Hörrohr von 3M und Bang & Olufsen unterdrückt Störgeräusche
Digitales Stethoskop erkennt Herzklappenfehler

Neben dem weißen Kittel gehört das Stethoskop wohl zum wichtigsten Utensil eines Arztes. Eine völlig neue akustische Dimension eröffnet jetzt das leistungsstärkste digitale Stethoskop der Welt, "Littmann 4000".

BERLIN. Es ist das Ergebnis einer ungewöhnlichen Kooperation: Die Wissenschaftler der US-Medizintechnikfirma 3M haben es zusammen mit den Audio-Experten der dänischen Hifi-Edelschmiede Bang & Olufsen entwickelt.

"Erstmals ist es ohne großen Aufwand möglich, Herzklappenfehler schon im Anfangsstadium zu diagnostizieren", sagt Maurits Dirdal, Herz-Lungen-Spezialist am Herning Hospital der dänischen Universität in Aarhus. "Das wird uns künftig helfen, viele Kosten einzusparen." Bisher konnte nur eine Operation und die Einführung eines Katheters Aufschluss bringen.

Seit fast 200 Jahren nutzen Mediziner das Hörrohr, um Herztöne, Atem- und Darmgeräusche zu prüfen. Verglichen mit den modernsten herkömmlichen Stethoskopen ermöglicht das neue Modell eine bis zu 18fach höhere Geräuschverstärkung. Darüber hinaus ist das Gerät in der Lage, irritierende Störgeräusche zu unterdrücken. Es eignet sich speziell zur so genannten Auskultation schwer abzuhörender Herz-, Lungen- und Körpergeräuschen: "Littmann 4000" erkennt Herzfrequenzen von 30 bis 199 Schlägen pro Minute.

Die Ingenieure von Bang & Olufsen haben das "Littmann 4000" mit einer leistungsstarken Digitaltechnik ausgestattet. Mit ihr lassen sich aufgenommene Tonfrequenzen auf sechs unterschiedlichen Spuren aufzeichnen, speichern und wiedergeben. Auch das Abspielen bei halber Geschwindigkeit ist möglich, was die Diagnose erleichtert.

Doch die innovativen Finessen des Stethoskops haben auch ihre Tücken. Ärzte können plötzlich Geräusche hören, die ihnen völlig neu sind. Herz-Lungen-Spezialist Dirdal: "Bei den ersten Untersuchungen hört man plötzlich Töne, die einem völlig fremd sind und die man nie zuvor gehört hat. Ich musste erst lernen, sie richtig einzuordnen."

Ärzte, die mit dem Gerät wenig Erfahrung haben, stehen also vor einem nicht unerheblichen Problem. Bei der Auskultation spielt die Erfahrung eine entscheidende Rolle: Der Arzt ist in der Regel an sein Stethoskop gewöhnt und hat gelernt, harmlose von gefährlichen Geräuschen zu unterscheiden.

Wohl nicht zuletzt deshalb haben die Wissenschaftler das "Littmann 4000" mit einer Infrarot-Schnittstelle ausgestattet. Damit können die Töne aus dem Körperinneren auf einen Computer übertragen, gespeichert, und an Dritte weitergeleitet werden. "Wenn ein Arzt mit der Diagnose nicht weiter weiß, kann er mir die Daten per E-Mail zukommen lassen", sagt Dirdal. "So kann ich jederzeit weiterhelfen."

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%