Hoffentlich Allianz verwaltet
Analysten stufen Allianz hoch

Die Allianz will mit der geplanten Übernahme der Dresdner Bank insbesondere auf dem Markt für Altersvorsorge und für Vermögensanlagen stärker werden. Kritiker sagen, der Preis dafür sei zu hoch.

cbu/fs/nw/rob FRANKFURT/MÜNCHEN. Die Börse wusste offenbar sofort Bescheid: Die Allianz-Aktie rutschte nach den ersten Nachrichten zur geplanten Dresdner-Übernahme ab, das Papier der Bank ging steil nach oben. Doch die Stimmung drehte: Gestern Nachmittag lag Allianz mit etwa 2 % im Plus, Dresdner aber im Minus. Gleichzeitig stuften die Analysten von HSBC die Aktie des Münchener Versicherungskonzerns auf "kaufen" hoch. Auch die Experten von ABN Amro raten jetzt zu "akkumulieren" statt bisher "verkaufen".

Gestern Mittag hatten Allianz und Dresdner offiziell Verhandlungen über einen gemeinsamen Konzern bestätigt. Das strategische Ziel der Allianz, durch die Übernahme der Dresdner zu einem integrierten Finanzkonzern zu werden, kommt inzwischen bei den Märkten und den Anlegern an. Schließlich sind die Münchener schon länger auf der Suche nach einem Vertriebsweg für ihre Versicherungs- und Vermögensverwaltungs-Produkte.

Zudem ist die Allianz bei Publikumsfonds in Deutschland derzeit noch schwach vertreten. Da passe die Dresdner-Tochter Deutsche Investment-Trust (DIT) gut in die Allianz-Strategie, meinte etwa Carsten Zielke, Analyst bei WestLB Panmure. DIT, hinter DWS, Deka und Union die Nummer vier der deutschen Fondsbranche, sei zudem ein guter Markenname. Rund 60 % des deutschen Fondsgeschäfts laufen über Banken. Allianz und Dresdner zusammen steigen zu einem der größten Vermögensverwalter weltweit auf. Die Allianz-Gruppe alleine verwaltete bisher ein Vermögen von knapp 740 Mrd. , etwa die Hälfte davon für Dritte.

Schon seit einigen Jahren baut die Allianz die Vermögensverwaltung als drittes Standbein neben der Lebens- und Sachversicherung auf. Dabei sind die Münchener zuletzt deutlich vorangekommen. So wurden 1999 und 2000 die beiden US-Asset-Manager Pimco und Nicholas Applegate übernommen. Pimco ist dabei auf festverzinsliche, Nicholas Applegate auf wachstumsorientierte Anlageprodukte konzentriert. Die Produktion, also die Entwicklung von Fondsprodukten, ist damit für die Allianz inzwischen komplett. Was bisher fehlte, war neben dem Bankvertrieb ein Publikumsfonds-Anbieter.

Strategischer Ausbau der Marktposition

Ohnehin stehen bei der geplanten Übernahme der Dresdner - anders als bei herkömmlichen Fusionen - für die Allianz nicht Synergieeffekte oder Kosteneinsparungen im Vordergrund, sondern der strategische Ausbau der Marktposition. Als größten Zukunftsmarkt haben die Münchener neben der Vermögensverwaltung die private und betriebliche Altersvorsorge ins Visier genommen. In allen drei Bereichen erwarten Fachleute Wachstumsraten von jährlich 15 bis 20 %.

Gerade der betrieblichen Altersvorsorge wird das größte Steigerungspotenzial zugebilligt. Das ist auch der Grund, warum die Allianz offenbar Wert auf den Erhalt des Firmenkundengeschäfts der Dresdner legt. Aus allianznahen Kreisen heißt es, dass die Versicherung bereits jetzt Zugang zu den tausend größten Unternehmen weltweit habe.

Mit der Dresdner Advance Bank-Tochter könnte die Allianz ebenfalls etwas anfangen. Die Direktbank hat sich, anders als andere deutsche Online-Broker, auf den Beratungsansatz spezialisiert. Damit erreicht sie wohl die lukrative "zweite Welle" der Kunden, also vornehmlich die einkommensstarke Klientel, die wiederum für die Vermögensverwaltung interessant ist.

Beobachter sehen die Übernahme der Dresdner Bank dennoch als defensiven Schritt der Allianz an. Im vergangenen Jahr waren bereits zwei Fusionsversuche für die Dresdner gescheitert. Das Privatkundengeschäft der Bank sei auch in der Vergangenheit wenig profitabel gewesen. Zwar treibt die Bank gerade Einsparungen voran, etwa durch das Schließen von Filialen. Zurückgeworfen wird sie wie andere Frankfurter Institute durch die schlechte Situation an den weltweiten Aktienmärkten, weil das Geschäft mit den Kleinanlegern vor allem von Provisionen abhängt. Derzeit lassen die Orders jedoch stark nach. Am 5. April will Dresdner- Chef Bernd Fahrholz die Bilanz für 2000 präsentierten.

Kritik gibt es von Analysten, dass der Kaufpreis für die Dresdner zu hoch sein könnte. Marijn Smit, Analyst bei ABN Amro, glaubt nicht, dass die Allianz so hohe Synergiegewinne erzielen wird - selbst unter Einbeziehung eventueller Erträge aus dem Verkauf der Investment-Aktivitäten. Dies würde den Preis der Übernahme kaum rechtfertigen. Es sei seit langem klar, dass die Dresdner Bank als eigenständiges Haus keine profitable Zukunft habe. Von den drei Kerngeschäften sei lediglich das Asset-Management akzeptabel. Analysten hielten gestern einen Preis von 54 bis 60 je Dresdner-Aktie für im Rahmen des Vertretbaren.

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