Hoffnung auf die Fed
Kein Einbruch des Euro nach der Ablehnung der Dänen

Im asiatischen Handel haben Spekulationen über neuerliche Interventionen weitere Kurseinbußen der Gemeinschaftwährung verhindert. Mit Spannung warteten die Märkte nun vor allem auf das künftige Verhalten der US-Notenbank.

rtr/HB FRANKFURT. Denn nur wenn die Federal Reserve (Fed) bei neuerlichen konzertierten Stützungskäufen mitwirke, könne dies den Euro nachhaltig stützen. Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro am Freitag mit 0,8793 (Vortag 0,8851) $ bewertet und lag damit unter dem EZB-Referenzkurs des Vortages (0,8832 $). Die US-Devise verteuerte sich damit auf 2,2243 (2,2097) D-Mark.

Die EU-Finanzminister sehen derweil in der Ablehnung des Euro durch die Dänen mit einer Mehrheit von gut 53 % keine Auswirkungen für die Euro-Zone und die Gemeinschaftswährung. Sie verwiesen auf die vergleichsweise geringe wirtschaftliche Bedeutung Dänemarks für die Euro-Zone. Die Euro-Zone umfasse rund 300 Mill. Einwohner, während Dänemark nur 4,5 Mill. Einwohner habe, sagte der französische Finanzminister Laurent Fabius anlässlich der Tagung der Finanzminister in Brüssel.

Eine mögliche negative Reaktion des Euro wurde nach Händlerangaben bereits durch die Stützungskäufe der G7-Länder vor einer Woche aufgefangen. Isolierte Interventionen seien selten, die Notenbanken würden wahrscheinlich noch einmal eingreifen. Händler in Tokio hielten schon ab einem Niveau von 87 US-Cents ein Eingreifen der Notenbanken für möglich. Der Euro behauptete sich aber am Vormittag deutlich über diesem Niveau. Im Verlauf des europäischen Handels gab die Gemeinschaftswährung weiter auf ein vorläufiges Tagestief von 87,45 US-Cents nach.

Fraglich sei, wie lange die USA an gemeinsamen Stützungskäufen teilnehmen werde, hieß es am Markt. "Wenn die USA wiederholt Dollar verkaufen müssen, riskieren sie auch einen Vertrauensverlust für ihren eigenen Finanzmarkt", sagte Ken Landon von der Deutschen Bank in Tokio. "Aber wenn die EZB ohne die Fed intervenieren sollte, wird der Markt darin mangelnde Einigkeit sehen und den Euro dafür bestrafen." EZB-Chef Duisenberg sagte am Freitag in Brüssel, er werde sich erst zu Interventionen äußern, wenn diese stattgefunden hätten.

Krone bleibt am Euro angebunden

Duisenberg äußerte sein Bedauern über die Entscheidung der Dänen. Allerdings habe er mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass die dänische Regierung und die Notenbank auch künftig zu einer stabilen Anbindung der dänischen Krone an den Euro entschlossen sei. Die Krone ist in einem Band mit einer Schwankungbreite von plus/minus 2,25 % an den Euro gebunden. Die dänische Notenbank bekräftigte, sie werde die Anbindung der Krone an den Euro beibehalten. Zugleich hob sie die für den Geldmarkt wichtigen 14-tägigen Zinssätze für Ausleihungen und Einlagen um 50 Basispunkte auf 5,60 % an. Damit sollte die Unsicherheit über den Wechselkurs der Krone vermieden werden, hieß es zur Begründung.

Zwei Drittel der Briten gegen den Euro

Die britischen Euro-Gegner sehen sich durch den Ausgang des dänischen Referendums bestärkt. "Diese Abstimmung beendet die Angstmacherei der Labour-Regierung", erklärte Oppositionsführer William Hague in der Nacht zum Freitag in London: "Sie hat behauptet, Großbritannien werde isoliert sein, wenn es das Pfund behält. Wir sind es nicht. Sie hat behauptet, die Euro-Mitgliedschaft sei unausweichlich. Sie ist es nicht. Sie hat behauptet, dass alles einheitlich sein muss. Das muss nicht sein."

Regierungschef Tony Blair, der in Großbritannien nach der für Mai 2001 erwarteten Parlamentswahl ein Referendum über einen britischen Euro-Beitritt angekündigt hat, ließ erklären: "Dies war eine Entscheidung des dänischen Volkes, und sie ändert überhaupt nicht die Position der britischen Regierung." Auch Außenminister Robin Cook erklärte, sofern die wirtschaftlichen Bedingungen richtig seien, werde eine Labour-Regierung eine Volksabstimmung organisieren. Nach übereinstimmenden Umfragen sind etwa zwei Drittel der britischen Bevölkerung für die Beibehaltung des Pfundes und strikt gegen einen Beitritt zum Euro.

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