Hoffnung auf die Aktienmärkte
RWE trennt sich von Hochtief

Die RWE AG will ihre seit längerem als Finanzbeteiligung geführte Bautochter Hochtief künftig nicht mehr voll in die Konzernrechnung einbeziehen. Dies sei der erste Schritt für die angekündigte mittelfristige Trennung von Hochtief und damit ein Zeichen für den Kapitalmarkt, dass RWE seine Konzentration auf das Kerngeschäft ernst meine, sagte Konzernsprecher Bill McAndrews am Donnerstag in Essen.

rtr ESSEN. Am Status der ebenfalls als Finanzbeteiligung geführten, aber noch vollkonsolidierten Tochter Heidelberger Druckmaschinen AG werde sich dagegen nichts ändern. Hochtief begrüßte die Ankündigung als ersten Schritt in die Unabhängigkeit. Auf einen Zeitpunkt des Verkaufs der Anteile von Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief wollte sich RWE nicht festlegen. Konzernchef Dietmar Kuhnt hatte wiederholt erklärt, die Beteiligungen würden veräußert, wenn RWE Geld für weitere Akquisitionen in die Kerngeschäfte Strom, Gas, Wasser und Entsorgung brauche. Ebenso wie der Düsseldorfer Konkurrent Eon AG verfolgt RWE eine rasante Wachstumsstrategie. Zuletzt hatte der Konzern im Dezember den Zuschlag für den Kauf des tschechischen Ferngasunternehmens Transgas erhalten. Den Kaufpreis von 4,1 Mrd. ? will der Konzern über den Kapitalmarkt finanzieren.

Die Entkonsolidierung von Hochtief soll technisch durch Umschichtungen innerhalb der bisherigen RWE-Beteiligungen an Hochtief vollzogen werden und nicht durch Abgabe eines Teils der Aktien an die Börse. RWE hält den Angaben zufolge aktuell 62,28 % an Hochtief, davon 45,64 % direkt und 16,64 % indirekt über eine Vorschaltgesellschaft. Bei Heidelberger hatte RWE im Sommer seine Beteiligung auf knapp über 50 % gesenkt, dadurch den Streubesitz an der Börse erhöht und dem Unternehmen damit den Verbleib im Börsensegment MDax gesichert.

"Der künftige Partner steht aus unserer Sicht noch nicht fest", sagte ein Hochtief-Sprecher in Essen. Es sollte aber ein Eigentümer sein, der die strategischen Ziele von Hochtief teilte. "Gleich und gleich macht aber keinen Sinn", fügte er mit Blick auf die mögliche Übernahme der Hochtief-Mehrheit durch einen ähnlich aufgestellten Baukonzern hinzu. Hochtief erwirtschaftet den Großteil von Umsatz und Ertrag inzwischen mit seinen Töchtern Turner Corp (Nordamerika) und Leighton Holdings (Australien/Asien). Im klassischen Hochbaugeschäft in Deutschland leidet Hochtief unter der seit Jahren anhaltenden Konjunkturflaute. Für 2001 hatte Konzernchef Hans-Peter Keitel im Dezember trotz eines Konzernverlustes in den ersten neun Monaten ein positives Gesamtergebnis vorhergesagt.

Keitel begrüßte die RWE-Entscheidung. "Damit erleichtern wir den internationalen Finanzmärkten, aber auch unseren internationalen Kunden, das Verständnis für unsere strategische und unternehmerische Eigenständigkeit", erklärter er. An der Frankfurter Börse gaben Hochtief-Aktien am Donnerstag allerdings kräftig nach, während RWE in einem insgesamt behaupteten Markt zulegen konnten. Am Mittag notierten Hochtief mit 18,20 ? um knapp drei Prozent niedriger. RWE wurden zur selben Zeit bei 43,77 ? um knapp ein Prozent höher gehandelt.

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