Hoffnung auf eine Erholung der Weltkonjunktur schon in Kursen enthalten
Experten raten Anlegern zur Vorsicht bei Metallaktien

Industriemetall-Aktien waren lange die Aschenputtel der Börse - nun sind die Papiere plötzlich bei Investoren populär. Insbesondere Aluminiumwerte wie Alcoa, Alcan oder Pechiney zählten in den vergangenen Monaten zu den Lieblingen der Anleger.

DÜSSELDORF. "Dies liegt daran, dass Industriemetalle schon lange gefragt sind, bevor der Konjunkturfrühling naht", sagt Charles Kernot von BNP Paribas. Metalle wie Aluminium und Nickel sind die Ausgangsstoffe für die Produktion der Industrie. Folglich spüren Unternehmen, die diese Metalle fördern, die verbesserten Wachstumsaussichten als erste. "Die Aktienkurse dieser Firmen bilden die Entwicklung der Metallpreise sechs bis neuen Monate im Voraus ab", sagt Kernot. Mit den Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed sind die Hoffnungen auf eine rasche Besserung der US- und damit der Weltkonjunktur gestiegen - sollten Anleger nun also Metallaktien kaufen?

Alcoa-Aktie gilt bereits als recht teuer

Analyst Kernot rät zur Vorsicht. Der möglichen schnellen Erholung der US-Wirtschaft stünde wohl eine geringere Nachfrage nach Metallen aus den krisengeschüttelten Schwellenländern gegenüber. Außerdem seien die Erwartungen an eine schnelle Erholung der Weltkonjunktur bei vielen Metall-Werten bereits eingepreist. "Es könnte sein, dass die Metallaktien einen Fehlstart hingelegt haben", sagt Kernot.

Dies gelte z.B. für den weltgrößten Aluminiumhersteller Alcoa. Der Aktienkurs des US-Konzerns ist von 23,5 $ im September 2000 auf momentan 39,5 $ gestiegen. Damit sieht Kernot den Kurs als "weitgehend ausgereizt". Dabei gilt Aluminium als der Werkstoff der Zukunft für Automobile - denn mit dem leichten Metall lässt sich der Spritverbrauch reduzieren. Doch die Energiekrise in Kalifornien hat Alcoa stark geschadet. Die Alu-Produktion ist sehr energieintensiv und Strom teuer - so sank der Gewinn einschließlich Aufwendungen im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um rund 16 % auf 315 Mill. $.

Die kanadische Alcan ist von der US-Energiekrise weniger stark betroffen: Der zweitgrößte Alu-Hersteller der Welt produziert größtenteils in unternehmenseigenen Stromwerken in Kanada. Deutsche-Bank-Analyst Tom van Leeuwen sieht dennoch wenig Potenzial für Kursgewinne. Die Aktie des Unternehmens sei mit knapp 37 $ bereits hoch bewertet. Außerdem betrug Alcans Nettogewinn im zweiten Quartal weniger mit 74 Mill. $ weniger als halb soviel wie sechs Monate zuvor.

Bei der Aktie des französischen Aluminium-Herstellers Pechiney sieht Kernot hingegen noch Kurspotenzial. Das Unternehmen profitiert von den Strom-Problemen Alcoas und von den höheren Alu-Preisen. Jedoch hat auch diese Aktie in den vergangenen Monaten schon stark zugelegt: Mitte Oktober 2000 stand sie bei 38, nun liegt ihr Kurs in Paris bei rund 58 Euro. Wegen der Gefahr eines Rückschlags sollten Anleger also Gewinne durch Setzen eines Stop-Loss-Kurses absichern.

Nickelaktien haben in den vergangenen Monaten nicht so stark gewonnen wie Alu-Papiere. Denn die Anlage in Nickel-Aktien birgt Risiken. Van Leeuwen rechnet damit, dass der Preis für das Metall in den kommenden Monaten weiter stark unter Druck steht. In der Tat ist der Nickelpreis äußerst volatil. Im März 2000 lag er bei 4,83 $ pro Pfund, dann fiel er auf 2,65 $ im April 2001, und aktuell steht er bei 3,22 $. Vor diesem Hintergrund ist es schwierig für die Nickelproduzenten, ein stetiges Gewinnwachstum zu erzielen.

Allerdings ist dies der kanadisch-amerikanischen Inco zuletzt gelungen; Inco ist mit rund 3 Mrd. $ Jahresumsatz und 24 % Marktanteil einer der weltgrößten Nickelhersteller. Trotz sinkender Nickelpreise war das Geschäftsjahr 2000 mit einem Gewinn von 80,5 Mill. $ Hier kam Inco seine breite Aufstellung zugute - das Unternehmen profitierte von den steigenden Preisen für Kupfer und Kobalt, die es ebenso fördert.

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