Hoffnung auf Besserung erst ab 2004 Baubranche bricht dramatisch ein

Die seit Jahren gebeutelte Bauwirtschaft wird nach Einschätzung des Branchenverbands HDB auch 2003 kräftig schrumpfen und Arbeitsplätze abbauen.

Reuters BERLIN. "Was sich im Bau abspielt, ist eine Katastrophe", sagte Ignaz Walter, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) am Mittwoch in Berlin. Nachdem die schlechte Witterung und die Verunsicherung der Auftraggeber durch den Irak-Krieg Neugeschäft und Umsätze zu Jahresbeginn hätten einbrechen lassen, erwarte der Verband nun einen Umsatzrückgang von sechs Prozent und einen Verlust von 60 000 Arbeitsplätzen in diesem Jahr. Walter forderte mehr öffentliche Investitionen und tief greifende Reformen, ohne die Deutschland nicht aus der tiefen Wirtschaftskrise kommen werde.

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Bislang hatte der HDB lediglich mit einem Umsatzminus von 3,8 Prozent in diesem Jahr gerechnet. Die konjunkturelle Talsohle wird die Bauindustrie dem HDB zufolge frühestens im Jahr 2004 erreichen. Ähnlich hatte sich Mitte Mai auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) geäußert, der allerdings nur von einem Umsatzrückgang von 3,8 Prozent ausgeht.

"Eine Belebung der Umsätze ist nicht vor 2005 und eine Stabilisierung der Beschäftigung nicht vor 2006 zu erwarten", teilte der HDB mit. In diesem Jahr dürften dem Verband zufolge weitere 60 000 Arbeitsplätze in der Branche verloren gehen.

Dem HDB zufolge waren im April 300 000 Bauarbeiter ohne Beschäftigung - so viele wie nie zuvor in diesem Monat. In den ersten drei Monaten seien im Vergleich zum Vorjahr 87 000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Seit 1995 haben dem HDB zufolge fast 600 000 und damit 42 Prozent der deutschen Bauarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren. Die Quote der Arbeitslosigkeit sei auf über 40 Prozent gestiegen.

Der HDB sprach von einem dramatischen Umsatz- und Nachfrageeinbruch in den ersten drei Monaten 2003. Der Umsatz habe 12,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres gelegen. Der Auftragseingang sei sogar um 15 Prozent eingebrochen. "Der Irak-Krieg hat die Auftraggeber paralysiert", sagte Walter und begründete damit auch die Hoffnung darauf, dass ein Teil des Umsatzminus im Jahresverlauf noch aufgeholt werden könne. Allerdings habe sich im April und im Mai noch keine Wende abgezeichnet. Auch Frühindikatoren wie der NTC-Bauindex haben für das laufende Quartal einen Rückgang der Bautätigkeit signalisiert.

Bauwirtschaft fordert mehr öffentliche Investitionen

Ein düsteres Bild zeichnete Walter von der Lage der deutschen Wirtschaft. "Deutschland befindet sich in einer richtigen Wirtschaftskrise", sagte der HDB-Chef. "Wenn wir nicht aufpassen, kommen wir wirklich in eine Deflation." Ein Aufschwung sei dabei nur über die Bauwirtschaft zu erreichen, sagte Walter weiter. Dem HDB zufolge hätte das reale Wachstum im ersten Quartal bei einer Stabilisierung der Bautätigkeit bei 1,2 Prozent zum Vorjahr statt den tatsächlichen 0,5 Prozent liegen können. Auch Volkswirte haben in der Schwäche der Bauwirtschaft einen Grund für den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 Prozent in den ersten drei Monaten zum Vorquartal ausgemacht.

Walter machte vor allem fehlende öffentliche Investitionen für die derzeitige Baukrise verantwortlich. Dabei gebe es beispielsweise im Straßen- und Kanalbau sowie bei öffentlichen Gebäuden dringenden Sanierungsbedarf in Milliardenhöhe, für den aber vor allem den Kommunen das Geld fehle. Daher dürften die Haushalte nicht länger zu Lasten der öffentlichen Investitionen saniert werden. "Wenn Sparen, dann bei den Konsumausgaben und den Subventionen", forderte Walter. Die Eigenheimzulage nahm er allerdings davon aus, auch wenn er eine andere Gestaltung beispielsweise in Form von steuerlichen Vergünstigungen beim Bau eines Hauses befürwortete. Zudem forderte Walter die private Finanzierung öffentlicher Bauprojekte.

Für die lohnintensive Bauwirtschaft sei zudem die Senkung der Lohnzusatzkosten sehr wichtig, sagte Walter. Die Reformagenda der Bundesregierung gehe zwar in die richtige Richtung aber bei weitem nicht weit genug.

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