschumacher der dpa. Er handle im Interesse der Fußballfans, "die entsetzt sind über diese Vorgänge und die kein Vertrauen mehr haben in den DFB und die DFL - nach dem Motto: eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus."

Hoeneß konnte den allgemeinen Wirbel seit dem Bekanntwerden des Vertrages nicht nachvollziehen. Dieser Vertrag habe nichts mit der Liga zu tun. "Insofern verstehe ich die Aufregung einiger Herren in der Liga nicht." Andere hätten bei entsprechenden Möglichkeiten ähnlich gehandelt, glaubt der Bayern-Manager. Vielmehr äußerte Hoeneß die Ansicht, es handle sich bei vielen Vereinen um "Neid auf den FC Bayern, aber das sind wir ja gewohnt".

Die DFL kündigte am Donnerstag eine Untersuchung der Unterlagen sowie möglicher Schäden für die Liga an. "Wir werden überprüfen, inwieweit der Vertrag beim Lizenzierungsantrag hätte vorgelegt werden müssen", sagte DFL-Geschäftsführer Michael Pfad auf dpa-Anfrage: "Überprüft werden muss auch die Frage, inwieweit der Liga als Gruppe ein materieller Schaden entstanden ist."

Hoeneß bestätigte in einem Interview mit dem Fachblatt "Horizont Sport Business", die Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Auf die Frage, warum die Vereinbarung nicht der DFL vorgelegt worden war, sagte er: "Ich weiß nicht, ob das sein musste. Außerdem ist in den Gesprächen Geheimhaltung vereinbart worden." Es gebe "1000 Verträge", über die nicht gesprochen werde, ohne dass sie deshalb unlauter seien. Auch einen Imageverlust befürchtet Hoeneß nicht: "Im Gegenteil. Wenn einer die Hintergründe kennt, muss er sagen: "Die waren wieder cleverer als der Rest der Welt.' Wenn Kirch nicht kaputt gegangen wäre, wäre das doch ein Wahnsinns-Vertrag gewesen."

Allerdings kamen aus den Kreisen der Bundesliga-Konkurrenten einige heftige Reaktionen. Nach "kicker"-Angaben soll ein nicht genannter Spitzenclub sogar eine Klage gegen den FC Bayern planen, falls sich in dem Vertrag Anhaltspunkte dafür fänden. Frank Mackerodt, Aufsichtsratsmitglied des HSV, ging gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" am weitesten. "Stimmen die Fakten, wäre das Wettbewerbsverzerrung", erklärte er: "Die Bayern hätten dann nicht nur die zusätzlichen Millionen-Einnahmen an die Liga abzuführen, auch die Aberkennung ihrer Meistertitel müsste angedacht werden. Schließlich haben sie sich mit dem Geld auf dem Transfermarkt bedient."

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der FC Bayern von Ende 1999 bis Ende 2002 eine schriftliche Vereinbarung mit der Kirch-Gruppe hatte, die dem deutschen Fußball-Rekordmeister in den vergangenen zwei Spielzeiten insgesamt rund 20,5 Mill. ? eingebracht haben soll. Das "manager magazin" hatte berichtet, dass sich Kirch für das Geld angeblich die Zustimmung des größten Quotenbringers zu einer weiteren zentralen Vermarktung der Bundesliga-Fernsehrechte gesichert hatte. Die Bayern hatten den Vertrag bestätigt, sich aber nicht zu Details geäußert.

Die Liga-Konkurrenten hielten sich mit Vorverurteilungen zurück, forderten aber Aufklärung. "Wenn es so wäre, dann wäre es rechtlich nicht zu bemängeln, aber moralisch anfechtbar. Der Pakt der Solidarität wäre gebrochen", sagte Schalke-Manager Rudi Assauer, "Uli Hoeneß ist immer moralisch einwandfrei durchs Leben gegangen. Wenn es aber jetzt so wäre, dann muss man sich fragen, wie geht man damit um?"

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