Hoffen auf das Weihnachtsgeschäft
Möbelbranche macht schlechte Geschäfte

Die Möbelbranche leidet besonders stark unter der Kaufzurückhaltung der Deutschen. Die Umsätze der Hersteller und Händler gingen deutlich zurück, teilten die Branchenverbände gestern auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der im Januar stattfindenden internationalen Möbelmesse "imm" in Köln mit.

KÖLN. "Die Neuanschaffung von Möbeln wird in unsicheren Zeiten immer wieder aufgeschoben", sagte Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels. Im Gegensatz zu technischen Geräten oder Autos verschlissen Möbel nur langsam und kontinuierlich, erklärte Grothkopp das schleppende Geschäft. Einen Totalausfall wegen eines technischen Defekts, wie etwa bei Fernsehern oder Computern, gebe es genau so wenig wie einen TÜV oder Unfallschäden.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist der Umsatz im Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel um 9,1 % gesunken. Nach ebenfalls schwachen Verkäufen im Oktober und November dürfte sich an diesem Zwischenergebnis für das gesamte Jahr kaum noch etwas ändern, sagte Grothkopp. 2001 hatte der Möbelhandel 31,3 Mrd. Euro umgesetzt - inklusive Bau- und Heimwerkermärkten und SB-Warenhäusern. Auf den Fachhandel entfielen mit 22,6 Mrd. Euro nur noch knapp drei Viertel des Umsatzes.

Viele Händler hoffen, das Ergebnis des laufenden Jahres doch noch durch ein gutes Weihnachtsgeschäft aufzupeppen. Eine aktuelle Umfrage des Forschungsinstituts Emnid hat ergeben, dass die Themen "Wohnen und Einrichten" bei den Weihnachtseinkäufen für über ein Fünftel der Verbraucher eine bedeutende Rolle spielen wird. Insbesondere jüngere Menschen planten, Möbel und Einrichtungsgegenstände zu verschenken.

Diese Aussagen sind Musik für die Ohren der Hersteller. Auch sie haben bislang ein großes Umsatzminus eingefahren: Von Januar bis September sanken ihre Verkäufe um 9,8 % auf 15,0 Mrd. Euro. "Uns fehlt bereits jetzt der Umsatz eines gesamten Monats", sagt Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie. Klaas hofft, dass die Hersteller das Minus bis Jahresende auf rund 8 % begrenzen können.

Die mittelständisch geprägte Branche leidet nicht nur unter dem Konsumfrust der Deutschen, auch ausländische Billiganbieter wie beispielsweise Ikea bringen Hersteller wie Händler unter Druck. Die Zahl der Herstellerbetriebe sank im vergangenen Jahr um 3,8 % auf 1 344; bei den Mitarbeitern fiel der Abbau noch deutlicher aus: Derzeit arbeiten gut 149 000 Beschäftigte in der Branche, 5,7 % weniger als noch vor einem Jahr.

Der Verbandsgeschäftsführer übte harsche Kritik an der Bundesregierung, von der sich die Branche "im Stich gelassen" fühle. Dennoch forderte Klaas seine Branchenkollegen auf, nicht nur zu Schimpfen, sondern auch eigene Anstrengungen zu unternehmen, um das Geschäft anzukurbeln. So gelänge es einzelnen Unternehmen auch in Krisenzeiten zu wachsen: durch Konzentration auf den Export, die Straffung überladener Sortimente oder die Zusammenarbeit mit externen Designern.

1 350 Unternehmen aus 51 Ländern werden ihre Produkte vom 13. bis 19. Januar 2003 auf der Kölner "imm" ausstellen. Die Messe gilt als Trendbarometer.

Quelle: Handelsblatt

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